Fast täglich berichten unsere Massenmedien in dem einen oder anderen Zusammenhang über Russland, den derzeitigen Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft – meist verbunden mit bissiger Kritik an Präsident Putin. Aber wie ist es im größten Land der Erde um unsere Lieblingspflanze Cannabis bestellt? Darüber sprachen wir mit Nikolai Nikolajewitsch Gorshkoff, der 2007 den ersten Growshop in Moskau eröffnete.

Geboren 1976 in Jakutien (im russischen Förderrationskreis Fernost) zog es den studierten Agronom mit einem Master in Pflanzen-Physiologie und dem Hang zu hydroponischen Anbausystemen nach verschiedenen beruflichen Zwischenstationen in die russische Hauptstadt, wo er heute zum einen als Videoproduzent tätig ist und zum anderen seinen Growshop und einen umfangreichen Online-Shop für Grow-Equipment betreibt.

Wie bist du persönlich zum ersten Mal mit Cannabis in Berührung gekommen?

Als ich in der Nähe von Wladiwostok studierte – das war etwa sechs Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und für Viele eine schreckliche Zeit – mietete ich eine kleine Wohnung und lernte meine neuen Nachbarn kennen, die gerne mal Cannabis rauchten. Wir waren bald alle der Meinung, dass Kiffen viel leichter und angenehmer als Wodka-Trinken sei, denn wir hatten gesehen, wie Wodka zu großen Problemen führt. Cannabis ließ uns dagegen die Welt ganz anders sehen – wir konzentrierten uns eher auf die Chancen als auf die Abgründe und gaben uns nicht irgendeiner diffusen Zukunftsangst hin. Ich merkte auch bald, dass ich selbst unter dem Einfluss von THC immer noch gut studieren, forschen oder arbeiten konnte. Vor allem, wenn mich das Thema interessierte.

Wächst in deiner Heimat Jakutien auch wilder Hanf?

Ja, unser fernöstliches Volk hat viele eigene Märchen und Sagen, in denen Schamanen ganz verschiedene Naturkräuter rauchen. Das war natürlich lange bevor die Weißen in unser Land kamen und mit ihnen schließlich auch der Tabak seinen Siegeszug aus Amerika nach Europa und von da über Moskau bis nach Jakutien fortsetzte. Es gibt viele alte Abbildungen und Skulpturen von Schamanen, die ganz offensichtlich Cannabis rauchen. Dazu passt, dass in unserer Region Hanf auch vielerorts wild wächst und obwohl er wegen der ungünstigen klimatischen Bedingungen nicht besonders stark ist – psychoaktiv ist er allemal.