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Kriegspropaganda – Geschichte, Prinzipien und Methoden

Propaganda wird schon seit der Antike als Mittel der Meinungsbeeinflussung im Krieg verwendet – etwa in Form von Reden oder Liedern. Mit dem Aufkommen der modernen Massenmedien wie Radio, Film, TV und Internet (durch welche man viele Menschen in kürzester Zeit erreichen kann) hat sich die Bedeutung von Kriegspropaganda und deren Ausmaß allerdings enorm erweitert. Spätestens seit dem Ersten Weltkrieg werden in größeren kriegerischen Auseinandersetzungen auch alle Massenmedien gezielt als Propagandainstrumente eingesetzt. Und das ist bis heute so.

Widmen wir uns zunächst der jüngeren Geschichte der Kriegspropaganda und damit ein paar Kriegen, die den meisten von uns noch etwas sagen sollten. Danach werden wir feststellen, mit welchen Prinzipien und Methoden Kriegspropaganda schon immer betrieben wird. Ein kleiner Spoiler: An diesen Prinzipien und Methoden hat sich in den letzten 100 Jahren kaum etwas geändert – sie lassen sich auch heute noch anwenden und feststellen.

Im Ersten Weltkrieg

wurde Propaganda erstmals und von allen Seiten in großem Umfang als Mittel der Kriegsführung eingesetzt, sie spielte eine (wenn nicht DIE) entscheidende Rolle bei der Mobilisierung der Bevölkerung für den Krieg. Neben Flugblättern, Postkarten und Plakaten hielten damals zahlreiche Fotografen die Ereignisse auf den Schlachtfeldern fest.

Auch Film wurde bereits als Mittel eingesetzt, um über das Geschehen an der Front im eigenen Sinne zu berichten. Diese Propaganda-Filme hatten allesamt einen stark patriotischen Charakter und sollten gleichzeitig dazu dienen, die Bevölkerung von der eigenen Überlegenheit und der moralischen Notwendigkeit des geführten Krieges zu überzeugen.

Das damalige Deutsche Reich hatte (ebenso wie die alliierten Staaten) extra eigene Behörden zum Zweck der gezielten Verbreitung von Kriegspropaganda geschaffen. Im Deutschen Reich war es das „Bild- und Filmamt“ (BUFA), welches Fotografen und Kameramänner an die Front schickte und die erhaltenen Aufnahmen zensierte und kommentierte. Das Leid und Elend des Krieges wurde in den von der BUFA freigegebenen Mediendarstellungen stets enorm verharmlost, während die deutschen Soldaten immer siegesgewiss und heldenhaft dargestellt wurden.

Die deutsche Kriegspropaganda konzentrierte sich vor allem darauf, die eigene Stärke herauszustellen, die „Kampfmoral“ an der „Heimatfront“ zu stärken und für verschiedene Kriegsanleihen zu werben. Oft wurde aber auch der englische Imperialismus persifliert oder frei erfundene Gräuelpropaganda verbreitet, die letztendlich genauso stark ausgeprägt war wie auf französischer und britischer Seite. 

Großbritannien hatte (anders als die anderen Kriegsteilnehmer) bei Kriegsbeginn keine allgemeine Wehrpflicht. Daher war man hier ganz besonders auf eine moralische Mobilmachung angewiesen. Im weiteren Kriegsverlauf legte die britische Regierung dann den Schwerpunkt auf die Dämonisierung des deutschen Gegners, um die Kampfmoral der eigenen Soldaten zu stärken.

Englische Soldaten sollten davon überzeugt sein, in diesem Krieg die (britische) Zivilisation gegen die (deutschen) Barbaren zu verteidigen. Das Verhalten einiger deutscher Truppen in Belgien eröffnete schon in den ersten Kriegswochen zahlreiche Möglichkeiten dazu, die von britischer Seite mit dem „Bryce-Report“ genutzt wurden. Dieser Report warf deutschen Soldaten vor, als Vergeltungsmaßnahme für Partisanenangriffe belgischen Kindern die Hände abgehackt und junge Mädchen vergewaltigt zu haben.

Auch das „Blue Book“ über die Kolonialverbrechen der Deutschen stellte sich nach dem Krieg als erfunden heraus. Was natürlich nicht heißt, dass es keine deutschen Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg gab. Aber offensichtlich gab es nicht genug, weshalb man noch welche dazu erfinden musste.

Auch in Frankreich bediente man sich der Propaganda, Kinder wurden intensiv ermutigt, Soldaten bzw. Krankenschwestern zu werden, und Schuldiktate handelten von den Schlachten des Ersten Weltkriegs und den Gräueltaten der Deutschen. Neben Fakten wurden dabei auch Gerüchte aufgegriffen, welche die Angst in der französischen Zivilbevölkerung schüren sollten. So wurden den deutschen Soldaten insbesondere Verstümmelungen (abgeschnittene Hände oder Brüste) und Plünderungen vorgeworfen.

Der Mediziner Edgar Bérillon erklärte 1915 sogar unangenehmen Körpergestank zu einem besonderen „deutschen Merkmal“, da bei den Deutschen spezielle Drüsen „Angst- oder Wut-Sekrete“ absondern würden bzw. über den „Fußschweiß“ auch Harnsäure ausgeschieden werde.

Im Zweiten Weltkrieg

hatte Nazi-Deutschland bereits eine hochmoderne Propaganda-Maschinerie zur Verfügung, da bereits kurz nach der Machtübernahme Hitlers das „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ unter der Leitung von Joseph Goebbels gegründet wurde. Rundfunk, Presse und Filmwirtschaft wurden damit schon seit 1933 fast aller Freiheiten beraubt. Sie gerieten schnell unter staatliche Kontrolle und hatten dann der nationalsozialistischen Ideologie zu folgen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden deutsche Kameramänner und Fotografen in sogenannten „Propaganda-Kompanien“ systematisch an der Front eingesetzt. Jede Aufnahme wurde vor der Veröffentlichung sorgfältig auf ihre mögliche Wirkung im Hinblick auf die Kriegsmoral geprüft. Aus den „besten“ Filmaufnahmen entstanden dann Kriegspropagandafilme wie „Die Feuertaufe“ (1939/1940). Diese vermeintlichen Dokumentarfilme sollten vor allem die Überlegenheit der deutschen Streitkräfte demonstrieren.

Die rund 1.150 produzierten Filme glorifizierten das Deutsche Reich ohne das Kriegsgeschehen zu hinterfragen, während in antisemitischen Filmen wie „Der ewige Jude“ (1940) Juden als grundsätzlich minderwertig, boshaft und hochgefährlich für den „deutschen Volkskörper“ dargestellt wurden.

Als Propagandamittel wurde im Zweiten Weltkrieg erstmals auch das Radio verwendet. Über die sogenannten „Volksempfänger“ erreichten die propagandistischen Reden Hitlers und Goebbels einen Großteil der deutschen Bevölkerung.

Auch die alliierten Streitkräfte setzten neben Druckerzeugnissen und Filmen den Hörfunk als Propaganda-Medium ein. Ihnen ging es dabei vor allem darum, die eigene Zivilbevölkerung zu beruhigen und junge Männer für den Krieg zu gewinnen. Sowohl im Radio als auch mit Film- und Fotomaterial wurde täglich von der Front berichtet, eigene Erfolgsmeldungen und die Gräueltaten der Achsenmächte standen dabei stets im Vordergrund.

Die Deutsche Wehrmacht und vor allem Adolf Hitler wurden auf Plakaten häufig lächerlich gemacht, während andere Darstellungen gleichzeitig versuchten, in überhöht symbolischer Form die Gefährlichkeit und Brutalität des furchtbaren Gegners zu verdeutlichen.

Das wurde nicht nur in der damaligen Sowjetunion oder Großbritannien so praktiziert, auch die amerikanische Propaganda stellte den Zweiten Weltkrieg als einen Kampf „Gut gegen Böse“ dar. Und machen wir uns nichts vor – aus Sicht der Alliierten war der Zweite Weltkrieg tatsächlich gerecht.

Okay, US-amerikanische Präzisionsbomben wurden übertrieben gelobt, um die eigene Bevölkerung vom Unterschied zwischen „guten“ und „schlechten Bombardements“ zu überzeugen. Weshalb man deutsche Großstädte wie Dresden und Köln dann auch komplett zerstören musste. Schließlich galt es die „Moral“ des Gegners zu zerstören.

Der Vietnamkrieg

ging als der erste „unzensierte Krieg“ in die Menschheitsgeschichte ein. Denn zum ersten und einzigen Mal im 20. Jahrhundert gab es während eines Krieges praktisch keine staatliche Zensur auf Seiten des Aggressors.

Eine Zensur konnte anfangs rechtlich auch gar nicht begründet werden, weil die amerikanische Regierung ihre Beteiligung am Vietnamkrieg lange Zeit komplett leugnete. Gleichzeitig fühlten sich die USA aber moralisch im Recht, also wurde die Entsendung amerikanischer Truppen als „amerikanisches Engagement“ bezeichnet, mit dem Südvietnam im Kampf gegen den Kommunismus unterstützt werden sollte.

Zensierende Maßnahmen wurden dabei als unnötig empfunden – schließlich pflegte die Regierung mit den Journalisten eh ein sehr partnerschaftliches Verhältnis. Mit der neuen Satellitentechnik konnte das Kriegsgeschehen inzwischen sogar fast „live“ in die Wohnzimmer gebracht werden.

Die amerikanischen Fernsehanstalten standen anfangs fest auf der Seite der US-Regierung: Kritische Berichte von der Front wurden praktisch nicht gesendet. Stattdessen griffen die Redaktionen meist auf das verklärende Filmmaterial der Propaganda-Abteilungen der US-Regierung zurück.

Das Pentagon beschäftigte damals mehr Personal für die Produktion von Propagandamaterial als alle amerikanischen Fernsehanstalten zusammen! Doch je länger der Vietnamkrieg dauerte, desto mehr verlor die US-Regierung an Glaubwürdigkeit.

1968 starben bei einem Angriff des Vietcong viele US-amerikanische Soldaten, und die amerikanische Bevölkerung forderte mehr Informationen über das Kriegsgeschehen. Fernsehanstalten und Presse begannen nun, auch häufiger kritische Berichte zu veröffentlichen.

Bald wurde deutlich, dass die eigene Armee in Vietnam mit maßloser Brutalität und Grausamkeit vorgegangen war. Die unzensierten Bilder schockierten die amerikanische Öffentlichkeit, und die US-Regierung versuchte, kritische Journalisten einzuschüchtern und zu verleumden. Man nannte sie unpatriotisch, Landesverräter oder Kommunisten.

Auch die Fernsehanstalten reagierten entsprechend, indem sie dem Vietnamkrieg nun weniger Sendezeit einräumten. Doch die amerikanische Öffentlichkeit wusste bereits genug, um gegen den Vietnamkrieg zu sein – und dieser breite gesellschaftliche Konsens trug schließlich dazu bei, den Krieg zu beenden.

Im Irakkrieg von 1991

hatten die USA aus der medialen Niederlage im Vietnamkrieg gelernt: Alle Darstellungen des Krieges wurden vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium inszeniert oder zensiert.

Der Zugang der Journalisten zum Kriegsgebiet erfolgte gemäß dem „Pool-Prinzip“: Die Berichterstattung wurde nur ausgewählten Journalisten gestattet, die an einzelne Kriegsorte gebracht wurden. Diese konnten dort nur unter Aufsicht des Militärs („eingebettet“) arbeiten. Vor der Veröffentlichung mussten alle Beiträge von Journalisten einer Sicherheitsprüfung („security review“) unterzogen und vielfach (dem US-amerikanischen Kriegs-Narrativ entsprechend) umgeschrieben werden.

Immer wieder war daher während der Kampfhandlungen von einem „chirurgischen“ bzw. „sauberen“ Krieg die Rede – so sollte der Eindruck erweckt werden, das US-Militär könne mit Hilfe der neuesten Hightech-Waffen effektiv Krieg führen, ohne dabei Unschuldige zu töten. Auf zahlreichen Pressekonferenzen zeigte das amerikanische Militär Videoaufnahmen von Raketen, die präzise in Gebäude oder feindliche Militärfahrzeuge einschlugen oder Aufnahmen von lasergelenkten Bomben. Zerstörte Häuser und Landschaften waren dabei ebenso wenig zu sehen wie Darstellungen von Gewalt oder Bilder von toten Zivilisten.

Das Grauen des Krieges verschwand hinter den oft grünlich eingefärbten Live-Bildern, die aus sicherer Entfernung eingefangen wurden. Der Krieg sah auf den Fernsehbildschirmen plötzlich aus wie ein Computerspiel, und das Leiden und Sterben der irakischen Zivilbevölkerung blieb bei dieser medialen Inszenierung weitgehend unsichtbar.

So starben beispielsweise durch einen US-Bombentreffer auf einen Luftschutzbunker nachweislich 300 irakische Zivilisten. Bekannt wurde im Nachhinein auch, dass die Geschichte der 15jährigen Nayirah vor dem Menschenrechtsausschuss des US-Kongresses am 19. Oktober 1990 (über die Ermordung von kuwaitischen Babys durch irakische Soldaten) eine Erfindung der US-amerikanischen PR-Agentur „Hill & Knowlton“ war.

Viele grausame Details des Krieges werden uns wohl für immer verborgen bleiben, da die Berichterstattung vom US-Militär enorm eingeschränkt wurde und immer noch unter Verschluss gehalten wird.

Der Kosovokrieg von 1999

war auch ein Krieg der Propagandaberichte. Jede Seite versuchte, mit emotionsauslösenden Aufnahmen von verstümmelten Kriegsopfern und grausamen Kriegsverbrechen die Öffentlichkeit von der eigenen Position zu überzeugen. Dabei kamen viele Fotos in Umlauf, deren Herkunft nicht eindeutig nachweisbar ist und bei denen Manipulationen nicht auszuschließen (wenn nicht sogar zu erwarten) sind.

So schockierten im Januar 1999 Bilder und Berichte von einem angeblichen Massaker im Dorf Raçak die Öffentlichkeit: Serben sollten hier mindestens 45 kosovoalbanische Zivilisten auf grausamste Weise getötet haben. Von den NATO-Staaten wurde dieser Vorfall neben dem „Hufeisenplan“ als einer der wichtigsten Gründe genannt, um den Angriff auf die Serbien zu rechtfertigen.

Die Echtheit dieses Plans ist (wie auch die Aufnahmen des Massakers) bis heute stark umstritten, denn Journalisten konnten während des Krieges oft nicht den Wahrheitsgehalt von Fotos und Zeugenaussagen überprüfen. Sie hatten keinen freien Zugang zum Kriegsgebiet, sondern mussten mit Nachrichtensperren, Zensur und der Verweigerung von Visa kämpfen.

Da Journalisten für ihre Berichte aber Fotos und Videoaufnahmen benötigen, griffen sie zwangsweise auf jene Materialien zurück, die ihnen von den verschiedenen Kriegsparteien frei Haus angeboten wurden. So übernahmen sie häufig einseitige Interpretationen des Kriegsgeschehens und verbreiteten diese dann auch in der Öffentlichkeit. Anstatt kritisch zu informieren, wurden die Journalisten so selbst zu Sprachrohren der jeweiligen Kriegsparteien.

Erstmals wurde im Kosovokrieg auch das Internet gezielt als Mittel der Kriegspropaganda eingesetzt. Verschiedene Internetdienste (sowohl im Umfeld der Kosovo-Albaner als auch in dem der Serben) nutzten Webseiten dazu, anklagende Bilder öffentlich zu verbreiten, die als Beweismittel für Massaker und angetanes Leid dienen sollten. All diesen Fotos fehlten aber in der Regel konkrete Angaben zum Entstehungskontext, die Namen der Opfer und der Fotografen. Die Richtigkeit konnte daher nie überprüft werden.

Der Irakkrieg von 2003

fand auch unter großem Medieninteresse statt. Die wenigen Wochen vom Beginn des Krieges bis zum Sturz des irakischen Regimes unter Saddam Hussein wurden weltweit von allen großen Fernsehstationen übertragen.

Sowohl die amerikanische als auch die irakische Seite machte sich das große Medieninteresse zunutze. Das amerikanische Militär ließ seine Truppen erneut von ausgewählten Reportern begleiten, die Live-Berichte dieser „eingebetteten Journalisten“ ermöglichten dem westlichen Zuschauer, den Krieg aus unmittelbarer Soldatenperspektive mitzuverfolgen.

Der geäußerten Kritik an ihrer Strategie der Informationsverknappung im Irakkrieg 1991 begegneten die USA im Irakkrieg 2003 mit einer aktiven (fast schon aggressiven) Informationspolitik zur Versorgung der Medien mit zahlreichen Bildern und Informationen. Bei den veröffentlichten Bildern und Videos waren aber keine Aufnahmen von Menschen zu sehen, die schwer verletzt oder tot waren.

Erneut entstand so ein sehr entschärftes Bild des Krieges. Auch die Berichterstattung der eingebetteten Journalisten erntete viel Kritik, denn ihr längerer Aufenthalt in nächster Nähe zu den Soldaten ließ eine unabhängige Berichterstattung kaum noch zu. Außerdem gab es feste Regeln, die vorschrieben, worüber berichtet werden durfte und worüber nicht. 

Die irakischen Bilder dieses Propagandakrieges unterschieden sich sehr von denen der US-Amerikaner. Fotos und Filmaufnahmen von zum Teil entsetzlich entstellten zivilen Opfern lenkten den Blick auf die grausamen Folgen dieses US-Angriffskrieges. Über arabische Sender wie „Al Jazeera“ und das Internet wurden sie weltweit verbreitet und verstärkten im Westen den Protest gegen diesen Krieg. Die Bilder der Opfer wurden von der irakischen Regierung aber auch ganz gezielt als Mittel der eigenen Kriegspropaganda eingesetzt, wenn gegen die „Ungläubigen“ gewettert wurde.

Einen erstaunlich ungeschminkten Rückblick auf die Realität dieses Krieges erlauben die 2010 von der Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlichten Irak-Geheimdokumente. Sie vermitteln das Bild eines überaus blutigen und brutalen Krieges.

Bald wurde auch bekannt, dass die von US-Außenminister Powell vor dem UN-Sicherheitsrat am 5. Februar 2003 vorgebrachten „Beweise“ für die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen schlichtweg falsch waren. Mit Hilfe dieser „Beweise“ hatte Powell den Krieg gerechtfertigt – was in der Rückschau bestätigt, dass (auch) dieser Krieg ein willkürlicher Angriffskrieg war.

Im Afghanistankrieg

versuchten alle beteiligten Kriegsparteien mittels verschiedener Medien Einfluss auf die öffentliche Meinung im eigenen und im feindlichen Lager zu nehmen. Die US-Regierung und ihre Verbündeten betrieben hierfür strategisch ausgerichtete Öffentlichkeitsarbeit, um durch eine positive Berichterstattung über ihr militärisches Handeln breite Unterstützung in der nationalen und internationalen Öffentlichkeit sowie bei der afghanischen Bevölkerung zu erhalten. Erstmals setzen sie hierfür auch Social Media-Dienste wie Facebook, Twitter und YouTube ein. 

Auf der anderen Seite versuchten auch die Taliban über soziale Medien auf die öffentliche Meinung einzuwirken. Neben der direkten Information der afghanischen und internationalen Presse (beispielsweise über zivile Opferzahlen) verteilen sie an die afghanische Bevölkerung auch Flugblätter, Propagandafilme auf DVDs oder Audio-Kassetten mit Propagandaliedern und -texten. Und nicht nur das – sie betrieben vor Ort auch eigene Internetseiten und Radiostationen.

Von den meisten westlichen Medien wurde lange Zeit nur die offizielle Sicht der westlichen Militärs auf den Afghanistaneinsatz übernommen und wiedergegeben. Dies änderte sich erst, als mehr und mehr blutige Fakten über die Realität dieses Militäreinsatzes bekannt wurden. In der Folgezeit änderte sich das öffentliche Bild zunehmend. Immer mehr Stimmen wurden laut, die ihn kritisch hinterfragten. Bis schließlich die westlichen Truppen wieder abzogen und ein weitgehend zerstörtes (wieder von den Taliban kontrolliertes) Land zurückließen.

Im Ukrainekrieg

wird nun schon seit Jahren an der medialen Front mit heftiger Kriegspropaganda gekämpft. Und das erneut auf beiden Seiten. Nicht nur die vielzitierte „Kreml-Propaganda“ interpretiert ihren Angriffskrieg naturgemäß auf ganz eigene Weise – auch die Marketing-Experten von Selenskyj und der NATO fühlen sich nicht unbedingt der reinen Wahrheit verpflichtet.

So kommt es, dass Deutschland und „der Westen“ weitgehend ungeprüft das Narrativ der Ukraine übernimmt, die zwar eindeutig angegriffen wurde (was sie zu einem Opfer und damit unterstützungswürdig macht), aber zuvor auch nicht viel für den Frieden getan hat.

Wurde die Ukraine vor dem Krieg noch heftig wegen stark verbreiteter Korruption, Demokratie-Feindlichkeit und maroder Wirtschaft kritisiert, so wandelte sich das Bild mit dem Angriff Russlands radikal. Seitdem ist die Ukraine ein moderner Staat „im Zentrum von Europa“ und ein Hort der Freiheit und Demokratie, den es nun gegen das russische Böse zu verteidigen gilt. Und wenn dann russische Drohnen und Raketen ukrainische Zivilisten verletzen oder töten, dann geht das bei uns mit einem Schrei der Empörung durch alle Nachrichten – wenn die Ukraine dann aber ihrerseits russische Zivilisten tötet oder verletzt, dann hören wir davon kaum etwas. Obwohl es diese Angriffe ja auch gibt.

Aber so ist das im Krieg, da gibt es immer wieder „Terrorangriffe“ bzw. „Vergeltungsschläge“. Und die passende Vokabel wählt man je nachdem, auf welcher Seite man steht. Das gilt auch für „Terroristen“ bzw. „Freiheitskämpfer“ – zwei verschieden wahrgenommene Begriffe für ein und dasselbe.

Im aktuellen Irankrieg

betreiben die USA mit ihren internationalen Medienpartnerschaften den üblichen Informationskrieg gegenüber der eigenen Bevölkerung, der sie ja auch diesen Krieg wieder als notwendig und moralisch gerechtfertigt verkaufen müssen. Dabei wird der Gegner (wie immer) als das Böse schlechthin (ein furchtbarer „Schurkenstaat“) dargestellt, wodurch die USA wieder automatisch zu „den Guten“ werden, die dann auch kaum Verluste (bislang 17 US-Soldaten) zu beklagen haben und stets so präzise Waffen verwenden, die nur die wirklich „Bösen“ getroffen werden. Kollateralschäden an iranischen Zivilisten (bisher über 1.000) werden öffentlich zwar immer bedauert, können aber nie ausgeschlossen werden.

Aber auch der Iran betreibt Kriegspropaganda – und das sogar recht erfolgreich, wenn man an die Lego-Männchen-KI-Videos des Irans denkt, die weltweit viral gingen. Diese direkt an die Bevölkerung des Kriegsgegners gerichtete Propaganda war sehr erfolgreich und brachte viele im „Westen“ lebende Menschen dazu, die eigene Propaganda-Sicht auf den Krieg zu hinterfragen. Wobei das für uns (im „Westen“ lebende Menschen) kein Problem ist, wir dürfen das. Wir dürfen auch gegen die Kriege unserer Regierungen sein, ohne dafür Angst um Leib und Leben haben zu müssen.

Denn als Iranerin oder Iraner ist man täglich riesigen, gewaltbildhaften Großplakaten und „Murals“ ausgesetzt, die die eigene Sichtweise und Überlegenheit verdeutlichen sollen. Die USA wird dabei (oft nicht ganz zu unrecht) als moralisch verrotteter und gewalttätiger Aggressor dargestellt, der vor allen eigene Wirtschaftsinteressen durchzusetzen versucht.

100 Jahre Kriegspropaganda

Haben uns die Kriege der letzten 100 Jahre also nicht längst gelehrt, wie Kriegspropaganda funktioniert und eingesetzt wird? Müssten wir nicht längst erkennen können, was Kriegspropaganda ist und wie sie daherkommt? Tatsächlich können wir das schon lange, denn in den letzten 100 Jahren glich nicht nur ein Krieg dem anderem, auch die Propaganda war weitgehend austauschbar.

So sieht es nicht nur die erfolgreiche wissenschaftliche Autorin Anne Morelli. Die Brüsseler Geschichtsprofessorin beruft sich dabei auch auf Arthur Ponsonby, einen englischen Diplomaten, der bereits nach dem Ersten Weltkrieg die folgenden zehn „Prinzipien der Kriegspropaganda“ analysierte, die ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren haben:

1.  Wir wollen den Krieg nicht

2.  Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung 

3.  Der Führer des Gegners ist ein Teufel

4.  Wir kämpfen für eine gute Sache

5.  Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen

6.  Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich

7.  Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm

8.  Künstler und Intellektuellen unterstützen unsere Sache

9.  Unsere Mission ist heilig

10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

Vom letzten Punkt vielleicht einmal abgesehen, bestätigen diese „Prinzipien der Kriegpropaganda“, dass auch wir derzeit recht einseitiger Kriegspropaganda ausgesetzt sind. Vermutlich ist die nicht so schlimm wie in Russland – aber wer hat da schon viele Freunde, die einem sowas direkt bestätigen oder widerlegen können? Und überhaupt: Darf man jetzt überhaupt noch russische Freunde haben? Natürlich darf man das. Man sollte es sogar, denn letztendlich (wen überrascht’s?) sind die Russen auch nur Menschen. Genauso wie wir. Oder die Ukrainer. Nur im Dialog findet man eine Lösung.

Kommen wir abschließend noch zu den erfolgreichsten Methoden der Kriegspropaganda – entscheidet doch einfach selbst, ob Ihr glaubt, diese Methoden im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg auch in unserer Medienlandschaft wahrgenommen zu haben.

Erzeugung von Angst

Menschen lassen sich am ehesten von der Notwendigkeit eines Militäreinsatzes überzeugen, wenn sie sich einem besonders bedrohlichen Gegner ausgesetzt sehen. Mit der Angst vor dem Verlust des eigenen Besitzes oder gar Lebens steigt die Bereitschaft, einen Krieg zu befürworten.

Diese Angst kann sich schnell in Wut verwandeln und in Hass auf den vermeintlichen Feind umschlagen. Daher ist es äußerst wirksam, einen Zustand zu schaffen, in dem die Bedrohung von außen allgegenwärtig erscheint. Dies geschieht zum Beispiel durch die ständige Wiederholung der Größe der Gefahr und der Bedrohung durch den Feind. Dafür wird ein teuflisches Bild vom Gegner gezeichnet, während die eigene Bevölkerung als unschuldig und absolut gut dargestellt wird.

Zensur von Informationen

Schon immer machte die Zensur einen wichtigen Teil der Kriegspropaganda aus, denn eine Sichtweise kann vor allem dann besonders gut vermittelt werden, wenn eine andere (dem entgegenstehende) unterdrückt wird. Zensur bezeichnet die (in der Regel vom Staat ausgeübte) Überwachung und Unterdrückung von Medienprodukten. Sie sorgt dafür, dass nur bestimmte Informationen die Öffentlichkeit erreichen. Niederlagen, Fehlschläge, Kriegsverbrechen der eigenen Armee und das durch den Krieg verursachte Leid werden der Öffentlichkeit vorenthalten.

Grundsätzlich unterscheidet man drei Formen der Zensur: direkte Zensur, indirekte Zensur und Selbstzensur. Direkte Zensur bedeutet, dass Medienprodukte vor der Veröffentlichung von einer staatlichen Behörde kontrolliert werden. Diese direkte Zensur wurde in der westlichen Welt weitgehend abgeschafft – wenn man mal von sowas wie dem plötzlichen „Verschwinden“ von „Russia Today“ aus unserer Medienlandschaft absieht. 

Wenn der Zugang zu den Informationen selbst kontrolliert wird, spricht man von indirekter Zensur. Den Journalisten werden dann entweder wichtige Informationen vorenthalten – oder sie dürfen bestimmte Orte (zum Beispiel Kriegsschauplätze) nicht betreten. Den Medienvertretern bleibt dann in Kriegszeiten oft nichts anderes übrig, als die Meldungen der Militärs zu übernehmen. 

Unterschlagen Journalisten bestimmte Informationen aus persönlicher Überzeugung, wird dies als Selbstzensur bezeichnet. Gründe können die wirtschaftliche Abhängigkeit eines Mediums von seinen Inserenten oder eine direkte Bestechung oder Begünstigung sein. Viel häufiger allerdings ist eine selbstzensierte Berichterstattung auf die Angst der Journalisten zurückzuführen, sich durch das Vertreten unpopulärer Ansichten persönliche Karrierechancen zu verbauen.

Sprachliche Verzerrungen

Auch die Sprache selbst ist ein wirksames Mittel der Kriegspropaganda. Bei politischen Reden und militärischen Pressekonferenzen wird davon ganz bewusst Gebrauch gemacht. Durch eine gezielte Wortwahl lassen sich bei den Zuhörern gewisse Stimmungen hervorrufen oder unterdrücken.

Um einen Krieg als gute Sache gegen einen bösen Gegner erscheinen zu lassen, werden häufig Schlagwörter eingesetzt, die man auch als „White Words“ (Begriffe, die bei den meisten Menschen mit sehr positiven Gefühlen verbunden sind) und „Black Words“ (dienen dem Aufbau eines klaren Feindbildes) bezeichnet.

Außerdem werden bestimmte Wörter von Politikern und Militärs im Zusammenhang mit Kriegshandlungen bewusst vermieden, weil sie die Grausamkeit des Krieges beschreiben. Daher spricht man lieber von „Kollateralschäden“ als von „getöteten und verletzte Zivilisten“ oder von einer „Luft-Kampagne“ statt einem „Bombardement“. Diese Propaganda-Technik wird „sprachliche Schönfärberei“ genannt.

Mitläufer-Fang

Menschen stehen ganz grundsätzlich lieber auf der Gewinner- als auf der Verliererseite. Aus diesem Grund schließen sie sich gerne Mehrheiten an. Denn Mehrheiten versprechen Erfolg, da Menschen die Wahrscheinlichkeit, dass sich Mehrheiten täuschen, als relativ gering einschätzen.

Das Denken folgt hier dem Grundsatz, dass da schon irgendetwas dran sein muss, wenn sooo Viele einer Sache folgen. Die Strategie des Mitläuferfangs nutzt dieses typisch menschliche Verhalten aus, indem sie die Menschen glauben macht, dass die kundgetane eigene Meinung auch der Meinung der Mehrheit entspricht.

Ästhetisierung der Kriegsbilder

Ästhetisierung heißt hier, dass der Krieg auf eine Weise dargestellt wird, in der er wesentlich schöner und reizvoller wirkt als er ist. Durch eine möglichst ästhetische Darstellung des Krieges soll dem Krieg der Schrecken genommen werden.

Fotos und Filme, die den Krieg eigentlich dokumentieren sollen, werden bewusst so aufgenommen bzw. ausgewählt, dass sie beim Betrachter eher Faszination als Abschreckung auslösen. Erreicht wird dies beispielsweise durch den Einsatz von Licht, Farben, Musik, bestimmte Kameraeinstellungen, die Anordnung der Bildobjekte oder die Verwendung von gemeinhin als schön wahrgenommenen Bildmotiven aus Kunst, Natur, Alltag und Werbung. 

Empfindungssteuerung (Perzeptionsmanagement)

Das Perzeptionsmanagement (Perzeption = Empfindung) ist eine Form der Gefühlssteuerung und Meinungslenkung. Anders als bei der klassischen Propaganda werden hier nicht aktiv „alternative Fakten“ (durch Lügen) geschaffen. Stattdessen wird auf unangenehme Wahrheiten mit einer Verschiebung der Debatte in die gewünschte Richtung reagiert.

Ein Paradebeispiel: Die Ergreifung von Saddam Hussein. Diese ereignete sich genau zu der Zeit, als sich die von den USA angeführten Gründe für den Irakkrieg 2003 als nicht gerechtfertigt erwiesen. Die starke öffentliche Thematisierung der erfolgreichen Gefangennahme des Diktators lenkte jedoch erfolgreich davon ab. Anstatt auf die Vorwürfe der Nichtrechtmäßigkeit dieses Krieges einzugehen wurde platt argumentiert, dass durch den Krieg ja zumindest der „Diktator gefasst“ und das „Land befreit“ wurde.

Militainment

„Militainment“ entstand aus den Begriffen „Militär“ und „Entertainment“, gemeint ist damit die Zusammenarbeit zwischen Militär und Medienunternehmen bei der Produktion von Kriegsfilmen, -serien, -dokumentationen oder Computer(kriegs)spielen. Hier ziehen beiden Seiten gleichermaßen ihren Nutzen daraus: Das Militär stellt die teure Kriegsausrüstung zur Verfügung und als Gegenleistung verpflichten sich die Medienmacher, den Krieg in der vom Militär gewünschten Weise darzustellen.

Letztlich entscheidet dann das Militär darüber, was wie gezeigt werden darf. So wird der Krieg zum Schauplatz von Heldengeschichten, in denen das Militär stets ehrenvoll erscheint und andere Möglichkeiten als Krieg zur Lösung von Konflikten ausgeblendet werden. Diese Darstellungsweise trägt erheblich dazu bei, dass das Ansehen des Militärs und die gesellschaftliche Akzeptanz von Kriegen steigen (siehe z. B. „Top Gun“-Filme oder „Call of Duty“-Computerspielreihe).

Fazit

Soweit die verbreitetsten Methoden erfolgreicher Kriegspropaganda. Da es mit neuen technischen Möglichkeiten aber immer auch neue Möglichkeiten der medialen Beeinflussung gibt, ist natürlich nicht auszuschließen, dass eine neue Propaganda-Methode in Zukunft neue Maßstäbe setzen wird.

Denn schon seit 2020 treibt die NATO eine neue Form der psychologischen Kriegsführung voran: die sogenannte „kognitive Kriegsführung“, die von der NATO selbst als „fortschrittlichste Form der Mani­pulation“ bezeichnet wird. Denn die kognitive Kriegsführung nimmt die Psyche eines jeden Menschen direkt ins Visier – und zwar mit dem klaren Ziel, unseren Verstand (wie einen Computer) zu „hacken“.

Da kommt also noch so einiges auf uns zu, und wir können eigentlich nur hoffen, dass es dann auch irgendeine Firewall für unseren kognitiv attackierten Verstand gibt.