Auch im Jahre 2020 müssen Grower ihre liebevoll gepflegte Outdoor-Ernte in den allermeisten Ländern immer noch unter dem Damoklesschwert der Illegalität einbringen, die naturgereiften Buds oftmals in einer konspirativen Nacht-und-Nebel-Aktion ins sichere, traute Heim verfrachten. Fatal, wenn dann durch Fehler bei der Weiterverarbeitung alle Mühen zunichte gemacht werden…

Immer noch verhunzen viele Grower ein eigentlich gutes oder sehr gutes Ergebnis eines Grows durch falsche, unüberlegte und lieblose Ernte- und Trocknungsmethoden. Dabei gilt für die Ernte wie auch im sonstigen Leben die Regel: Was man macht, das macht man vernünftig, gewissenhaft und mit dem Anspruch eines bestmöglichen Endergebnisses. Einmal etwas Zeit investiert, sich gründlich Gedanken gemacht, etwas Wissen angelesen – und schon kann auch Otto Normalgrower mit perfekten Buds in Gourmet-Qualität glänzen. Gelernt ist gelernt, und wenn man die edle Ware dann feierlich seiner Freundin, Frau oder dem Freundeskreis kredenzt, heißt es “Same procedure as every year, Mary Jane.”

Das Zauberwort bei der Trocknung der Ernte lautet “Slow Bud” – gut Ding will eben Weile haben. Denn wie bei einem guten Wein kommt Gourmet-Qualität nicht innerhalb einer Woche zustande, sondern braucht ihre Zeit, die Blütenaromen müssen in aller Ruhe reifen und sich verfeinern können. Doch die Entdeckung der Langsamkeit steht vielen Growern – vor allem solchen, die erst am Beginn ihrer Anbaukarriere stehen – noch bevor, sie müssen erst noch lernen, dass es sehr lohnenswert ist, ihre unbändige Vorfreude, vielleicht sogar Gier, auf die fertige Rauchware zu drosseln und stattdessen auf Entschleunigung bei der Ernteverarbeitung zu setzen. Um am Ende Grasblüten zu erhalten, die mild und weich im Rauch sind und ein komplexes, faszinierendes Bouquet entwickelt haben, das sich aus mehreren Aromakomponenten zusammensetzt, die alle einzeln mit der Nase wahrnehmbar sind. Nun ist der Wandel von einer rein konsumorientierten hin zu einer genussorientierten Haltung sicherlich auch eine Altersfrage, die meisten Leute entwickeln eine Vorliebe für gutes Essen und edle Weine eben nicht schon im jugendlichen Alter, sondern erst im mehr oder minder fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Trotzdem gilt “Früh übt sich” – und Genuss statt Gier tut jedem Menschen gut.