Nicht nur Colorado und Washington zeigen, dass ein verantwortungsvoller und kontrollierter Umgang mit Cannabis möglich ist. Immer mehr Genusskiffer und Medizinalhanf-User in Spanien schließen sich zu sogenannten „Cannabis Social Clubs“ zusammen und versorgen sich so mit selbst gezogenen Hanfblüten, um sie anschliessend in chilliger Atmosphäre zu geniessen. Warme Temperaturen und ein paar Tage am Meer vor Augen, zögerte ich nicht in den Flieger zu steigen um mir die blühende Hanfszene der kanarischen Inseln aus nächster Nähe anzusehen.

„Sämtliche historischen, internationalen und nationalen, praktischen und wissenschaftlichen Erfahrungen widersprechen positiven Wirkungen der Strafverfolgung des Cannabisbesitzes zum Eigenkonsum. Dessen Freigabe sollte aber auf keinen Fall mit einer Freigabe von kommerzieller Produktion und Verkauf einhergehen, da die hiermit verbundenen Interessen stets auf eine Ausweitung des Konsums ausgerichtet wären. Ein Modell des legalen Anbaus zum Eigenkonsum würde dem hingegen nicht zu einer Angebotsausweitung führen und zugleich gesundheitsschädliche Beimischungen verhindern. Seit 2002 sind in Spanien weit über 100 Cannabis-Clubs entstanden, die nach folgenden Prinzipien betrieben werden: Persönliche Mitgliedschaft und Mitgliedsbeiträge, kein Verkauf und keine Konsumaufforderung durch Mitglieder, kontrollierte Sicherheit bei Anbau, Transport und Verteilung, kontrollierte Produktqualität, Werbeverbot. Einer Zulassung dieses Modells sollte die Evaluation der bisherigen Erfahrungen in Spanien vorausgehen. Angesichts des dringenden Änderungsbedarfes der Cannabispolitik in Deutschland sollte dies kurzfristig durch eine deutsch/spanische Forschungsgruppe erfolgen.“

Dieses Zitat stammt von Dr. Raphael Gaßmann, dem Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V., der anlässlich einer Bundestagsanhörung im Januar 2012 die Zulassung eines Modellversuchs für Cannabis Social Clubs forderte.

Zwei Jahre später gibt es in Deutschland immer noch keine Aussicht auf Hanf-Anbauvereine oder wenigstens ein Modellprojekt. Nicht nur aus diesem Grunde habe ich mich zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres auf die Suche nach Hanfkultur in Spanien gemacht. Nach dem Baskenland im vergangenen Herbst (siehe thcene 06/2013) sollten es dieses Mal die Kanarischen Inseln werden, wo gerade in den letzten beiden Jahren viele Clubs gegründet und genehmigt wurden. Mir war vor einiger Zeit zu Ohren gekommen, man könne dort bis zu sechs Outdoor-Ernten im Jahr einbringen. Allein schon um diesem Geheimnis auf den Grund zu kommen, muss ich ein paar ortsansässige Vereine zur Förderung der Hanfkultur besuchen.

Ich habe eine knappe Woche Zeit, um mir fünf Cannabis Social Clubs anzuschauen. Das kann ja highter werden…