Eine Legende wird weiblich

Es wird mal wieder Zeit, an dieser Stelle über eine der ganz großen Legenden unter den Cannabissorten zu berichten. Einen Strain, der eine glanzvolle Karriere als eine der erfolgreichsten Coffeeshop-Sorten aller Zeiten hingelegt hat und mit zahllosen Preisen überhäuft worden ist. Einen Strain, der auch 20 Jahre nach seinem Erscheinen Mitte der 90er Jahre Grower und Smoker gleichermaßen fasziniert und sich ungebrochener Beliebtheit erfreut. Einen Strain, der unglaublich oft kopiert bzw. nachgebaut wurde und dessen populärer Name teilweise auch für völlig andere Genetik missbraucht wurde: Die Rede ist von der Haze-Hybride Amnesia.

Wie bei fast jeder legendären und extrem erfolgreichen Sorte der Cannabiswelt ranken sich auch um die Entstehungsgeschichte und die genaue Genetik der Amnesia gewisse Unklarheiten, die im Internet lebhaft diskutiert werden. Unzweifelhaft ist, dass die ursprüngliche Amnesia durch Zwiep von der Düngerfirma Hypro in Tilburg erschaffen wurde. Seinen Angaben zufolge kreuzte er dafür eine Neville’s Haze mit einer Afghani-Pflanze.

Zunächst gab es Amnesia nur als Steckling, aber aufgrund des sensationellen Feedbacks in ganz Holland entwickelte Zwiep in zweijähriger Arbeit auch eine reguläre Amnesia-Samensorte. Was allerdings sehr lange Zeit fehlte, war eine feminisierte Version der Amnesia-Samen, und erst als sich Zwiep vor wenigen Jahren mit den Feminisierungsexperten von Dinafem aus Spanien zusammentat, gelang es mit deren Hilfe, auf Basis des originalen Genpools, Amnesia Fem-Samen zu züchten. Im Gegenzug erhielt Dinafem von Zwiep die originale Amnesia-Genetik und das Recht, dafür auch diesen Namen zu verwenden. Dinafem brachte daraufhin die Fem-Sorte Original Amnesia auf den Markt, die in Sachen Ertrag und Potenz sogar noch höhere Leistungswerte erzielen soll als die reguläre Version. Und das will etwas heißen, schließlich ist die Sorte Amnesia dafür bekannt, sehr produktiv und äußerst potent zu sein. Zudem zeichnen sich Amnesia-Pflanzen dadurch aus, dass sie trotz ihrer Sativa-dominanten genetischen Natur ungewöhnlicherweise nur kurz bis mittelhoch und schön kompakt wachsen, ihr handliches Wachstumsmodell entspricht eher einer Indica. Was teilweise auch für ihre Blütenbildung gilt, denn Amnesia bringt dicke, knollenartige und sehr dichte harte Buds hervor, die aber mit dem klassisch hohen Blüten/Blätter-Verhältnis einer Sativa aufwarten. Dazu gesellen sich Harzkristalle in rauen Mengen und sorgen für ein exquisites, Haze-betontes Aroma mit würzigen Noten von Zedernholz und Räucherstäbchen, aber auch etwas Zitrone und vor allem ungewöhnlich viel Süße. Bei der Wirkung macht sich zunächst der 70%ige Sativa-Anteil der Original Amnesia bemerkbar, denn der Turn fährt ruck zuck in den Kopf ein und sorgt für schwebende Euphorie. Nach einer gewissen Zeit stellt sich jedoch ein narkotischer Effekt ein und sorgt unter Umständen dafür, dass der Konsument sehr unmittelbar erlebt, wie dieser Strain zu seinem Namen kam: Amnesia bedeutet Gedächtnisverlust, schwere Erinnerungslücken…

All dies erreicht Original Amnesia von Dinafem innerhalb von nur 65 Blütetagen, also gut neun Wochen Blüte – das ist für eine charismatische Haze-Hybride rekordverdächtig kurz! Dinafem empfiehlt hohe EC-Werte und viel Licht, damit diese Hochleistungssorte ihr Potenzial voll ausschöpfen kann. Wenn dies der Fall ist, sind problemlos Erträge von bis zu 600g/m2 möglich. Pudelwohl fühlt sich Original Amnesia auch in Hydro-Kulturen und sogar outdoors performt sie hervorragend und kann bei einer Reifezeit von Mitte bis Ende Oktober Höhen von bis zu 3,5 Meter sowie Erträge von mehr als einem Kilo pro Pflanze erreichen.

The Doc testete Original Amnesia aber indoors und setzte hierfür drei Fem-Samen zur Keimung an. Tadellose, schnelle Keimung nach drei Tagen – und in der Folgezeit wuchsen die drei Amnesias sehr vital und kräftig heran. The Doc gab ihnen eine vegetative Wachstumszeit von vier Wochen. Die Verzweigung setzte früh und dynamisch ein, am Ende der vegetativen Phase hatten sich die drei Jungpflanzen in sehr kompakte, üppig buschige Pflanzen verwandelt. Als The Doc sie in die Blüte schickte, waren sie 45, 58 und 60cm hoch, eine der drei Pflanzen wuchs also etwas flacher als die anderen beiden.

Das Umschalten auf Blüte erfolgte fix, schon nach einer Woche konnte The Doc an den Triebspitzen die ersten weiblichen Blüten erkennen. Was dann folgte, war ein atemberaubender Ritt durch die Blütephase: Woche um Woche legten die drei Pflanzen massiv an Blütenmasse zu, ihre Buds wurden im Verlaufe der Blüte groß, dicht und steinhart. Die eine kürzere Pflanze streckte sich auch in der Blüte nicht so stark und trug offensichtlich etwas mehr Indica-Gene in sich als die anderen beiden, denn ihre Buds gerieten dicklich-knollig, während die ihrer beiden Schwestern eine langgezogenere Form hatten. Doch alle drei Pflanzen wiesen ein sehr hohes Blüten/Blätter-Verhältnis auf und ihre spektakulären Blüten waren in ein klebriges Meer von glitzernden Trichomen getaucht. The Doc: „Original Amnesia hat sich tatsächlich als ein wahres Produktionswunder erwiesen. Innerhalb von nur neun Wochen Blüte ging hier dermaßen die Post ab, dass ich aus dem Staunen kaum noch herauskam. Die Pflanzen sind von unten bis oben mit super-fetten und krass harzigen Cannasseur-Buds beladen, die wie stolze Trophäen an den vielen langen Zweigen prangen. Und ihr köstlicher Geruch verzückt mich als Haze-Liebhaber voll und ganz, denn sie riechen wie erhofft wunderbar hazig. Das Aroma hat dazu aber überraschenderweise auch noch einen Touch von Banane – superlecker!“

The Doc war auch darüber verblüfft, dass die drei Pflanzen exakt jene 65 Tage Blütezeit benötigten, die Dinafem für diese Sorte angibt. „Auch in Sachen Pünktlichkeit haben diese Pflanzen sich eine Eins mit Sternchen verdient, danach hätte man fast die Uhr stellen können“, merkte er schmunzelnd an. Die handlichen Endhöhen betrugen 68, 83 und 88cm. Dank des hohen Blüten/Blätter-Verhältnisses fiel die Erntearbeit sehr leicht und nach der Trocknungsphase kam es zum offiziellen Wiegen dieser drei Champion-Pflanzen. Und alle drei schafften wie erwartet mühelos den Sprung in die „Heavy Weight“-Klasse: Selbst die kleinste kratzte an der 90g-Marke und die beiden größeren nahmen mit 108 bzw. 117 Gramm sogar locker die 100er-Hürde.

Es fühlte sich wie ein lang ersehnter Festschmaus an, als The Doc den ersten Amnesia-Rauchtest durchführte. Zunächst testete er den Phäno mit mehr Indica-Einschlag. Dieses Amnesia-Gras roch nach der Trocknung genau wie die Buds der anderen beiden größeren Pflanzen – es war eine sehr feine, kunstvoll komponierte süß-würzige Duft-Melange aus Zedernholz, Weihrauch und einem leicht fruchtigen Unterton, den The Doc immer noch als eine Spur Banane wahrnahm. Schon kurz nachdem der exquisit schmeckende, mild-würzige Rauch seinen Gaumen umschmeichelt hatte und durch seinen Mund in die Lunge geströmt war, spürte er, wie sich über sein Gesicht ein unwiderstehliches Grinsen legte, denn in seinen Gehirnwindungen breitete sich umgehend ein wild flackerndes Neuronenfeuer der Euphorie aus. The Doc fühlte sich leicht wie eine Feder, als wenn er ein Flugticket in höhere Sphären gelöst hätte. In diesem schwebendem Glückszustand ging es eine Zeitlang highter weiter, bevor der Amnesia-Flieger wieder zur Landung ansetzte – da war sie, die von Dinafem angekündigte Indica-Wirkung, die den Konsumenten nach einer Weile vom Fliegen zum Liegen bringt. Die Augenlider des Docs wurden schwer und er wechselte in einen Zustand der Tiefenentspannung. Er machte es sich auf der Couch gemütlich und stoned, wie er nun war, vergaß er komplett, dass er eigentlich noch bei Ebay auf einen wichtigen Artikel bieten wollte – drei, zwei, eins, nicht seins! Er vergaß es aber nicht, sich den nächsten Amnesia-Spliff zu bauen, diesmal mit dem Sativa-ähnlicheren Phäno befüllt. Wieder setzte prompt jener stark erhebende, beflügelnde Effekt ein, und diesmal trug es The Doc gefühlt sogar noch weiter in Richtung Wolke Sieben. Auch die Flugdauer war länger, bevor wiederum die Indica-Bremsen ausgefahren wurden und ihn sanft landen ließen. Diesmal fühlte er sich, als wäre sein Kopf in einen dämpfenden Kokon aus Watte gehüllt, seine Gedankenwelt kam weitestgehend zum Erliegen und wenn er sich bestimmte Dinge ins Gedächtnis rufen wollte, z.B. was er am folgenden Tag zu erledigen hatte, fielen sie ihm partout nicht ein – nach zwei Tüten machte Amnesia ihrem Namen also alle Ehre.

The Doc bilanzierte: „Nach einer eindrucksvollen Anbau-Performance hat sich Original Amnesia auch als der erwartet geniale Treibstoff zum Abheben erwiesen, und anschließend gab es noch eine Art von narkotischer Gehirnwäsche, die jeglichen Versuch gedanklicher Fokussierung unmöglich machte, mein zerebrales System war fast komplett heruntergefahren. Ich denke, an diese besondere gedankentilgende Wirkung werde ich mich immer erinnern, sozusagen ein Fall von unvergesslicher Vergesslichkeit…“