Jahrzehntelang fristete das nicht-psychoaktive Cannabinoid CBD (Cannabidiol) ein ziemlich kümmerliches, kaum beachtetes Dasein im Schatten seines „großen Bruders“ THC (Tetrahydrocannabinol), das als rauschverursachende Substanz die Schlagzeilen und Forschung zu Cannabis beherrschte. CBD war gewissermaßen das Aschenputtel der Hanfpflanze. Dabei war es dasjenige Cannabinoid, das zuerst entdeckt wurde, es wurde bereits 1940 von einem US-Forscherteam isoliert. 1963 bestimmte in Israel Raphael Mechoulam dann seine genaue Molekülstruktur, ein Jahr bevor ihm Selbiges mit Tetrahydrocannabinol gelang.

Unter Cannabiskonsumenten und –züchtern galt CBD lange Zeit als unerwünscht, manche bezeichneten es gar als „Abfallprodukt“ der Cannabispflanze. Man schrieb ihm eine ausschließlich Müdigkeit- oder gar Kopfschmerzen-verursachende Wirkung zu und deswegen wurde es als erstrebenswert angesehen, bei der Züchtung neuer Sorten einen möglichst geringen CBD-Gehalt zu erreichen. Im neuen Jahrtausend vollzog sich dann aber an allen Fronten allmählich eine Kehrtwende: Weltweit wurde die CBD-Forschung intensiviert und förderte erstaunlich positive Erkenntnisse über den medizinischen Nutzen des CBD zutage, welche die Breeder einiger Samenbanken dazu veranlassten, sich nun auch diesem zuvor stiefmütterlich behandelten Cannabinoid zu widmen und spezielle CBD-Sorten zu entwickeln, mit einem hohen CBD- und deutlich reduziertem THC-Gehalt. Die Forschungs- und Züchtungsaktivitäten im CBD-Bereich nahmen weiter zu und nach den „Nuller-Jahren“ startete das CBD dann so richtig durch und schwang sich zum neuen Superstar der Cannabispflanze auf – in den letzten Jahren konnte man beinahe im Wochentakt neue Meldungen aus der medizinischen Forschung zu CBD lesen, Studienergebnisse, die CBD fast schon als potenzielle universale Wundermedizin erscheinen lassen. Hier ein exemplarischer Streifzug durch die entsprechenden Überschriften: CBD schützt Nerven bei einem Schlaganfall, schützt das Gehirn vor negativen Folgen einer reduzierten Blutversorgung, reduziert Schmerzen und Entzündungszustände bei Arthritis, übt eine antidepressive Wirkung aus, reduziert die Anfallhäufigkeit bei kindlicher Epilepsie um mindestens 50%, verbessert die Lebensqualität bei Parkinson, beugt Psychosen vor, reduziert die Talgproduktion der Haut, reduziert die Aufnahme von Alkohol bei alkoholabhängigen Mäusen, hemmt das Wachstum von Gebärmutterhalskrebs, könnte die Aggressivität von Brustkrebs reduzieren, könnte Hirnschäden nach Verletzung lindern, könnte Darmentzündungen lindern, könnte bei Abhängigkeit von starken Drogen helfen, könnte bei der MS-Behandlung hilfreich sein, könnte hilfreich bei Bandscheibenvorfällen sein, und so weiter und so fort.