Der ersten europäischen Grower-Generation Mitte der 90er war der Anbau von Cannabis als Medizin, anders als US-amerikanischen Indoor-Pionieren, so gut wie unbekannt. Die meisten wollten nur kiffen, einige auch ein wenig selbst ergärtnertes Gras verkaufen. Doch der Boom der letzten Jahre im Grow-Business ist auch eine Folge der strikten Handhabe von medizinischem Cannabis in Deutschland.

Cannabis-Patient Günther Weiglein kann ein Lied davon singen und darf trotz gewonnenem Prozess immer noch kein Gras zuhause anbauen. Lieferengpässe für das legale Bedrocan-Cannabis aus den Niederlanden sind zur Zeit eher die Regel als eine Ausnahme, weil Bedrocan mittlerweile deutsche und tschechische Patienten mitversorgen muss, wofür die Kapazitäten bei Weitem nicht ausreichen. Wer sein Gras nicht langfristig vorbestellt, bekommt gar nichts, von Herbst 2014 bis Januar 2015 gab es gar keine Medizin und die aktuelle Ernte (Stand Ende Januar 2015) ist bereits so gut wie ausverkauft, die nächste kommt in frühestens drei Monaten. Kein Wunder also, dass immer mehr Patienten auf den illegalen Eigenanbau zurückgreifen, wenn die legale Variante nur auf dem Papier existiert. Meist reicht schon eine Mini-Box oder ein kleiner Schrank aus, um die eigene Medizin zu ergärtnern. Auch Klaus* (43) ist anerkannter Schmerzpatient und verfolgt den Fall von Günther seit Jahren. Klaus wohnt in der Nähe von Dresden und braucht Cannabis, um seine chronischen Schmerzen zu lindern und so überhaupt erst arbeitsfähig zu sein. Das sollte dem Gesetzgeber doch eigentlich gefallen, doch wenn’s um Gras geht, verhält es sich in Deutschland immer noch ein wenig anders.

Nutzt du Cannabis ausschließlich medizinisch?

Ich gebrauche Cannabis nach einem schweren Autounfall als Mittel gegen meine chronischen Schmerzen im Bein, die eine Unfallfolge sind, sowie gegen meine depressiven Gemütszustände, an denen ich seit dem Unfall ab und zu leide. Als ich in den 80er Jahren angefangen habe zu kiffen, habe ich Gras auch sicher als Rauschmittel gebraucht, wobei ich feststellen muss, dass es mir damals schon als die bessere Alternative zu unserer Bier- und Saufkultur erschien. Kein Gelalle, keine Aggressionen, kein Kater. Damals hat es mir definitiv geholfen, meinen bedenklich exzessiven Alkoholkonsum einzudämmen und so nicht abzustürzen. Als ich älter wurde, so ab dreißig, habe ich dann viel weniger gekifft als in jungen Jahren, bis zu meinem Autounfall. Während der langwierigen Reha habe ich dann gemerkt, dass Cannabis die chronisch gewordenen Schmerzen so erträglich macht, dass ich mich wichtigen Dingen widmen kann. Auch nach der Reha sind die Schmerzen nie weggegangen, aber ich musste ja irgendwann wieder arbeiten gehen. Seitdem nutze ich Cannabis, wie zuvor beschrieben, nicht mehr um mich daran zu berauschen. Mein Arbeitgeber weiß Bescheid und akzeptiert das, was wohl daran liegt, dass er selbst Gelegenheitskiffer ist. Wenn man wie ich schon morgens konsumiert, wird man nicht mehr breit. Ich arbeite in einer Führungsposition und über meine Arbeitsleistung gab es bislang keine Beschwerden.