Man liest und erfährt viel über Männer, die leidenschaftlich gern Cannabis konsumieren. Über Frauen in der Hanfszene wird hingegen verhältnismäßig wenig berichtet. Ist die Akzeptanz regelmäßig konsumierender Frauen und Mütter genauso hoch, wie sie es Männern und Vätern gegenüber ist? Und wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Konsum, Arbeit und Familie aus? Und wieso wird diese Frage Männern eher selten gestellt? Männer brüsten sich z. B. auch mit ihren Alkoholeskapaden, während Frauen durch solches Verhalten schnell einen schlechten Ruf erhalten können.

Hannah ist 40 Jahre alt. Sie arbeitet Teilzeit in der Erwachsenenbildung. Sie ist seit Jahren verheiratet, Mutter von einer fünfjährigen Tochter und wohnt in einem Reihenhaus in Düsseldorf Kaiserswerth. Hannah ist eine schöne, gepflegte Frau, rot lackierte Fingernägel, braune Locken. Als ich sie traf, trug sie dunkelblaue Jeans und ein schwarzes T-Shirt. Wir kennen alle diese Menschen, die einen Raum betreten und ihn mit Herzlichkeit und Strahlen füllen. Ganz so ist Hannah. Man fühlt sich in ihrer Anwesenheit augenblicklich wohl. Hannah hätte man gern als Nachbarin. Oder als Hausärztin. Beim ersten Elternabend würde man gern neben ihr sitzen. Sie ist ein Mensch, bei dem man morgens seine Brötchen kaufen mag, weil sie einem nicht nur ein Brötchen, sondern ein gutes Gefühl mit in den viel zu frühen Morgen gibt.

Hannah liest gern. Am liebsten Albert Camus und Gabriel García Márquez. Sie trinkt gern guten Kaffee und sie konsumiert seit mehr als 20 Jahren Gras. Das ist Hannah. Und noch viel mehr.

Hannah ist auch meine Arbeitskollegin. So fanden wir zusammen und ich musste mir eingestehen, dass ich noch nie eine Vollzeit-Kifferin wirklich kennengelernt hatte. Komisch, wo ich doch selber seit fast 25 Jahren eine solche war. Nachdem wir auf einem Sommerfest über Cannabis ins Gespräch kamen und sie ein wenig erzählte, bekam ich Lust mehr über sie zu erfahren und schnell entstand die Idee, ein Interview zu führen.