In unserem aktuellen Interview der Rubrik „(M)Ein Leben mit Cannabis“ treffen wir dieses mal den 39jährigen Berliner Malte. Im Gegensatz zu allen bisher in dieser Rubrik Interviewten lebt Malte nicht nur mit Cannabis, sondern teilweise auch davon. Nach eigenen Angaben macht er etwa ein Drittel seiner Einkünfte durch illegalen Einzelhandel, die anderen zwei Drittel beim Online-Poker – eine Kombination, die er als „äußerst praktisch“ bezeichnet, da er ja eh fast immer zuhause sei. Und so traf ich ihn auch dieses Mal wieder vor dem Computer an, mit dem er gerade in irgendeinem virtuellen Casino ebenso virtuelle Karten spielte. Ich hatte mich natürlich vorab angekündigt und auch meinen Wunsch geäußert, für die thcene ein Gespräch mit ihm aufnehmen zu dürfen und nun war es soweit. Allerdings war erst mal noch etwas Geduld erforderlich, da an seinem Onlinepokertisch irgendein Mitspieler „reif“ sei – also drehte ich erst mal einen. Als der Joint entzündet wurde, hatte es Malte dann auch schon geschafft, dem „Reifen“ seine verbliebenen Chips abzuluchsen. Er loggte sich aus und übernahm lächelnd die Tüte, bevor ich den MP3-Recorder startete und wir das Interview begannen.

Unter welchen Umständen bist du erstmals mit Cannabis in Berührung gekommen?

Das war etwa ein Jahr nach der Wende – im Jahr der Wiedervereinigung. Als ehemaliger DDR-Bürger war Hanf für mich ja bis zum Ende der „Volksrepublik“ gar kein Thema – lediglich von Haschisch hatte ich im Fach Staatsbürgerkunde schon mal gehört. Dabei ging es aber weniger um Fakten, als um alle möglichen „westlichen Rauschgifte“, die – staatsbürgerkundlich gesehen – sonst sicher revoltierenden westeuropäischen und amerikanischen Arbeitermassen ruhigstellen und zur Verelendung der Werktätigen im nichtsozialistischen Ausland beitragen würden. Ich kann mich sogar noch an ein Foto aus dem Stabü-Buch erinnern, auf dem ein paar freakige Gestalten vor einer Amsterdamer Innenstadtansicht zu sehen waren und die Bildunterschrift auf das beschwerliche Leben der Drogensüchtigen im „internationalen Drogenzentrum Amsterdam“ hinwies. Ich fand, die Leute sahen gar nicht so schlimm, sondern sogar recht gut gelaunt aus. Nichtsdestotrotz hatte ich zu diesem Zeitpunkt – das war 1986 – noch keine bzw. eine nur sehr verzerrte Vorstellung von Cannabis. Und obwohl auch in der DDR – und zwar in rekordverdächtigem Maße – Alkohol getrunken und geraucht wurde, sprach man in diesem Zusammenhang nie von Drogen – denn Drogen gab’s nur im Westen und da sollten sie auch bleiben. So habe ich damals tatsächlich gedacht – während ich gleichzeitig auf den zahlreichen damals steigenden „Feten“ immer gerne meinen eigenen „Punsch“ mitbrachte. Der bestand aus preiswertem Weißwein, Rotwein und jeder Menge Zucker, der die Wirkung noch zu steigern verstand. Dazu wurde Kenton Menthol geraucht und jede Menge pubertärer Scheiß angestellt. Aber mit Drogen hatten wir in der DDR natürlich nix am Hut.

Daraus schließe ich, dass du erst im neu eröffneten Westen deine erste eigene Cannabiskonsumerfahrung gemacht hast.

Korrekt, hat aber auch über ein Jahr gedauert und kam irgendwie ganz seltsam hinten rum. Ich hatte damals eine Elektroband und relativ regelmäßig Auftritte und irgendwann hatte dann unser experimentierfreudiger Sänger auch mal ein paar „Trips“ dabei. Natürlich wollte ich erst mal wissen, was das denn eigentlich wäre, aber das wusste der selber nicht. Aber er habe schon einige Erfahrungen damit und wüsste daher, dass einer pro Person und Nacht wohl völlig ausreicht. Und er habe nie irgendwelche unangenehmen Nebenwirkungen verspürt, sondern nur ein unbeschreibliches Körpergefühl und jede Menge hochsprudelnde Kreativität. Das klang verlockend und so gingen wir zusammen auf die Reise – was genau wir da eigentlich eingenommen hatten, haben wir nie herausgefunden, aber es war irre. Im positiven Sinne – wir haben in einem nicht enden wollenden Hochgefühl die Nacht durchgemacht und dabei gemeinsam einen super Trance-Track komponiert und arrangiert, der auch im nachhinein noch richtig gut klang. Da sich auch keine unerwünschten Nebenwirkungen eingestellt hatten, waren wir nur allzu gern bereit, diese Erfahrung zu wiederholen. Allerdings gab’s da nahezu unüberwindliche Probleme bei der Nachschubbeschaffung – der Kumpel unseres Sängers hatte nur eine Handvoll „Trips“ aus Amsterdam mitgebracht und der Vorrat war inzwischen komplett dahin. Daher entschieden wir uns schließlich, selbst mal in das verruchte Amsterdam zu fahren, wo es diese Trips angeblich an einer ganz bestimmten Straßenecke mit verhältnismäßig hoher Sicherheit zu bekommen waren. Am nächsten Wochenende fuhren wir dann tatsächlich mit meinem Trabbi nach Amsterdam – mit der klaren Absicht, uns irgendwie diese geilen Trips zu besorgen. Wir kamen Freitag Nacht an und checkten erst mal in eine kleine Pension ein, bevor wir uns am nächsten Tag auf den Weg in den Rotlichtbezirk machten, um in der Seitenstraße neben einem bestimmten Coffee-Shop auf einen illegalen Drogenverkäufer zu lauern. Nachdem wir uns eine gute halbe Stunde mit suchenden Blicken in dieser Straße rumgetrieben hatten, wurden wir tatsächlich angesprochen: „Kokain, LSD, Ecstasy?“ Offensichtlich hatten wir unseren Einzelhändler gefunden und fragten ihn daher ganz unverblümt: „Do you have trips as well?“ Er schien etwas irritiert und fragte: „What kind of trips?“ Da wir keine Ahnung von dem gewünschten Wirkstoff hatten, beschrieben wir einfach das Aussehen der Trips – das waren winzig kleine viereckige Pappen mit einem kleinen blauen Kreis drauf gewesen. „Ah, I see.” Der Drogenverkäufer schien nun Bescheid zu wissen und bot uns einen kleinen Pappebogen mit kleinen gelben Smileys drauf an: “This is it! Even better than the blue ones” versicherte er uns. Wir legten zusammen und griffen zu. Ein paar Stunden später dämmerte uns, dass wir abgezogen worden waren, da sich nach Einnahme der neu erworbenen Smileys nicht mal der Hauch einer Wirkung – geschweige denn ein Lächeln – einstellen wollte. Da saßen wir nun in der Sicherheit unseres Dach-Appartements im vermeintlichen „Drogen-Mekka“ Amsterdam und hatten eine nicht unerhebliche Summe für ein Stückchen bunt bedruckter Pappe hingeblättert, welche uns nun nur noch frustrierte. Also machte ich den Vorschlag, wenigsten mal in einen dieser berüchtigten Coffee-Shops zu gehen – hier könne man schließlich ganz legal Haschisch rauchen. Das sei doch auch so eine uns völlig unbekannte westliche Droge, die hier immerhin ganz legal angeboten würde. Damit wäre das Risiko, erneut Placebos zu erwerben ja nahe null – schließlich könne man dann ja zurückkommen und sich beschweren. So landeten wir erstmals in einem Amsterdamer Coffee-Shop und investierten den ganzen Rest unserer Barschaft in Gras und Haschisch, nachdem wir einen fertig vorgedrehten Joint geraucht und für klasse befunden hatten. Das war natürlich ein deutlich softeres Rauscherlebnis als diese Trips – aber wir lachten wie die Blöden über unsere dummen Witze und spürten eine ebenso angenehme wie deutliche Körperwirkung. Und im Gegensatz zu den Trips, die wir nie in der Öffentlichkeit genommen hätten, weil die Cannabisrauschwirkung nicht so stark war, als dass man sie nicht auch erfolgreich überspielen konnte. Wir rauchten dann noch einen in den Straßen von Amsterdam und wanderten lachend und lärmend durch diese unglaubliche Stadt, in der man das ganz legal tun darf. So fing ich mit dem Kiffen an und da ich nie eine wirklich schlechte Erfahrung mit dem Rauchkraut gemacht habe, bin ich dabei geblieben.

Wie, du bist dann immer nach Amsterdam gefahren und hast dort eingekauft? Oder wo hattest du dann so schnell eine Quelle in Berlin her?

Als Ostberliner, für den erst vor kurzem die Mauer gefallen war, kannte ich natürlich noch keine Dealer in der Stadt – ich hätte auch gar nicht gewusst, wo ich da hätte hingehen sollen. Ich fragte rum und erfuhr dann lediglich, dass es im Görlitzer Park manchmal was gäbe und so fuhr ich da ein paar mal hin und lauerte da auf irgendwelche Dealer. Aber die zeigten sich mir nicht – vielleicht sah ich ja wie ein Zivi-Bulle aus oder verhielt mich nur zu dämlich. Jedenfalls war unser erster Beutel, der vielleicht knapp 15 Gramm enthalten hatte, nach ein paar Wochen leer. Wir hatten immer nur auf unseren Musik-Sessions geraucht, aber da dann auch gleich mehrere Tüten und so stand bald die Frage im Raum, wie wir an neues Gras kommen wollten. Nachdem wir bei ein paar Freunden, die auch schon mal was zu kiffen dabei hatten, nachfragten, ob sie nicht eine Quelle hätten und erfuhren, dass die es auch nur aus Amsterdam mitgebracht hatten, überlegten wir uns, erneut nach Amsterdam zu fahren. Ich war damals der Einzige, der ein eigenes Auto hatte und daher diese Aufgabe übernehmen musste – aber ich wollte nicht alleine fahren. Schon für den Fall, dass man mal angehalten werden würde, war es plausibler, mit einem Freund übers Wochenende nach Amsterdam zu fahren, als alleine.

Also bist du dann alle paar Wochen nach Amsterdam gefahren?

Ja, in den ersten Jahre schon – ungefähr alle zwei Monate. Da ich auch immer etwas für eine ganze Reihe Kumpels mitbrachte, schlug ich noch 3 DM pro Gramm für die Fahrtkosten und mein persönliches Risiko drauf. Trotzdem wurde ich das Gras immer reißend los, so dass ich mit der Zeit immer größere Bestände aus Holland einführte. Bei meinen letzten Fahrten musste ich schon in vielen verschiedenen Coffee-Shops einkaufen, da ich in einem einzigen Laden nie eine so große Menge gekriegt hätte.

Hast du mit oder bei deinen Importen nie Ärger gekriegt?

Nö. Aber rückblickend wundere ich mich schon ein wenig, dass ich nicht ein einziges Mal kontrolliert wurde – ich vermute mal, dass man in einem Trabbi stets einen harmlosen Ossi vermutete, der nur mal ein bisschen den ihm so lange vorenthaltenen Westen entdecken wollte. Und so war es ja in gewisser Weise auch. Bloß, dass ich immer wiederkam und etwas mitbrachte.

Hattest du dich auf diesen Fahrten schon auf Cannabisprodukte spezialisiert oder warst du auch noch auf der Suche nach diesen Trips?

Nee, das hatte sich damit komplett erledigt – wie hätte ich denn Placebos von echten Trips unterscheiden sollen – wir waren damit schließlich schon mal auf die Fresse geflogen. Immerhin hatte ich jetzt eine Ahnung, worum es sich bei den kleinen Pappen gehandelt haben könnte: um LSD. Doch auch wenn wir immer noch an einer weiteren LSD-Erfahrung interessiert waren – bei Hanfprodukten gab’s halt eine Art Rauschgarantie und diese Wirkung hatte es uns mittlerweile auch ganz schön angetan. Anfang der 90er Jahre war Berlin ja auch noch nicht so eine Kifferstadt und der grüne Rauchstoff war insbesondere im Ostteil nur sehr schwer zu bekommen. Und plötzlich war ich nun eine von wenigen Quellen und die Nachfrage überstieg schließlich mein Angebot. Ich wollte das Zeug ja auch nicht gleich kiloweise nach Pankow schaffen – eigentlich hatte es mir immer völlig gereicht, wenn der Gewinn aus den verhältnismäßig kleinen Geschäften alle Kosten der Fahrt und meinen Eigenkonsum finanzierte. Denn da war ja auch noch meine Band und wäre ich nicht offiziell arbeitslos gewesen – keine Ahnung, wie ich das alles unter einen Hut gebracht hätte. Letztendlich machte ich dann für die Band doch da weiter, wo ich sonst aufgehört hätte. Denn mal brauchten wir einen neuen Synthesizer, mal ein neues Effektgerät oder ein anständiges Gesangsmikro. Also überschritt ich doch irgendwann die selbstgesetzte Kilo-Grenze und fuhr mit wahrlich nicht geringen Mengen zwei-drei Jahre lang regelmäßig von Amsterdam nach Ostberlin. Und obwohl wir bandtechnisch damit immer weiter aufrüsteten, blieb uns der erhoffte Erfolg versagt. Mitte der 90er Jahre begruben wir unsere Band – vor allem, weil unser Keyboarder und Arrangeur aus Berlin weg und ins tiefste Bayern zog.

Hast du daraufhin dein Handelsvolumen wieder reduziert?

Ja, aber das hatte auch noch einen anderen Grund. Durch die mittlerweile jahrelange Beschäftigung mit Cannabisprodukten hatte ich natürlich auch angefangen, mich ganz allgemein für diese Pflanze zu interessieren und fand heraus, was heute jeder halbwegs aufgeklärte Mensch weiß: wie Hanf über Jahrtausende hinweg die Menschheit begleitete und unser Leben angenehmer gestaltet hat. Und wie er schließlich – ohne rationelle Begründung – international verboten und geächtet wurde. Bald fand ich heraus, dass ich mit derartigen Erkenntnissen nicht alleine dastand – in ganz Deutschland entstanden erste Head- & Growshops und Hanfvereine. 1996 trat ich einem Verein bei, der sich für die Cannabis-Legalisierung engagiert und da ich mich damit auch ein Stück weit in die Öffentlichkeit stellte und dabei auch nie verschwieg oder bestritt, ein Hanffreund zu sein, reduzierte ich meine Amsterdamfahrten auf ein Minimum und versorgte fortan nur noch die aller engsten und besten Freunde mit. Und ein Jahr später waren lange Autofahrten gar nicht mehr nötig – schließlich hatte ich in dem Verein auch ein paar Westberliner Hanffreunde kennen gelernt, die auch in der nun gemeinsamen Hauptstadt verlässliche Quellen hatten. Bald hatte ich eine gute Quelle gefunden und mit einer Freundschaft derart gefestigt, dass sie auch heute noch sprudelt.

Engagierst du dich auch heute noch für eine Legalisierung von Cannabis?

Nicht wirklich – außer vielleicht in meinem persönlichen Umkreis. Ich bin vor etwa 5 Jahren aus dem Verein wieder ausgetreten, weil ich – nach fast 10 aktiven Jahren – von der politischen Entwicklung in Deutschland einfach nur enttäuscht war und keinen Sinn mehr darin sah, mich immer wieder aufs Neue für etwas einzusetzen, was letztendlich doch nicht geschieht. Ich weiß noch, wie wir vor der Bundestagswahl 1998 dachten, dass – wenn nur die Grünen endlich mal mit in der Regierung säßen – Cannabis legalisiert oder zumindest entkriminalisiert würde. Doch was geschah, als die Grünen dann tatsächlich erstmals mitregierten? Keine Situationsverbesserung für Kiffer und Cannabis – dafür beteiligte sich Deutschland erstmals nach 1945 wieder an einem Angriffskrieg gegen Ex-Jugoslawien und begründete dies mit größtenteils völlig frei erfundenen Propaganda-Lügen. Ähnliches war zum Thema Cannabis zu vernehmen – eine Mischung aus alten und neuen Vorurteilen wurde durch die Massenmedien transportiert, besonders bemerkenswert fand ich in diesem Zusammenhang die SPIEGEL-Titelstory von der „Seuche Cannabis“. Irgendwann beschloss ich daher ganz für mich, dass sich die Wahrheit zwar bestimmt eines Tages durchsetzen wird, mich dafür aber nicht unbedingt als ehrenamtliches Mitglied in einem eingetragenen Verein braucht. Was aber nicht heißt, dass ich mich nicht weiterhin für das Thema interessiere – zum Beispiel lese ich regelmäßig die thcene und hole mir auch immer die deutsche Ausgabe der Soft Secrets.

Darin wird ja auch immer mal wieder vor den Risiken und Nebenwirkungen der Kifferei gewarnt – hast du selbst wirklich noch nie eine schlechte Erfahrung mit Cannabis gemacht?

Eigentlich nicht – auch wenn ich es manchmal schon ganz schön übertrieb und so sinnlos viel verraucht habe, dass ich leichte Kopfschmerzen hatte. Aber am nächsten Morgen war immer alles wieder gut. Wirklich schlechte Erfahrungen habe ich eher mit anderen Drogen gemacht.

Und zwar?

Ich weiß noch, wie ich mal von Hawaiianischen Babyrosenkernen ganz übel draufkam, mich irgendwann ausgestreckt auf den Rücken legte und schließlich kotzen musste. Auch von Alkohol musste ich schon mal brechen und fand das nicht gerade berauschend. Ansonsten ist auch mal ein Pilz-Trip etwas seltsam ausgeartet, aber ein wirklich schlimmer Horror-Trip war das auch nicht.

Da hast du ja doch schon eine ganze Reihe von Drogen ausprobiert. Fass doch mal bitte zusammen, was du alles schon mal ausprobiert hast.

In der DDR gab’s nur Tabak und Alkohol – aber danach habe ich schon so einiges ausprobiert, ohne dass ich der Meinung wäre, dass es mir geschadet hat: Cannabis, LSD, Hawaiianische Babyrosenkerne, Zauberpilze, MDMA, Kaffee, Kokain, Tee, Salvia Divinorum, Speed und Lachgas.

Und was konsumierst du davon regelmäßig?

Nur Tabak und Cannabis, alles andere habe ich zwar mal ausprobiert, aber da ich diese Erfahrungen bereits gemacht habe, muss ich sie nicht unbedingt wiederholen.

Dass Tabak süchtig machen kann, ist ja bekannt – bist du auch nach Cannabis süchtig oder was gibt dir der THC-Rausch?

Zunächst einmal wirkt Cannabis bei mir jeden Tag aufs Neue recht intensiv – gerade die Einstiegstüte ist nicht zu toppen und knallt noch immer wie am ersten Tag. Darüber hinaus habe ich mich im Alltag mit meiner Droge arrangiert – ich rauche frühestens am späten Nachmittag und rein statistisch etwa 4 Tüten am Tag. Und bekifft Pokern klappt bei mir bisher ganz prima. Cannabis ist einfach meine liebste Freizeitdroge – und ich habe ne Menge Freizeit. Ich betrachte die Dealerei und Spielerei ja auch nicht als Erwerbstätigkeit, denn das würde ich auch machen, wenn ich kein Geld damit verdienen würde.

Wie gut kommst du mit deinem Gewinn aus dem Hanfhandel und dem Pokern aus?

Absolut ausreichend – auch wenn das noch deutlich mehr sein könnte, wenn ich das wirklich wollte. Aber wie schon gesagt, finde ich es besser, wenn ich nur ein paar Freunde und Bekannte mitversorge und dadurch meinen eigenen Konsum finanziere und noch ein wenig extra für die Lebenserhaltung hängen bleibt. Ich habe daher auch nie zu viel Gras daheim, was mein Risiko nicht unerheblich verringert – außerdem muss ich auch nicht ständig daheim sitzen oder erreichbar sein, falls gerade mal jemand was shoppen will. Inzwischen verdiene ich tatsächlich den größeren Teil meines Einkommens durch Online-Pokern.

Aber dann bist du doch eh meist den ganzen Tag daheim und vor deinem Computer beim zocken, oder?

Ja, das stimmt schon – aber wenn ich gerade in einer wichtigen Partie stecke, kann ich auch nicht mal so eben alles stehen und liegen lassen, ohne dabei zu riskieren, einen derben Verlust einzufahren. Daher spiele ich eigentlich am liebsten zu Zeiten, wenn ich weiß, dass mich da niemand stört. Dann gewinne ich in der Regel auch mehr, als ich verliere und manchmal lohnt es sich sogar richtig.

Wie ich weiß, kiffst du ja auch am Online-Pokertisch ganz gerne – obwohl es dabei ja zum Teil um nicht unerhebliche Beträge geht. Hast du keine Angst, vielleicht zu entspannt an diese Mischung aus Glücks- und Strategiespiel heranzugehen?

Nö, das wäre vielleicht so, wenn ich an einem richtigen Pokertisch sitzen würde, wo mich meine Mitspieler sehen könnten. Aber allein daheim überwiegen die Vorteile, da ich etwas bekifft deutlich entspannter und gleichzeitig vorsichtiger zocke. Vielleicht liegt es genau daran, dass ich unterm Strich fast immer mehr oder weniger viel gewinne. Ich bin aber kein isolierter Online-Spieler sondern inzwischen auch Mitglied in einem Berliner Pokerverein – da geht’s dann eher um den Spaß, als ums Geldgewinnen und da wird dann auch immer ganz schön viel gekifft.

Ist Cannabis denn populär in der deutschen Pokerszene?

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie populär – vielleicht nicht bei den Besten der Besten, denn da wird lieber getrunken, weil das am Tisch ja auch völlig legal möglich ist. Aber in der Freizeit-Pokerszene ist schätzungsweise jeder zweite Spieler einer guten Tüte gegenüber ganz und gar nicht abgeneigt. Inzwischen versorge ich auch relativ viele Pokerfreunde mit ökologisch korrekten Brandenburger Grasblüten, aber die rauchen im Verhältnis zu mir eher wenig – mit einem kleinen Beutelchen für 20 oder 30 Euro kommen die locker über den Monat. Viele von denen kiffen wirklich nur beim spielen und finden dann die Minimalbetragzockerei gleich viel spannender. Ich finde, die machen es genau richtig, denn ein schönes Spiel wird durch einen Riesengewinn nicht noch schöner. Dadurch wird man nur numerisch reicher – und das kann doch nicht der Sinn im Leben sein.
Dann lass mich doch zum Schluss noch diese eher philosophische Frage stellen: Was ist denn dann der Sinn des Lebens?

Meiner Meinung nach ist das Leben der einzige Urlaub vom Tod, den wir bekommen. Daher würde ich auch niemals nach Reichtum streben, auch wenn das in unserer heutigen Gesellschaft ja das non plus ultra zu sein scheint. Ich lebe mein Leben lieber so, wie es mir am besten gefällt. Und da ich dank Hanf und Pokern genug Geld zusammenbringe, um davon anständig leben zu können, schätze ich mich einfach nur glücklich. Denn ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit Dingen, die mir großen Spaß machen – daher finde ich es auch verschmerzbar, dass ich damit keine großen Reichtümer anhäufe. Wozu auch? Das letzte Hemd hat bekanntlich keine Taschen. Wenn dass die Superreichen auch so sehen würden, wäre unsere Welt sicherlich ein deutlich besserer Ort. Und Cannabis wäre längst legal.