Neville’s Haze ist eine weitere von Nevil Schoenmakers erschaffene Haze-Sortenlegende, die er während seiner Zeit bei Greenhouse Seeds Mitte der 90er Jahre züchtete. Hierbei handelt es sich um eine fast reine Haze mit einem Sativa-Gehalt von 90 %, die genetisch sehr nah an Original Haze dran ist. Der einzige Unterschied ist, dass sie einen kleinen Anteil Northern Lights enthält.
Nevil kreuzte ein wenig Northern Lights (Indica-dominant) mit ein, um die schier endlose Blütezeit der Original Haze von mehr als 20 Wochen auf ein besser erträgliches Maß herunterzukürzen – Neville’s Haze hat eine Blütephase von 14 bis 16 Wochen (mitunter sogar noch etwas länger), was natürlich immer noch verdammt lang ist und dem Grower viel Geduld abverlangt.
Aber es lohnt sich! Zumindest für Haze-Liebhaber, denn Neville’s Haze liefert den authentischsten und intensivsten Haze-Flavour, den ich jemals gerochen und geschmeckt habe, sowie ein höchst beeindruckendes, kristallklares beflügelndes Sativa-Up-High, das stundenlang anhält.
Greenhouse Seeds gibt den THC-Gehalt dieses High Times Cannabis Cup-Siegers von 1998 mit 22,6 % an. Der Ertrag kann sich auf bis zu 700 g/m² belaufen, wenn man Neville’s Haze mit viel Licht verwöhnt und gut in den Griff bekommt, denn sie ist eminent wüchsig und streckungsfreudig, streckt sich unaufhörlich vom Beginn der Wachstumsphase bis ungefähr in die Mitte der Blütephase. Selbst wenn man sie schon nach einer Woche Wachstum in Blüte schickt, kann es in kleineren Grow-Schränken oder -Zelten im Laufe des Grows höhenmäßig kritisch werden. Deswegen sollte man dieses temperamentvolle Sativa-Biest unbedingt an die Kette legen bzw. ihre sehr langen Zweige herunterbinden und/oder beschneiden, um sie kompakter werden zu lassen.

Die trichomreichen Blütenstände haben eine schlanke längliche Form, sie werden nicht so dicht-hart und knollig-dick, wie man es von vielen anderen Sorten kennt. Oftmals setzen sich die Buds luftig aus einzelnen Blütenlanzen zusammen, dann veranschaulicht Neville’s Haze ihren genetischen Ursprung und sieht aus wie eine exotische Sativa-Landrassenpflanze, was sie in multipler Form ja auch weitgehend ist.
Ellis D. baute Neville’s Haze vor 20 Jahren an, was für ihn als damals noch wenig erfahrenen Grower ziemlich gewagt war. Als Lichtquelle verwendete er eine 115 Watt Dual Spectrum (6400 Kelvin) CFL-Leuchte von MaxGrow – eine sehr geringe Wattzahl, aber er zog auch nur eine Pflanze darunter und war nicht auf einen großen Ertrag aus. Er wollte nur in den Genuss der sagenumwobenen Qualitäten dieses Strains kommen.
Bereits neun Tage nach der Aussaat leitete Ellis D. die Blüte ein, nach 19 Tagen war die Pflanze bereits 40 cm hoch, und er band den Haupttrieb der Pflanze so herunter, dass er sich in Parallel-Lage zu der CFL-Leuchte befand. Im Verlaufe der Blüte band er auch die Seitentriebe in gleicher Weise herunter, und aus diesen wuchs eine Vielzahl von Blütenständen hervor.

Mit gut 14 Wochen Blütezeit wurde diese Neville’s Haze von Ellis D. erfreulicherweise gleich zu Anfang des von Greenhouse Seeds angegeben Blütezeitfensters fertig. Der Haupttrieb, mehrfach heruntergebunden, hatte sich am Ende zu einer kurvigen Ovalform ausgewachsen und war (wie auch die Seitentriebe) mit zahlreichen wohlgeformten Blütenkerzen besetzt, die ein hohes Blüten/Blätter-Verhältnis aufwiesen, sehr harzig geraten waren und einen herrlichen intensiven, tatsächlich an Weihrauch erinnernden Haze-Duft verströmten.
Am Ende blickte Ellis D. auf eine morphologisch sehr bemerkenswerte, exotisch und wild aussehende Pflanze, die dank des multiplen Herunterbindens nur 60 cm hoch, aber 80 cm breit war. Über den Ertrag von 39 g war Ellis D. sehr glücklich, denn mit einer nur 115 Watt starken Leuchte einer Neville’s Haze so viel abzuringen, war eine reife Leistung.
Auch das High und der Geschmack der Blüten beglückte ihn so sehr wie erhofft, er erlebte genau das, was die Sortenbeschreibung dieses Strains versprach – ein sehr lang anhaltendes hochfliegendes sonnenklares Up-High mit Kribbel-Feeling und einen erlesenen süß-herben Haze-Flavour in Feinschmecker-Klasse.

Übermorgen geht’s weiter mit der finalen Sorte Amnesia Haze.


