Weed oder Speed? Welche Art von „Doping“ eignet sich am besten zur Leistungssteigerung bei Wettbewerben, in denen keine Dopingkontrolle droht? Ein Ausflug in die Welt des Pokerspiels offenbart die mehr oder weniger Erfolg bringenden Konsum-Geheimnisse hinter den dunklen Sonnenbrillen.

Als vor einigen Jahren der Pokerboom in Deutschland einsetzte, tauschte ich einen großen Teil meiner Freizeit – die ich bis dato kiffend vor der Spielkonsole verbracht hatte – gegen mindestens genauso viel Zeit am virtuellen Pokerfilz ein. Ich begann, Online-Poker zu spielen.

Nach dem Studium von einigen damals nur in englischer Sprache verfügbaren Fachlektüren war Poker schon bald zu mehr als nur einem Zeitvertreib  geworden. Eine rund um die Uhr verfügbare Heerschar an internationalen Gegnern bescherte mir innerhalb kürzester Zeit ein beachtenswertes Plus auf meinem Konto. „Wow“, dachte ich mir: „So kann man also mit Heimarbeit reich werden.“

Ich war fest entschlossen, meine längst überfällige „erste Million“ vom gemütlichen Schreibtischsessel aus einzustreichen. Mit der Villa am Strand vor Augen und der obligatorischen Portion Weed im Kopf verbrachte ich Nacht für Nacht vor dem Bildschirm, bis das angehäufte fünfstellige Guthaben von den „Downswings“ (längere Phasen ohne Gewinn) und den real existierenden und leider unvermeidbaren Lebenshaltungskosten aufgefressen war. Zwar hatte ich mich ohne „echte“ Arbeit fast zwei Jahre über Wasser gehalten – doch die Million war noch immer in weiter Ferne. Perspektiven: Fehlanzeige.