Power Plant BB

Gut, aber nicht rekordverdächtig: Power Plant von Dutch Passion

Ich hatte viel Gutes über die Sorte Power Plant von Dutch Passion gehört und deshalb beschlossen, sie in meiner neuen VIVOSUN-Smartbox „VGrow“ auf Kokos anzubauen. Er war erst mein zweiter Anbau in der chinesischen High-Tech-Growbox, die beim ersten Versuch direkt über 100 g abwarf. Da waren die Erwartungen hoch, dieses Ergebnis mit einer Top-Genetik direkt übertreffen zu können… 

Was sagt die niederländische Traditionssamenbank DUTCH PASSION selbst über ihre Sorte Power Plant? Auf ihrer Webseite schreibt sie dazu: „Power Plant ist eine leicht anzubauende Pflanze. Ideal für Anfänger, aber auch interessant für Experten, die ihre derzeitigen Rekorderträge übertreffen wollen. Diese Sorte wurde entwickelt, um den Growern den größtmöglichen Ertrag zu bieten. Nach mehr als zwei Jahrzehnten hat sich diese Sativa-dominante Hybride einen unbestreitbaren Ruf für ihre XXL-Erträge und ihre relativ kurze Blütezeit erworben. Power Plant ist eine schnell blühende Sativa mit einem einzigartigen und erkennbaren Aroma, einem starken Geschmack und einem sehr energischen und kreativen Up-High. Ihre Buds werden groß und lang, sie sind voll klebrigen Harzes. Dieser Klassiker eignet sich für jeden Grower, Anbaumethode, Kultursubstrat und Anbaubedingungen. Es ist ein wahrer Allrounder mit hoher Potenz und einem außergewöhnlichen Ertrag.“

Dieser Werbetext (bzw. diese „Produktinfo“) sprach mich an, also besorgte ich mir ein paar Power Plant-Samen, packte einen zum Vorkeimen in ein Wasserglas und zwei Tage später ins Kokossubstrat, mit dem ich zuvor aber einige völlig unerwartete Schwierigkeiten hatte.

Damit die Wurzeln genug Platz haben, um sich auszubreiten und damit sie nicht direkt wieder in den Wasserspeicher hineinwachsen, hatte ich für meinen zweiten Kokos- und Trellis-Grow bei VIVOSUN ein paar richtig große Stofftöpfe (5er Pack 25-Liter-Stoffbeutel für 27 Euro) gekauft, die gut in die VGrow-Smartbox passen. Der kleine 11-Liter-Beutel, der mit zur Grundausstattung der Box gehört hatte, war durch den ersten Gebrauch (also durch die vielen Wurzeln, die sich durch seine Stoffwände gebohrt hatten) eh nicht mehr wiederverwendbar, daher hatte ich auch gleich noch ein paar neue Kokos-Blöcke besorgt. 

Vor der Nutzung muss man so einen Kokosfaser-Block erstmal ins Wasser packen und so die getrockneten und zu einem Block gepressten Fasern aufweichen und auflockern. Wobei ich den Fehler machte, den Block zu lange in seinem Wassereimer zu lassen, sodass er zunächst komplett aufgequollen und (nun an die Form des Wassereimers angepasst) schon wieder relativ hart geworden war. Ich war zuvor davon ausgegangen, dass Kokos im Wasser nicht wieder erhärten kann – und lag damit erstaunlich falsch, denn die aufgequollenen Kokosfasern waren verdammt hart geworden. Ich musste sie mühsam per Hand wieder zerkleinern, auflockern und anschließend (locker-fluffig) in den neuen 25-Liter-Stoffbeutel füllen. Das dauerte fast eine Stunde, in der ich mir unentwegt schwor, diesen Fehler in Zukunft unbedingt zu vermeiden.

Nachdem der Stoffbeutel gut gefüllt war, bufferte ich das Substrat wieder mit einer ersten Fuhre gedüngtem Wasser, setzte den vorgekeimten Samen ein und hielt die Stelle immer schön feucht, indem ich sie mit einem Wasserzerstäuber besprühte. 

Ab dem dritten Tag schaltete ich dann das Licht ein: Zunächst auf dem Minimum (25 % der Lichtleistung) für 18 Stunden täglich. Diesmal regelte ich den Grow komplett manuell und nicht wieder mit dem beim ersten Grow genutzten „Grow-Pilot“ von VIVOSUN, der einen mit Videos und konkreten Handlungsanweisungen durch den eigenen Grow führt. Der große Nachteil: Man hat in diesem Modus keine Möglichkeit, die verschiedenen Parameter manuell zu ändern und zum Beispiel die auf Höchststufe ziemlich lauten Lüfter herunterzuregeln. 

Anfangs machte es meine Power Plant sehr spannend, da sie sich erstmal gar nicht blicken ließ. Als nach knapp einer Woche immer noch kein Erddurchbruch erfolgt war, setzte ich einen neuen (zweiten) Power Plant-Samen an, der auch mustergültig vorkeimte und dabei seine Samenschale öffnete.

Dabei wäre dieser Seed (bzw. seine Keimung) gar nicht nötig gewesen, da nach einer Woche (!) dann doch noch der Erddurchbruch des ersten Power Plant-Keimlings erfolgte. Den mittlerweile vorgekeimten zweiten Samen setzte ich in die wiederaufbereitete Erde meines Grow4Life-Growschranks ein, wo er jedoch den Erddurchbruch nicht schaffte. Keine Ahnung, warum.

Aber zurück zur VGrow und meinem zweiten Kokos-Grow, der mit dem Erddurchbruch der Power Plant erst richtig begann. Ich hatte das Lichtspektrum natürlich wieder auf „Seedling“ gestellt und die Intensität der integrierten LEDs auf 60 % hochgefahren.

Auch Luftbefeuchter und Ventilator wurden nun wieder (über die in der VGrow befindlichen USB-Ports) angeschlossen, den Ventilator „Aerowave“ richtete ich direkt auf den Sämling, damit er ordentlich „tanzte“ und von Anfang an einen stabilen Stamm ausbilden konnte. Damit der Wind nicht immer nur aus der gleichen Richtung wehte, positionierte ich den Ventilator alle paar Tage neu, sodass der Keimling  von allen Seiten mal Wind bekam.

Eine Woche nach dem Erddurchbruch entdeckte ich feinen Schimmel auf der Kokosoberfläche – beim letzten (bzw. allerersten) Mal war es noch eine dünne Moosschicht gewesen, die sich anfangs auf der Kokos-Oberfläche gebildet hatte. Ich behandelte den Schimmel wie zuvor das Moos: Ich harkte ihn unter und erhöhte den Luftaustausch im Inneren der Box, indem ich den „Circulator Fan“ und den „Duct Fan“ hochregelte. Der Schimmel verschwand daraufhin – wenn auch ziemlich langsam, aber ohne irgendwelche Probleme zu verursachen.

Nach zwei Wochen stand fest, dass sich meine Power Plant deutlich schneller in der VGrow entwickelte, als zuvor die Bakerman. Man konnte nun täglich erkennen, wie der Keimling munter heranwuchs, weshalb ich das Lichtspektrum bald auf „Vegetativ“ umstellte und die LED-Leistung auf 80 % erhöhte.

Nach knapp vier Wochen nahm ich dann den ersten Beschnitt vor, indem ich die zwei oberen Laubblätterpaare entfernte. Dadurch hatten die unteren Triebe nun freie Bahn. 

Zu dieser Zeit hatten sich auch schon sechs Internodien gebildet, weshalb ich (wie beim ersten Grow gelernt) den Haupttrieb darüber abschnitt, um so für mehr und kräftigere Seitentriebe zu sorgen.

Inzwischen verbrauchte meine Power Plant immer mehr Wasser, bald war es gefühlt fast ein Liter Düngerwasser pro Tag – und das, obwohl die Pflanze mit 25 cm noch recht klein war. 

Ein paar Tage später hatte sie dann aber die Höhe des bereits von mir eingesetzten Trellis-Netzes erreicht, und ich zwang die ersten Triebe durch die Maschen. 

Drei Tage später entfernte ich dann erstmals Blätter unter dem Netz und machte dabei auch vor jungen Trieben nicht halt. Unter dem Netz würde sich schließlich nie etwas vernünftig entwickeln können.

Langsam legte das Wachstum richtig los und etablierte ein üppiges Blätterdach über dem Netz, was mich gelegentlich zwang, zu hoch herausragende Triebspitzen durch weiter entfernt liegende Maschen zu führen. Das war jetzt noch ganz einfach, da die Triebe alle noch relativ jung und damit sehr biegbar waren.

Nun musste ich täglich Blätter und junge Triebe unter dem Netz entfernen und das Blätterdach mit all seinen aufstrebenden Spitzen optimieren. Da die Pflanze jetzt noch mehr Licht vertragen konnte, erhöhte ich die Leistung auf 90 %.

Die Vegetationsphase verlief unproblematisch, gelegentlich zeigten sich zwar ein paar verbrannte Blätterspitzen (selbst bei einigen junge Trieben), aber das betraf zum Glück nur zwei Stellen und nicht die ganze Pflanze. Die am schlimmsten betroffenen Blätter habe ich dann aber doch lieber (sicherheitshalber) entfernt.

Nach gut fünf Wochen waren die höchsten Triebspitzen in den Bereich „Flowering“ (der in der Smartbox eingenähten Orientierungs-Scala) hineingewachsen, weshalb ich nun die Blütephase einleitete. Damit stellte ich auch das Lichtprofil auf „Flowering“ um und fuhr die LEDs auf maximale 100 % hoch.

Der daraufhin fleißig sprießende Dschungel musste nahezu täglich ausgedünnt werden.

Die Luftfeuchtigkeit bekam ich jetzt kaum noch unter 60 %, aber das schien der Pflanze nichts anzuhaben. Ganz im Gegenteil, meine Power Plant war nach wie vor sehr durstig, nun war es schon über ein Liter Düngerwasser pro Tag – was mich angesichts der kommenden acht Blütewochen bangen ließ, ob der (originale) VIVOSUN-Dünger überhaupt noch für den ganzen Grow reichen würde.

Nach insgesamt acht Wochen (bzw. zwei Wochen in der Blüte) bildeten sich die ersten kleinen Blütenfäden bei gleichzeitig starkem Höhenwachstum. Schon jetzt war meine Power Plant größer als die Bakerman zuvor – und sie verbrauchte auch mehr Wasser und Dünger.

So kam es schließlich, wie es kommen musste: mir ging langsam der mit der VGrow-Smartbox mitgelieferte Dünger („Base A“ und „Base B“) aus, und ich musste mich schnellstens nach Ersatz umsehen. Wobei ich dann feststellen musste, dass man diesen Dünger gar nicht einzeln kaufen kann. Nirgendwo. Nicht mal bei VIVOSUN direkt. 

Dort gibt es nur die „Supply Box für die VGrow Smart Grow Box“, die neben den beiden Düngerfläschchen (die offenbar für 1,5 Grows reichen) auch wieder viele Teile enthält, die man nicht nochmal braucht. Denn in der „Supply Box“ ist dann auch wieder eine Spritze samt Messbecher, eine neue Packung mit Zig Einweghandschuhen und die ganzen „Pflanzenwerkzeuge“ aus Plastik – alles Zeug, was man noch hat und locker (für immer) weiter benutzen kann. 

Aber VIVOSUN geht scheinbar davon aus, dass es eine tolle Idee für die Kundenbindung ist, den eigenen Dünger nur über solche „Supply Boxen“ anzubieten und damit zu verlangen, dass man über 50 Euro pro Grow für ein Set ausgibt, dass immer wieder die gleichen Teile enthält. Also ob man die ganzen Plastiksachen nach jedem Anbau wegschmeißt, um sie dann wieder neu zu kaufen. Keine Ahnung, ob das in China oder den USA so funktioniert – bei mir tat es das nicht.

Ich ging nach dieser Erkenntnis zum nächstgelegenen Growshop und holte mir dort auf Empfehlung des Verkäufers eine Flasche „Coco“ und ein Fläschchen „PK 14/15“ von HESI.

Die Reste des originalen VIVOSUN-Düngers mischte ich nun (fifty-fifty) mit den neuen Hesi-Düngern und fügte auch immer noch ein bisschen CalMag dazu, weil das beim Kokosanbau von Vorteil sein soll. 

Der Mix funktionierte gut, auch wenn ab der fünften Blütewoche ein großer Teil der oberen Blattspitzen leicht verbrannt daherkam. Aber das kannte ich ja schon vom letzten (bzw. ersten) Grow mit der VGrow, da sahen die Blätter zum Ende hin ja auch nicht mehr so prächtig aus. Was aber ganz normal sein soll. Schrieb mir Shuhan von VIVOSUN damals.

Immerhin: Die Blüten entwickelten sich gut, aber auch viele Blütenblätter zeigten nun vermehrt orange Flecken, was ich mit KI-Hilfe als CalMag-Mangel und leichte Überdüngung interpretierte und durch düngerfreies CalMag-Wasser zu kompensieren versuchte. Wobei ich ja auch immer schon zusätzlich CalMag ins Düngerwasser gegeben hatte. Vielleicht ja zu wenig davon?

Plötzlich begann meine Smartbox zu blinken und forderte mich ständig zum Auffüllen des Wasserspeichers auf – obwohl dieser noch gut gefüllt war. Ging hier schon der erste Sensor flöten? Da ich auch durch Sichtkontrolle und Fingerprüfung den Wasserstand im Vorratsspeicher feststellen konnte, störte mich das nicht weiter, auch wenn ich mich schon an den elektronischen Erinnerungsservice gewöhnt hatte. Wobei sich ja sonst nichts weiter änderte: Etwa alle drei Tage musste ich knapp vier Liter nachschütten. Und das blieb auch so.

In der siebenten Blütewoche gab es nur noch etwas CalMag-Wasser, inzwischen waren fast alle Blätterspitzen (inklusive der Blütenblätterspitzen) „verbrannt“, und die meisten Blätter hatten mehr oder weniger deutliche orange Flecken. Zum Glück war aber nichts betroffen, was man beim Trimmen nicht eh entfernen würde.

In der achten und letzten Blütewoche gab’s dann auch kein Wasser mehr, am Tag vor der Ernte war der Wasserspeicher völlig leer, das Substrat aber immer noch feucht. Am Tag vor der Ernte blieben die Lichter komplett aus, damit schon mal ein bisschen Chlorophyll abgebaut werden konnte. 

Die Ernte selbst lief dann ab wie immer: Erst die schnelle Fotosession, dann die zeitraubende Dekonstruktion. Wobei ich später entsetzt feststellte, dass ein Speicherkarten-Fehler diese Fotos gelöscht hatte. Weshalb hier der übliche „Beauty Shot“ der finalen Pflanze vor der Ernte leider fehlt.

Es dauerte wieder einige Stunden, bis ich alles getrimmt und in den VCure-Trockenschrank von VIVOSUN gepackt hatte, der ab da alles weitere übernahm. Und das keinen Tag zu früh, da wir am nächsten Tag für drei Wochen in den Urlaub fuhren. Sonst hätte ich der Power Plant sicher noch eine extra Blühwoche gegönnt, da zum Erntezeitpunkt die meisten Blütenhärchen noch weiß waren.

Aber so wurde einem die Heimkehr versüßt, da hier frisch und perfekt getrocknete Blüten der letzten Ernte bereits konsumbereit auf einen warteten. Der VCure hatte sein schonendes 14-Tage-Trocknungsprogramm durchlaufen und die Ernte anschließend unter Idealbedingungen gelagert. Die weißen Blütenhärchen waren jetzt auch alle braun – und die Blüten zwar etwas geschrumpft, aber schön fest und klebrig.

Was die finale Quantität betraf, blieb das Ergebnis deutlich unter meinen hochgesteckten Erwartungen: Die Power Plant hatte dann doch nur Power für 86 g gehabt und blieb damit klar unter dem Ertrag der Bakermann, die (wenn auch nur knapp) die 100-g-pro-Pflanze-Marke gerissen hatte. Natürlich sind 86 g ein durchaus akzeptables Ergebnis, es blieb aber weit unter den Erwartungen, die der eingangs zitierte Text auf der DUTCH PASSION-Webseite schürte.

Dafür war an der Wirkung wirklich gar nicht auszusetzen: So schön klebrig, wie die Blüten waren, so heftig haben sie auch geballert. Und das für locker drei Stunden, obwohl ich gar nicht so viel (ca. 0,3 g) in einen dicken Joint drehte, den wir zu zweit genossen. 

Ein gewisser Couchlock-Effekt war dabei deutlich spürbar, sehr entspannend und den ganzen Körper wie in Watte einlullend. Was (zumindest in unserem Fall) der Theorie widersprach, wonach eine frühere Ernte eher belebend und eine spätere Ernte eher sedierend wirken soll.

Fazit

Unter dem Strich war es ein unkomplizierter und weitgehend pflegeleichter zweiter Grow mit der Trellis-Methode in der VGrow, wobei der Ertrag diesmal im Durchschnitt meines alten Growschrankes von Grow4Life lag, wo ich deutlich weniger tun muss, um den Grow am Laufen zu halten. Trotzdem freue ich mich über die Möglichkeit, zwei Grows gleichzeitig realisieren zu können und damit die komplette Selbstversorgung für meine Frau und mich sicherstellen zu können. Und wer weiß – vielleicht wird der nächste Grow wieder ein Rekord-Grow. Aber das kann ja nicht jedes Mal klappen, daher bin ich mit den 86 g feinster Sticky-Buds auch ganz zufrieden.

Kultivierungsdaten

GenetikPower Plant von Dutch Passion
Wachstumsphase42 Tage
Blütephase 58 Tage
MediumKokosfasern
pH5,2 bis 6,2
LichtWachstum: 80 Watt Blütephase: 100 Watt
Stromverbrauchca. 133 kWh 
Temperatur21 bis 29 °C 
Luftfeuchtigkeit40 bis 80 %
Bewässerunghalbautomatisch
Düngungmitgelieferter 2-Komponenten-Dünger von VIVOSUN + „Coco“ und „PK 14/15“ von HESI 
Höhe71 cm 
Ertrag86 g