Wir befinden uns am Anfang des Jahres 2018 und seit der Ankündigung Donald Trumps, die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem zu verlegen, gibt es Proteste in Deutschland, die sich nicht nur gegen die natürlich mitunter zurecht kritikwürdige Politik der israelischen oder US-amerikanischen Regierung richten, sondern mehr oder weniger auch unverblümt gegen Juden hetzen, bzw. „die“ Juden oder auch ihre sogenannte „Hochfinanz“ bzw. „einflussreiche Kreise an der Wall-Street“ oder gegen „die Bilderberger“ oder die „Rockefellers und Rothschilds“ usw. Kurz: Gegen die ganze große jüdische Weltverschwörung, so dass ich mich frage, ob da wohl einigen Leuten inzwischen sogar schon der Zaun fehlt, an dem sie nicht mehr alle Latten haben?

Ich glaube, wenn es um die Kritik an Missständen geht, gibt es anscheinend noch viel Erklärungsbedarf. Natürlich soll man Missstände kritisieren. Aber eine Frage dabei ist immer, ob man dann nur mit dem Finger auf andere zeigt, oder ob man mit dem selben Finger sich auch an die eigene Nase fasst. Dazu muss man allerdings beweglich sein – und zwar in den Ellenbogen und im Denken. Wenn man mental den rechten Arm ausstreckt, kommt man so an die eigene Nase nicht ran.