Hinter dem Pseudonym Trommel-Tobi verbirgt sich der Tübinger Tobias Fröhlich. Der Wahlberliner ist schon seit vielen Jahren der Lieblingsschlagzeuger angesagter deutscher Acts wie Sido, Bausa, Haftbefehl, Eko Fresh, Audio88 & Yassin oder Suff Daddy. Aber auch Sänger und Songwriter wie Heinz Rudolf Kunze oder internationale Acts wie Yarah Bravo engagieren ihn gerne als Live-Drummer. Mit “We’ll Be Okay” stellt er nun sein zweites Solo-Album vor, welches in der Corona-Krise wie eine Prophezeiung wirkt. Wir sprachen mit Trommel-Tobi u. a. über seine Single “Kush O Clock”, die Legalisierung von Cannabis und seinen Übergangsjob in einem Berliner Corona-Impfzentrum.

INTERVIEW

Wie hast du das Schlagzeug für dich entdeckt?

Das war zum einen in der Schule durch meinen damaligen Musiklehrer, der mich bereits in der 6. Klasse in die Big Band der Schule aufnahm, und zum anderen durch meine Eltern, mit denen ich oft auf eher kleinen Konzerten war, wo ich mich dann schon sehr früh für die Drummer interessiert habe. Das lag sicher auch daran, dass ich ein hyperaktives Kind war, das sich aber zum Glück immer gut ausleben konnte. Insofern hat sich auch mein Körper dieses Instrument ausgesucht. Mit elf Jahren habe ich mir dann von meinem Kommunionsgeld mein erstes Drum-Kit gekauft und bin dann auch gleich in die Musikschule des Dorfes gegangen, um zu lernen, wie man Schlagzeug spielt. Mit den Jahren wechselten meine Lehrer, bis ich dann nach dem Abitur an der “Academy of Contemporary Music” in Zürich Musik mit dem Schwerpunkt Schlagzeug studierte. Später war ich dann auch noch zwei Jahre am “Drummer’s Focus”, einer anderen privaten Uni, da ich einfach möglichst coole und erfahrene Lehrer wollte, die mich optimal auf das aufregende Berufsleben eines Drummers vorbereiten konnten.

War der Moment, als Künstler wie Sido oder Haftbefehl auf dich aufmerksam wurden, der Moment, in dem du dann tatsächlich Profi wurdest?

Da stellt sich natürlich die Frage: Ab wann ist man professionell? Knüpft man das nur an den wirtschaftlichen  Erfolg? Denn wenn ich mir mein Einkommen mancher Jahre anschaue, dann war ich wohl selten so richtig professionell (lacht). Natürlich zahlt jemand wie Sido sehr gute Live-Gagen, aber in die wirtschaftliche Selbständigkeit als Musiker zu gehen war 2010 für mich schon ein ziemlicher Sprung ins kalte Wasser. Bloß, weil man ab und zu für große Namen spielt, kann man sich nicht den Rest des Jahres entspannt zurücklehnen. Wenn man nicht dauerhaft mit einem namhaften Act unterwegs ist, hat man als Freelancer immer auch mal wieder Monate, in denen nichts oder nur sehr wenig reinkommt.

Während der Corona-Monate gab es ja praktisch keine Konzerte – wie hast du das bisher weggesteckt?

Ich hatte vor der Krise einen 20-Stunden-Job als Content Manager in einem Musikgeschäft, der mir dann sofort gekündigt wurde, und auch alle anstehenden Touren und Konzerte waren erstmal verschoben bzw. abgesagt – insofern hat auch mich die Corona-Krise heftig getroffen. Aber dadurch, dass ich gut vernetzt bin und mir Freunde und die Familie beistanden, hatte ich insgesamt zum Glück ein ziemlich entspanntes letztes Jahr. Dadurch, dass auch ich – wie viele andere – bei allen möglichen Staatshilfen durchs Raster fiel, kam natürlich deutlich weniger Geld rein, aber im Gegenzug hatte ich viel mehr Zeit für mich, enge Freunde und meine Familie. Ich war auch viel in der Natur und half überlasteten Freunden im Haushalt und beim Home-Schooling ihrer Kids. On top hatte ich immer noch genügend Zeit, um eigene Musik zu produzieren, und so entstand dann auch mein zweites Solo-Album. Dieses hatte ich schon länger geplant, jedoch bis dato einfach nicht die Zeit dafür gefunden. Und seit Dezember letzten Jahres bin ich nun, wie so viele aus der Veranstaltungsbranche, in Vollzeit in einem Impfzentrum tätig. In meinem Fall ist das die Arena Berlin in Treptow, in welcher in den letzten Jahren auch immer die Mary Jane Berlin stattfand. Und egal, wie man nun zur Corona-Politik und zu manchen diesbezüglichen Entscheidungen steht – hier hat die Regierung gut mitgedacht und vor allem Leute aus der Gastro- und Veranstaltungsbranche miteinbezogen, die alle gerade in Kurzarbeit oder auch ganz ohne Arbeit  sind. Denn letztlich ist die Organisation eines solchen Impfzentrums gar nicht so anders, als die einer Messe oder einer ähnlichen Großveranstaltung. Bis auf das eigentliche Impfen sind wir hier für alles zuständig und verantwortlich. Und wenn dann alle geimpft sind, wird auch die Corona-Krise vorbei sein. Dann können wir hoffentlich alle wieder unsere Berufe ausüben und auch wieder unser gewohntes Leben führen – gerne aber mit deutlich mehr Rücksicht auf die Natur, unsere Mitmenschen und uns selbst.