Als ich begonnen habe, Cannabis anzubauen, habe ich viele typische Anfängerfehler bei der Keimung von Samen gemacht. Aber aus all diesen Fehlern konnte ich lernen und sie brachten mir im Endeffekt mehr Wissen über diese wunderbare Pflanze. In diesem Artikel möchte ich von meinen Erfahrungen über das Keimen von Samen berichten.

Das Wasserbad

Bei dieser Methode werden die Samen in ein Gefäß mit Wasser gelegt, um sie darin zum Keimen zu bringen. Dabei ist jedoch die Gefahr gegeben, dass, wenn die Samen zu lange im Wasser liegen, die Keimlinge im Wasser ertrinken oder verfaulen. Auch ist es schwierig, die gekeimten Samen unbeschadet in das Substrat zu geben.

Ein kleiner Vorteil ist aber, dass sie schneller eingeweicht werden und etwas schneller keimen (aber nur etwa einen Tag früher). Man kann auch erkennen, ob Samen keimfähig sind oder nicht. Nicht-keimfähige Samen treiben länger an der Oberfläche, keimfähige Samen gehen innerhalb etwa eines Tages unter. Oft werden aber auch keimfähige Samen von kleinen Luftbläschen an der Oberfläche gehalten.

Keimung zwischen feuchtem Papier

Man kann die Samen auch zwischen feuchtem Papier (z.B. Taschentücher oder Küchenpapier) zum Keimen bringen.

Anders als bei der ersten Methode, ist die Gefahr des Ertrinkens nicht gegeben. Es kann jedoch vorkommen, dass (meist nicht keimfähige) Samen zu schimmeln beginnen und sich der Schimmel auf die anderen Samen ausbreitet, welche dann verderben.

Bei dieser Methode kann man die Samen bei dem Keimungsprozess beobachten. Das muss man auch, denn es können stündlich Samen keimen, die dann sofort in feuchte Erde gegeben werden sollten. Wartet man zu lange, werden die Wurzeln zu lang, drehen sich ein und lassen sich nur noch schwer behandeln. Kurz nach der Keimung bekommen die Wurzeln sehr feine Wurzelhärchen, welche sich im Papier verankern und kaum zu lösen sind. Ein Abtrennen vom Papier führt dann häufig zu einem Abreißen oder einem Bruch der Wurzel. Dies bedeutet fast immer den Tod des Keimlings. Auch kann das Papier sehr schnell austrocknen, dies hat auch fast immer das Absterben des Keimlings zur Folge. Es ist sehr schwierig, ein Samenkorn, aus welchem schon eine Wurzel herausragt, unbeschadet in Erde zu pflanzen. Deshalb sollte man damit beginnen, sobald der Samen sich geöffnet hat.

Die Keimung in Erde

Die Keimung in der Erde hat sich für mich als die beste, sicherste und natürlichste Methode bewährt. Um den Samen in der Erde zu keimen, lege ich ihn seitlich (die Wurzel kommt aus der Spitze), etwa 1cm tief in feuchte, nicht zu nasse Erde. Die Keimung in der Erde bietet den Vorteil, dass, wenn sich der Samen aus der Erde an die Oberfläche drückt, die Schale abgestreift wird. Kommt der Keim mit der Schale aus dem Boden und schafft es nicht innerhalb weniger Tage sie durch eigene Kraft abzuwerfen, muss man sie vorsichtig mit den Fingernägeln an der Unterseite (dort, wo Wurzel und Stiel herauskommen) öffnen. Er wird sonst zwangsläufig eingehen.

Es gibt Grower, welche den Samen zum Keimen auch einfach nur auf die feuchte Erde legen und ihn dann bei entsprechender Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit dunkel lagern.

Die Keimfähigkeit

Der Samen beginnt zu keimen, sobald er ausreichend lang befeuchtet wurde und er einer angemessenen Temperatur ausgesetzt ist. Die Samen einiger Sorten können schon bei einstelligen Temperaturen innerhalb von 2 Wochen keimen. Temperaturen zwischen 18 – 25° sind jedoch zu bevorzugen. Die Samen keimen dann schneller und die Keimlinge entwickeln sich besser.

Frische oder sehr alte Samen keimen nur sehr langsam oder gar nicht. Sie verfaulen meist im Boden, bevor sie sich zum Keimen entschließen. Frische Samen keimen sehr schlecht, da sie einen Schutz in sich haben, welcher verhindert, dass sie bei Regen oder feuchter Witterung schon in den Blütenständen keimen. Der Schutz hilft auch dabei, dass die Samen erst im Folgejahr ihren Zyklus beginnen und nicht in der selben Saison (vor dem nahenden Winter) wie ihre Elternpflanzen. Alten Samen fehlt es schlicht an Vitalität. Ansonsten lassen sich Hanfsamen unter den richtigen Bedingungen (kühl und trocken) sehr lange lagern. Sie halten sich etwa 3 Jahre lang, ohne Einbußen der Vitalität fürchten zu müssen. Auch nach 5, 6 oder gar 10 Jahren wird immernoch ein gewisser Prozentsatz keimfähig sein, vorausgesetzt, es sind genügend Samen vorhanden.

Ein gut abgelagerter (6 –12 Monate), vollständig ausgereifter und durch sorgfältige Bestäubung entstandener Samen ist zu mindestens 90% keimfähig.

Entstammt er einer kultivierten Zuchtsorte oder Landrasse, keimt er gewöhnlich innerhalb von 2 –7 Tagen. Ist er alt, frisch oder entstammt einer wilden Landrasse, kann die Keimdauer durchaus bis zu 4 Wochen betragen. Danach schwindet die Wahrscheinlichkeit, keimfähiges Saatgut gepflanzt zu haben und die Möglichkeit, dass er verfault oder Schädlingen zum Opfer gefallen ist, steigt.

Die Mondphasen

Der Mond hat auf alle Lebewesen großen Einfluss, so auch auf die Hanfpflanze. Viele Cannabisfarmer sind sich einig, dass das Saatgut besser keimt, wenn es nach Neumond und speziell einige Tage vor Vollmond gesät wird. Die Stichtage (Vollmond, Halbmond und Neumond) werden für Arbeiten an und mit der Hanfpflanze gemieden. An diesen Tagen sind die Spannungen zwischen den Himmelskörpern zu groß. Ich säe immer etwa 5-6 Tage vor Vollmond aus.

Erde als Anzucht-Substrat

Die richtige Erde für die Anzucht zu wählen ist sehr wichtig. Wählt man die falsche, kann es zu Problemen kommen, z.B. schwachwüchsige und deformierte Pflanzen, den Verlust der gesamten Saat, unnatürliche Verhältnisse zwischen männlichen und weiblichen Pflanzen (bei Defiziten meist mehr Männchen), Zwitterungen und Einbußen bei der Erntemenge.

Meiner Erfahrung nach ist es nicht notwendig, spezielle Anzuchterde zu verwenden. Sie ist verhältnismäßig teuer und für junge Hanfpflanzen oft zu schwach gedüngt. Hanfpflanzen neigen dazu, den Boden auszulaugen und bekommen schnell Probleme bei Nährstoffdefiziten.

Nährstoffkonzentrationen scheinen auch Einfluss auf die Geschlechterverteilung der Hanfpflanze zu haben. So können hohe Stickstoffkonzentrationen im Keimling- und Jungpflanzenstadium zu einer erhöhten Anzahl von weiblichen Pflanzen beitragen (nach meinen Beobachtungen bis zu 75-80% weibliche Pflanzen, wobei wahrscheinlich eine frühe Befruchtung der Mutterpflanzen diese Ergebnisse positiv beeinflusste).

Extreme (viel zu hoch/viel zu niedrig) bei der Nährstoffversorgung wirken sich, ebenso wie Defizite, immer negativ aus.

Eine gute Pflanzerde (für Balkon und Kübelpflanzen) aus dem Gartencenter ist ein geeignetes Substrat für die Anzucht. Beeterde ist nicht zu empfehlen, da sie meist eine sehr hohe Nährstoffkonzentration enthält und gröber ist. Die Erde sollte auch keine bzw. nur sehr geringe Mengen an Perlite oder ähnlichen Stoffen enthalten, denn die Struktur der Erde ist von wesentlicher Bedeutung. Trifft die Wurzel auf gröbere Stücke und findet nicht gleich einen Weg vorbei, dreht sie sich, hört auf zu wachsen oder bricht.

Deshalb sollte man die Erde vor dem Bepflanzen sieben. Ich verwende dazu einen Holzrahmen, an dem ein Hasendraht mit einer Maschenweite von 0,5cm befestigt ist. Zu fein sollte die Erde auch nicht sein. Sie wird sonst zu kompakt und die Luftzirkulation und Entwässerungsqualität leidet darunter. Um die Drainage zu verbessern, kann man zerpulvertes Perlite oder Sand hinzufügen.

Die Erde sollte auch vor der Aussaat desinfiziert werden. Das ist einfach zu bewerkstelligen, indem man die Erde auf einem Backblech verteilt und sie dann etwa 25-30 Min. bei etwa 80°C backt. Dabei werden alle Nematoden und Schimmelpilze abgetötet. Zu hoch sollte das Substrat nicht erhitzt werden, denn dann zerfallen die Nährstoffe und es können toxische Stoffe gebildet werden. Nematoden und speziell die Larven der Trauermücke haben bei mir häufig große Schäden angerichtet. Sie fressen den Keimling noch in dem Samenkorn auf, bevor er keimen kann. Holt man den Samen dann aus der Erde und drückt oder öffnet ihn, kann man kleine weiße Larven darin erkennen. Spezielle Aussaaterde ist in der Regel desinfiziert. Häufig jedoch nicht durch Hitze, sondern durch sogenannte chemische „Ausräucherungsmittel“.

Feines Kokossubstrat von hoher Qualität ist auch zu empfehlen. Jedoch muss man dem Kokos (welches meist nicht vorgedüngt ist), vor der Aussaat und während des Heranwachsens der Jungpflanzen, die richtigen Nährstoffe zufügen. Kokos zersetzt sich nur sehr langsam und kann dadurch selbst nur sehr geringe Mengen an Nährstoffen zur Verfügung stellen. Es ist deshalb nicht für Grow-Anfänger zu empfehlen.

Jiffies (Torfquelltöpfe) sind sehr umstritten. Manche machen gute Erfahrungen mit ihnen, andere (wie ich) sehr schlechte. Sie sind zu säurehaltig und haben ein sehr schlechtes Entwässerungsverhalten. Viele Grower berichten von Keimquoten zwischen 0-10%. Bei mir sind fast immer alle Samen eingegangen und ich habe mich davon schnell verabschiedet. In manchen Shops oder im Gartencenter und in Baumärkten gibt es Kokosquelltabletten. Sie sind sehr praktisch bei größeren Aussaaten und können direkt in einer entsprechenden Nährlösung (für Keimlinge, je nach Dünger etwa ein Viertel der normalen Dosis des Blüte – und Wachstumsdüngers mischen, ansonsten siehe Düngeschema des Herstellers) aufgequollen werden.

Luftfeuchtigkeit

Die Luftfeuchtigkeit spielt meines Erachtens eine untergeordnetere Rolle als die Feuchtigkeit im Boden. Die Luftfeuchtigkeit führt seltener zu Problemen als eine zu hohe oder zu niedrige Feuchtigkeit im Boden. Meiner Meinung nach sollte sie zwischen 40 – 80% liegen. Zu niedrige Luftfeuchtigkeit kann zu braunen, trockenen Stellen an den Blättern und zu leicht brüchigen Stengeln führen. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit kann zu dünnen, langen Stengel führen. Und die geschwächten Keimlinge können schnell um – oder abknicken, wenn sich durch die hohe Feuchtigkeit Kondenstropfen an ihnen bilden. Deshalb sind Mini-Gewächshäuser nicht empfehlenswert und auch nicht notwendig. Sie sind stickig, nehmen Licht, lassen keinen Wind zirkulieren und führen schnell zum sogenannten Spargeln – ein starkes Strecken des Stieles, welches ihn sehr dünn werden lässt und ihn häufig in Verbindung mit einem Pilzbefall kurz über der Bodenoberfläche gammeln, umkippen und absterben lässt (Umfallkrankheit). Damit die Keimlinge stabiler heranwachsen, sollte man sie, unmittelbar nachdem sie aus dem Boden kommen, mit „leichtem“ Wind versorgen.

Die Bodenfeuchtigkeit

Der Boden sollte immer nur feucht sein und nicht nass. Wenn man ihn mit der Hand zusammen drückt, sollte er nicht tropfen. Andererseits darf er während der Keimung niemals austrocknen und sollte immer gleichmäßig feucht gehalten werden. Man sollte ihn nicht mit einer Sprühflasche oder einem Pump-Sprüher gießen, sondern immer von oben mit einer Gießkanne, bis etwas Wasser aus dem Topf gelaufen ist. Dabei sollte man darauf achten, dass der Gießstrahl nicht den Samen oder Keimling aufwühlt oder unterspült. Verwendet man einen Sprüher, verschätzt man sich leicht bei der Wassermenge. Häufig wird dann nur die Oberfläche feucht und der untere Teil trocknet nach und nach aus. Dies führt dazu, dass die Wurzel Schaden nimmt und sich die Pflanze nur sehr langsam entwickelt. Einen Wassermangel erkennt man schnell daran, dass die unteren Blätter (die nach den Keimblättern) nach und nach vergilben (dies ist aber auch ein Zeichen für Stickstoffmangel, der ist aber unwahrscheinlicher bei Keimlingen und Jungpflanzen). Wässert man von unten, kann es schnell zu Staunässe kommen oder die gegebene Wassermenge reicht nicht aus, um bis an die Oberfläche zu gelangen.

Wenn das Substrat zu nass ist, führt es ebenfalls, wie bei einer zu hohen Luftfeuchtigkeit, zu dem „Spargel-Effekt“. Die Nässe schwächt die Primärfasern und führt auch zu einem Umkippen des Keimlings. Wenn nun auch noch die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist, dann „gute Nacht“. Auch die jungen Wurzeln nehmen schnell Schaden und beginnen zu faulen.

Die Topfgröße

Ich verwende und empfehle meist eine Topfgröße von 9x9x9cm, etwas größer ist aber besser. Für größere Aussaaten sind auch sogenannte Anzucht-Tabletts oder Saatpaletten zu empfehlen. Die meisten haben allerdings nur sehr kleine Töpfchen und die Jungpflanzen sollten zeitlich, bevor die „Hauptwurzel“ aus den Töpfchen kommt und vertrocknet, verpflanzt werden. Dabei sollte man vorsichtig vorgehen, da die Wurzeln der jungen Keimlinge noch sehr empfindlich sind.