Biotechnologische Anwendungen wurden bereits vor Jahrtausenden entwickelt, so z. B. die Herstellung von Wein und Bier mit Hefen und die Verarbeitung von Milch zu verschiedenen Lebensmitteln mithilfe bestimmter Mikroorganismen oder Enzyme. Die moderne Biotechnologie greift auf mikro- und molekularbiologische, genetische bzw. gentechnische Erkenntnisse und Methoden zurück. Dadurch ist es möglich, Herstellungsverfahren für chemische Verbindungen, z. B. als Wirkstoff für die Pharmazeutik oder als Grundchemikalie für die chemische Industrie, Diagnosemethoden, neue Pflanzensorten und anderes zu entwickeln. Jetzt hält diese revolutionäre Technologie auch Einzug in die moderne Cannabiszucht.

Im September 2011 machte die Meldung die Runde, dass das US-Unternehmen Medicinal Genomics erstmals das Hanf-Genom, also das  Erbgut der Hanfpflanze, entschlüsselt und die Rohdaten im Internet veröffentlicht habe. Gegenstand der Untersuchung war die Drogenhanfsorte Chemdawg. Die ermittelte Genom-Sequenz sei sehr komplex und bestehe aus ca. 400 Millionen Basenpaaren, wurde verlautbart. Die Firma erklärte, dass sie die Daten veröffentlicht habe, um das Verständnis und die Erschließung des therapeutischen Potenzials von Cannabis zu fördern. Der medizinische Cannabissektor könne in Zukunft gezielt neue Medizinalhanfsorten entwickeln, die spezifisch an bestimmte Krankheiten angepasst sind, indem sie speziell gezüchtete Cannabinoidprofile aufweisen, die für die jeweilige Therapie optimiert sind. Etwa Sorten mit besonders viel THC, aber auch gänzlich THC-freie Sorten, wenn es allein um die medizinische Wirkung des Cannabinoids CBD und/oder anderer Cannabinoide gehe.

Besorgte konservative Beobachter wiesen derweil darauf hin, dass nun auch die von vielen Medien im Zusammenhang mit außergewöhnlich THC-reichen Cannabissorten seit Langem fälschlich verbreitete Mär von der genetischen Manipulation wahr werden könne, dass künftig labormanipulierte „Killersorten“ mit doppelt so viel THC wie derzeitige Spitzensorten auf dem Markt auftauchen und ahnungslose Konsumenten verheeren könnten (dabei verkennend, dass aufgeklärte Konsumenten dann weniger rauchen müssten, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, was gesundheitlich besser wäre). Andere wiesen darauf hin, dass dem medizinischen wie auch – nach einer Legalisierung – nichtmedizinischen Cannabis-Sortengeschäft zukünftig eine feindliche Übernahme durch Großkonzerne wie Monsanto drohe, die mit gentechnisch veränderten Patentsorten große Marktanteile an sich reißen könnten.