Fast kommen sie einem vor wie vom Aussterben bedrohte Pflanzenexoten, die in ihrer Heimat zurückgezogen in kleinen Habitaten überleben. Und darüber hinaus nur von wenigen Menschen kultiviert werden – ganz so, wie das etwa bei gärtnerischen Orchideen-Liebhabern der Fall ist. Nun, eigentlich verhält es sich genauso mit der Art Cannabis sativa: Reine Sativa-Landrassen sind in ihren Herkunftsländern schon lange auf dem Rückzug und dort immer schwerer zu finden.

Das liegt u. a. daran, dass auch die Bauern in diesen ursprünglichen Provenienzen spätestens seit diesem Jahrtausend auf ertragreichere und schneller blühende Hochleistungsgenetiken kommerzieller Samenbanken setzen, die in Zeiten der Globalisierung weltweit problemlos zu bekommen sind. Und die wenigen, die es in Afrika, Asien oder Südamerika noch mit nativen Sativa-Landrassen halten, haben es mitunter schwer, ihre Genetik unverfälscht zu bewahren, weil Fremdpollen von anderen Feldern ihre Pflanzen bestäuben. Ja, pure, akklimatisierte Sativa-Landrassen sind Mangelware in der gegenwärtigen Cannabis-Sortenwelt, nicht nur auf den Freilandfeldern in Asien oder Afrika, sondern auch in den Sortimenten der Samenbanken, weil sie oftmals eine sehr bis extrem lange Blütezeit haben und deshalb für die allermeisten kommerziellen Indoor-Grower irrelevant sind. Denn Zeit ist Geld – und auch Strom ist Geld.

Vor allem die großen, namhaften Seedbanks haben nur selten reine Sativa-Landrassen im Programm. Eine löbliche Ausnahme macht hier Barney’s Farm mit Dr. Grinspoon. Ja, hinter diesem honorigen pflanzlichen Doktor verbirgt sich doch tatsächlich eine native, exotische 100%ige Sativa-Pflanze, die ursprünglich in Laos beheimatet ist. Der Barney’s-Gründer, -Inhaber und -Züchter Derry entdeckte diese Genetik bei einer Reise durch Thailand und Laos in den achtziger Jahren und brachte sie in Form von Samen mit zurück nach Holland, wo er sie durch selektive Züchtung akklimatisierte und stabilisierte. Derry beschloss später, diese Sorte nach Dr. Lester Grinspoon zu benennen und damit die großen Verdienste zu ehren, die dieser im Juni 2020 verstorbene amerikanische Psychiatrie-Professor und Cannabis-Verfechter für die Pflanze und ihre medizinische und gesellschaftliche Anerkennung erworben hatte.