Wer kennt es nicht: Obwohl man sich fest vorgenommen hat, bestimmte dringende Dinge zu erledigen, vielleicht sogar ausnahmsweise in der dafür vorgegebenen Zeit, stapelt sich das ganze unerledigte Zeug immer höher auf dem Schreibtisch, bespickt mit verstaubenden „wichtig“ Notizzettelchen, dazwischen vergilbte, zerknitterte To-Do Listen nach allen Methoden und Ausführungen. Der Kram stapelt sich genauso an anderen Stellen der Wohnung und mahnt Tätigkeiten an, die definitiv in baldiger Zukunft stattfinden müssten. Doch nichts geschieht! Leise Ahnungen kommen auf, dass einige der wichtigen Termine schon seit Monaten unabänderlich verstrichen sein könnten und teure Konsequenzen nach sich ziehen werden. Manch einer bekommt dann erstmal ein schlechtes Gewissen. „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen!“, haben wir oft gewitzelt. Handelt es sich um eine Verhaltensweise, mit der sich nur Kiffer herum schlagen müssen?

Max Goldt formulierte es 2006 so: „Ein Wort, das gerade erst dabei ist, in die deutsche Sprache einzudringen und seinen bislang noch geringen Bekanntheitsgrad binnen weniger Jahre erheblich steigern wird, ist die Prokrastination. Der Begriff bezeichnet ein nicht Zeitmangel-bedingtes, aber umso qualvolleres Aufschieben dringlicher Arbeiten in Verbindung mit manischer Selbstablenkung, und zwar unter Inkaufnahme absehbarer und gewichtiger Nachteile.“

In vielen meiner Interviews mit Kiffern wurde häufig der Grund für langes Aufschieben von eigentlich wichtigen Dingen dem freudvollen und übermäßigen  Cannabiskonsum zugeschrieben. Schaut man sich aber die Statistiken der Untersuchungen über Prokrastination an, stellt man fest, dass über zwei Drittel der Menschheit wichtige Dinge auf die lange Bank schiebt. Es stellt sich die Frage, ob das nun alles Kiffer sind, oder ob es sich bei der „Aufschieberitis“ um ein anderes Phänomen handelt. Ich fand heraus,  das Letzteres der Fall ist. So können Andere sich Bemerkungen sparen wie: „Hör mal ’ne Weile auf zu kiffen und krieg deinen Arsch hoch!“ Und auch Glaubenssätze wie: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“ verlieren ihren Schrecken. Das typische Vorurteil, dass Kiffer träge seien und Dinge vor sich her schieben ist als Lüge entlarvt!