Im September 2023 gegründet, versteht sich der „Mariana Cannabis Social Clubs Deutschland e. V.“ als der „mittlerweile größte Dachverband für Cannabis Social Clubs in Deutschland, an 180 Standorten bundesweit“ mit ca. 18.000 Mitgliedern. Letztere diskutieren online immer heftiger über die Praktiken des Vereins und viele Mitglieder sind mittlerweile nur noch enttäuscht – und teilweise auch schon wieder ausgetreten. Selbst der Deutsche Hanfverband (DHV) hat den Mariana-Verein bereits mehrfach öffentlich kritisiert und enttäuschten Mitgliedern sogar juristische Schritte empfohlen…
Droht der deutschen Cannabis-Szene hier der nächste groß angelegter Betrug nach Juicy Fields? Wir sprachen mit einem enttäuschten ehemaligen Vereinsmitglied über seine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Mariana CSCs Deutschland e. V.
Wie hast du von dem „Gesamtverein“ Mariana CSCs erfahren, und wann bist du selbst Mitglied geworden?
Nach der Teillegalisierung habe ich von dem Verein über das Internet erfahren, nachdem ich in meiner Region nach einem CSC gesucht hatte – Mariana war bei meiner Google-Suche direkt der erste Treffer. Der Aufbau der Webseite war zudem so gestaltet, dass ich überzeugt war, es handle sich tatsächlich um einen nahegelegenen CSC in NRW, in dem aber nur noch wenige Plätze frei seien. Deshalb beantragte ich direkt die Mitgliedschaft und bekam sie bestätigt – und das übrigens ganz ohne irgendeine Altersprüfung.
Welche Erwartungen und Hoffnungen hattest du an deine Mitgliedschaft?
Meine Erwartung war natürlich, irgendwo in meiner Region auf legalem Wege ungestrecktes Cannabis beziehen zu können. Das wurde ja auch so auf der Seite in Aussicht gestellt – was danach folgte, konnte ich damals noch nicht wissen.
Was folgte denn danach?
Es ging dann plötzlich darum, dass sich die Mitglieder miteinander auf Discord vernetzen sollten, wo es auch wöchentliche Stammtische mit der Vereinsleitung gab. Bei diesen tauchte immer öfter die Frage auf, wann man denn nun endlich die ersten Cannabisblüten beziehen könne. Mit der Zeit stellte ich fest, dass das alles wohl über den Göttinger Dachverband läuft und hier in NRW gar nichts passiert. Scheinbar sollten sich die ganzen Regionalvereine einfach selbst gründen und dann die regionale Versorgung übernehmen.
Und als du die Mitgliedschaft im Mariana e. V. beantragt hast, war dir das noch gar nicht bewusst? Wurde nicht irgendwie auf diese Struktur hingewiesen?
Nicht auf der regional wirkenden Seite, die ich bei meiner Google-Suche fand und über die ich Mitglied wurde. Später habe dazu dann schon etwas auf der Hauptseite des Mariana e. V. gefunden – da hieß es dann, dass sich viele regionale Vereine noch in der Gründungsphase befinden und aktuell daher alles über den Göttinger Dachverband läuft.
Wie teuer war die Mitgliedschaft eigentlich?
Wenn ich mich recht erinnere, betrug die Aufnahmegebühr 25 Euro, der monatliche Mitgliedsbeitrag mindestens 10 Euro und dazu kamen dann noch die individuellen monatlichen Beiträge, die jedes Mitglied – dem vermuteten eigenen Bedarf entsprechend – frei wählen kann, um sich so ein Guthaben für den späteren Bezug von legalem Cannabis aufzubauen. Ich hab daher anfangs 25 Euro monatlich bezahlt: 10 Euro für die Mitgliedschaft und 15 Euro zu Ansparen für meine ersten Cannabis-Käufe.
Und welche konkreten Erfahrungen hast du dann gemacht?
Ich stellte bald fest, dass keiner so richtig wusste, wann hier überhaupt irgendwas abgeht. Wochenlang herrschte absolute Funkstille – es gab weder Infos von einem Vorstand in unserer Region noch von regionalen Mitgliedern. Schließlich haben sich ein paar aus unserer Region auf Discord zusammengerottet und gemeinsam versucht, herauszufinden, was der Stand der Dinge ist. Aber das Einzige, was wir hörten, war an den wöchentlichen Stammtischen die immer gleichen Aussagen wie: „Das läuft alles“ oder „Wir sind noch bei der Beantragung“. Es wurde dabei aber schon sehr deutlich, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis regionale CSCs dann tatsächlich mit ihrem Anbau beginnen können. Und das schien allein an unserer komplizierten deutschen Gesetzgebung zu liegen. Irgendwann wurde mir das alles zu blöd, und nachdem ich eine ganze Weile nichts Neues erfahren konnte, fragte ich bei verschiedenen Discord-Moderatoren nach, wie es denn nun um den CSC in NRW steht. So erfuhr ich schließlich, dass dafür immer noch ein Vorstand gesucht wurde – und ohne Vorstand kann ein Verein ja gar nicht gegründet werden und auch keine Lizenz erhalten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon gut ein Jahr lang Mitgliedsbeiträge gezahlt, das Geld ist zu der Zeit wohl nach Göttingen geflossen, wo ja tatsächlich ein CSC aufgebaut wurde. Aber bei uns ist nichts passiert, der anfänglich benannte Vorstand hatte dann auch irgendwann die Schnauze voll, weil sie vom Göttinger Dachverband hängengelassen wurden.
War das dann auch der Grund für dich aus dem Verein wieder auszutreten?
Nein, ich war ein sehr geduldiges Mitglied. Zwei Jahre lang habe ich mir echt eine ganze Menge gefallen lassen. Letztendlich war der Hauptgrund, weshalb ich dann doch ausgetreten bin, die Art und Weise, wie die Vereinsführung mit ihren enttäuschten Mitgliedern umgeht. Wenn man sich beispielsweise auf Discord in einem Member-Chat öffentlich ungeduldig, kritisch oder gar leicht misstrauisch äußerte, wurde man direkt niedergeredet – bis hin zur Androhung von irgendwelchen Rechtsmitteln und dem Hinweis, dass Mariana eine sehr gute Rechtsabteilung habe und somit eine Klage praktisch chancenlos wäre. Aber für wichtige Fragen blieb bei den wöchentlichen Stammtischen oft einfach keine Zeit, man wurde ständig vertröstet und konnte hier auch keine konstruktive Kritik äußern, ohne dass sich die Vereinsführung direkt persönlich angegriffen fühlte. Aber für mich kam der Super-GAU erst noch, denn nachdem eine neue Mitglieder-Plattform namens „Terp-Train“ aufgebaut wurde, wurde ich plötzlich für den dortigen Chat gesperrt, nachdem ich öffentlich kritisierte, wie abfällig sich einer der Vorstände über unzufriedene Mitglieder geäußert hatte. Dabei war den Administratoren selbst bekannt, dass sich dieses Vorstandsmitglied schön öfters mit seinen grenzwertigen Kommentaren bei vielen Mitgliedern unbeliebt gemacht hat. Nachdem ich auf diese Weise zum Schweigen gebracht wurde, kündigte ich Ende Februar meine Vereinsmitgliedschaft – das Ganze war mir einfach zu undemokratisch.
Hast du auch Mitglieder kennengelernt, die mit dem „Gesamtverband“ zufrieden sind?
Ja, denn bei einigen Zweigvereinen hat das wohl geklappt – allen voran natürlich in Göttigen, wo der Dachverband seinen Sitz hat. Bisher sind wohl gerade mal sechs Anbaulizenzen an Zweigvereine des Dachverbands ausgegeben wurden – womit rein rechnerisch bis zu 3.000 Mariana-Mitglieder versorgt werden können. Was umgekehrt aber auch bedeutet, dass über 15.000 Mitglieder zwar brav monatliche Beiträge zahlen, aber immer noch keinerlei Versorgung in Aussicht haben. Für die heißt es nach wie vor: ‚Wir sind kurz vor der Ziellinie – wir haben es fast geschafft!‘
Auch der DHV hat die Mariana-CSCs bereits vor geraumer Zeit scharf kritisiert – hatte das aus deiner Sicht irgendeinen Einfluss auf das Geschäftsgebaren?
Ich hatte das Gefühl, dass die Vereinsführung schon sehr nervös auf die erste Kritik vom DHV reagierte. Manche waren regelrecht empört, weil sie die Kritik über viel zu lange auf Versorgung wartende Mitglieder angeblich gar nicht nachvollziehen konnten. Die zweite öffentliche Kritik des DHVs richtete sich dann gegen die Vereinspraxis, säumige Mitgliedsbeiträge an Inkasso-Firmen weiterzureichen. Da sind dann schon einige Leute auf die Barrikaden gegangen, weil säumige Mitglieder nicht einfach als „Karteileichen“ ausgebucht werden, sondern diese Fälle an Inkasso-Firmen gehen. Das zeigte mir, dass es der Vereinsführung vor allem ums Geld geht. Angeblich nur für die zum Aufbau des Verbands notwendigen Investitionen, aber Zahlen dazu oder gar ein offizieller Geschäftsbericht wurden bisher nicht veröffentlicht – das war ja auch ein Kritik des DHV.
Hast du eine Vermutung, wo das ganz Geld investiert wurde?
Ja, vor allem in den Aufbau des Göttinger CSCs und der vereinseigenen Online-Apotheke – Mariana hat ja inzwischen sogar einen eigenen Club-Doktor für Vereinsmitglieder, der ihnen Rabatte auf Cannabis-Rezepte gewährt. Wie bei den anderen Telemedizin-Anbietern auch kann man sich also Cannabis ganz einfach nach Hause liefern lassen. Das Geld für den Aufbau dieses Geschäfts muss ja irgendwo hergekommen sein – und ich vermute, dass es vor allem aus den Beiträgen der ca. 18.000 Mitgliedern stammt.
Konnten denn enttäuschte Vereinsmitglieder ihre angesparten Zusatzbeiträge zumindest bei dieser vereinseigenen Online-Apotheke einlösen?
Nein, das ging leider auch nicht. Dieses Guthaben gilt nur für den Cannabis-Bezug in den jeweiligen regionalen CSCs, die aber in den meisten Fällen noch gar nicht bestehen – und vielleicht auch nie gegründet werden.
Gibt es irgendetwas, was die Vereinsführung machen könnte, um unter enttäuschen Mitgliedern wie dir wieder mehr Vertrauen zu generieren?
Hm, schwierig. Ich kenne viele Mitglieder, die ihr Vertrauen in den Verein komplett aufgegeben haben, aber trotzdem noch dabei bleiben, damit ihre angesparten Guthaben nicht flöten gehen. Aber da müssten sich schon sehr viele neue CSCs in kürzester Zeit neu gründen – und das sehe ich eher nicht. Daher befürchte ich, dass man das verspielte Vertrauen nicht mehr zurückgewinnen kann.
Was vermutest du nach deinen Erfahrungen bei der Vereinsführung am ehesten? Inkompetenz, bewusste Ausnutzung einer rechtlichen Grauzone oder geplanten Betrug?
Ich glaube tatsächlich, dass da auch Inkompetenz und Naivität mit dabei sind – und vermutlich auch ein bisschen Bereicherungswille und Durchtriebenheit. Geplanten Betrug will ich hier aber nicht unterstellen. Ich habe zwar auch schon mal in einem Mitglieder-Chat vermutet, dass bei Mariana nicht alles mit rechten Dingen zugeht und viele Leute regelrecht verarscht werden, aber das ist nur so ein Bauchgefühl, dass aus meinen Erfahrungen mit der Vereinsführung resultiert. Und wie ich inzwischen sicher weiß, geht das nicht nur mir so, sondern auch vielen anderen mittlerweile schwer enttäuschten Mariana-Mitgliedern.


