Wer sich schon immer fragte, ob Kapitalismus unbedingt demokratische Strukturen braucht, kann einfach mal einen Blick in den fernen Osten werfen, wo ein „Global Player“ die Weltbühne betreten hat, der auf den Namen „Volksrepublik China“ hört.

Es ist doch schon interessant, dass es ja die Chinesen waren, die bereits im 12. Jahrhundert mit sogenannten Wertscheinen „den Stein der Weisen“ entdeckt haben, den wir heute als Papiergeld kennen. Wenn sich also jemand mit Kapitalismus auskennen sollte, dann doch wohl das Land, das ihn überhaupt erst erfunden hat.

Wobei das für die Chinesen allerdings auch ein bisschen dumm läuft, wenn man erst jetzt mit dem Kapitalismus so richtig loslegen will. Das ist ein bisschen so, als würde der Chinese erst später auf eine Party kommen, um dann festzustellen, dass der Alk schon alle ist. Und jetzt muss er versuchen, sich mit Chop Suey alles schön zu saufen.

Andererseits setzt China Maßstäbe, die zur Folge haben, dass wir Europäer, wenn wir in der Globalisierung mithalten wollen, uns sowieso alle in Zukunft an den Chinesen orientieren müssen, und da kommt noch einiges auf uns zu.

Nehmen wir z. B. mal ein deutsches Unternehmen, ich will jetzt keine Namen nennen, aber sagen wir mal: Daimler. Also, Daimler hat z. B. ein Werk in Sindelfingen. Und dann sagt Daimler da zu den Arbeitern: „Wenn ihr zu viel Lohn wollt, verlagern wir diese Produktion nach China.“ Denn in China hat Daimler auch ein Werk. Und in China sagt Daimler zu den Arbeitern: „Wenn ihr zu viel Lohn wollt, verlagern wir diese Produktion nach Sindelfingen.“ Und dann kommt die deutsche Gewerkschaft daher und sagt: „Lohndumping in Sindelfingen? Das ist eine Sauerei. Alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm es will.“ Und dann sagt Daimler: „Wo keine Räder mehr sind, ist mir dein starker Arm doch scheißegal. Was ist eine Gewerkschaft ohne Werk? Geschafft!“ Das nennt man Globalisierung. Tja, früher beschworen die Gewerkschaften die „internationale Solidarität“, und inzwischen haben die Unternehmen das umgesetzt.