Oft wird vom rechten oder linken Rand behauptet, wir würden in Deutschland schon wieder in einer Diktatur leben. Was großer Quatsch ist, da ein Friedrich Merz einfach nicht zum Diktator taugt. Was sich tatsächliche Diktatoren dagegen so alles herausnehmen, haben wir hier einmal exemplarisch zusammengefasst – und das ist wahrlich „Crazy Dictator Shit”…
Manchmal hilft es ja, die eigene Perspektive zu wechseln, um sich etwas zu verdeutlichen. Wer sich also in Deutschland, Österreich oder der Schweiz von einer Diktatur mächtig unterdrückt fühlt, der fühlt das nur. Denn tatsächlich wird man hier nur dann „unterdrückt“, wenn man konkrete Gesetze bricht – wobei Diktatoren natürlich alles gesetzlich festschreiben lassen können, was ihnen so gefällt. Ist Friedrich Merz also doch ein verkappter Diktator? Um das ansatzweise einschätzen zu können, wollen wir uns einmal die krassesten Diktatoren der letzten 100 Jahre anschauen – dann werden wir die These wohl eher verneinen.
Josef Stalin
Wie so viele Diktatoren wurde auch der Georgier, der später an der Spitze der Sowjetunion stand, nicht unter seinem eigentlichen Geburtsnamen bekannt. Dieser lautete nämlich Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili – was natürlich nicht so mächtig und eingängig wie „Stalin“ (zu deutsch: „Der Stählerne“) klingt. Stalin war so paranoid auf seinen persönlichen Machterhalt fixiert, dass er seinerzeit mehr als 75 % der Befehlshaber der Roten Armee umbringen ließ. Oft ließ er sogar seine engsten Vertrauten ermorden, denn (wie er damals nachweislich sagte): „Ich vertraue niemandem – nicht einmal mir selbst.“
Die in paranoide Ungnade gefallenen Kampfgefährten des selbsterklärten „Stählernen“ existierten für russische Historiker und Normalbürger fortan nicht mehr – sie verschwanden nicht nur über Nacht, auch aus der Erinnerung sollten sie komplett verschwinden. Und das taten sie – sogar aus Gruppenfotos mit Stalin selbst. Ganz so, als hätte es sie nie gegeben. Dabei waren Fotobearbeitungen damals noch sehr aufwendig und schwierig.
Während er die Listen von zu ermordenden Personen genehmigte, soll Stalin einmal gemurmelt haben: „Wer wird sich in zehn oder zwanzig Jahren noch an all diesen Pöbel erinnern? Niemand. Wer erinnert sich noch an die Namen der Bojaren, die Iwan der Schreckliche beseitigt hat? Niemand.“
Wie extrem der Machtanspruch Stalins gegenüber dem Rest der sowjetischen Bevölkerung war, zeigte sich schon ab 1929 durch die Einführung des „sowjetischen Revolutionskalenders“, der durch die Abschaffung der arbeitsfreien Wochenenden eine ununterbrochene Industrieproduktion ermöglichen sollte. Letztendlich gab Stalin einen Dreck auf den Willen „seiner“ sowjetischen Bürger, die für ihn mehr und mehr zu austauschbaren Arbeitssklaven wurden.
Diese Sichtweise lässt auch eine andere radikale Entscheidung Stalins fast schon nachvollziehbar erscheinen: Die sowjetische Landwirtschaft erntete unter Stalins Herrschaft mehr als genug Getreide, um das russische Volk zu ernähren. Aber Stalin bestand darauf, es nahezu komplett zu exportieren, um mit den Einnahmen neue Industriefabriken finanzieren zu können. Die so entstandene großen Hungersnot (Ende der 1920er bis Mitte der 1930er Jahre) kostete über acht Millionen Sowjetbürger das Leben und wurde von den Hungernden selbst „Holodomor“ (Mord durch Hunger) genannt. Aber Stalin zeigte auch weiterhin eine völlige Missachtung menschlichen Lebens, wie auch dieses Zitat belegt: „Der Tod ist die Lösung aller Probleme. Kein Mann – kein Problem.“
Später im Leben wurde Stalin zum krassen Hypochonder und hatte übertrieben Angst davor, vergiftet zu werden – folglich bestand er darauf, dass all seine Lebensmittel an Ratten und Mäusen getestet wurden, zudem begleitete ihn ständig ein medizinisches Notfall-Team. Stalins persönliche Ärzte vermuteten übrigens, dass eine schwere Arteriosklerose im Diktatoren-Gehirn zu seiner grenzenlosen Paranoia und der brutalen Rücksichtslosigkeit während seiner Herrschaft über die Sowjetunion geführt hat.
1952 erfand Stalin schließlich eine komplett fiktive Verschwörung namens „Ärztekomplott“, in deren Folge er Hunderte von Ärzten und medizinisches Personal (hauptsächlich Juden) verhaften und teilweise hinrichten ließ. Ironischerweise waren somit die besten Ärzte tot oder im Gefängnis, als Stalin einen Schlaganfall erlitt und daran starb. Zudem war es Normalsterblichen unter keinen Umständen gestattet, das Schlafzimmer des großen Führers zu betreten – was sich als verhängnisvoll erwies, da Stalin nach seinem Schlaganfall ganz allein in seinem herrschaftlichen Zimmer lag, ohne dass sich irgendjemand in seine Privatgemächer wagte, um nach ihm und seinem Befinden zu sehen. Hätten seine Untergebenen nicht so große Angst vor Stalin gehabt, hätten sie ihn noch retten können. Was für eine schöne Ironie der Geschichte.
Saparmurat Nijasow
Der frühere Präsident von Turkmenistan hielt viel von sich selbst. Er schrieb ein Buch und machte es zur Pflichtlektüre in Moscheen und Schulen. Und als ob das noch nicht genug wäre, benannte er sogar die Monate des Jahres um! Nijasow nannte zum Beispiel den Januar „Turkmenbaschi“, was so viel bedeutet wie „Oberhaupt aller Turkmenen“, ein Name, den er auch gerne für sich selbst verwendete.
Nijasow war von 1990 bis 2006 „Präsident auf Lebenszeit“ von Turkmenistan, und als wolle er Narziss Konkurrenz machen benannte Nijasow munter Wahrzeichen, Straßen und andere öffentliche Einrichtungen reihenweise nach sich selbst: Turkembashi.
Bis zu seinem Tod im Dezember 2006 regierte Nijasow mit eiserner Faust und erließ für „sein“ Volk eine Reihe äußerst bizarrer Gesetze: So musste beispielsweise das Antlitz Turkmenbashis (und das war gesetzlich vorgeschrieben) auf jeder Uhr und jeder Wodkaflasche zu sehen sein. Die Jugend des Landes wurde derweil ermutigt, auf Knochen herumzukauen, um ihre Zähne zu erhalten, anstatt sich zahnärztlich behandeln zu lassen. Zahlreiche Bibliotheken wurden geschlossen, um das Lesen zu unterbinden, und jungen Männern war es verboten, lange Haare und Bärte zu tragen.
Nijasow ließ ein riesiges Eisschloss mitten in der Wüste bauen, verbot seinen Untertanen Make-up, Goldzähne und Playback bei Konzerten. Okay, okay, Playback bei Konzerten SOLLTE verboten sein – aber vielleicht nicht direkt unter Androhung der Todesstrafe.
Der vielleicht passendste Gegenstand, der Nijasow zu Ehren benannt wurde, war ein Meteorit. Als 1998 ein 300 kg schwerer Meteorit in Turkmenistan einschlug, gaben die einheimischen Wissenschaftler auch dieser dicken zerstörerischen Masse den Namen Turkmenbashi. Welchen denn sonst?
Außerdem erklärte Hobby-Schriftsteller Nijasow auch, dass sein (einziges) Buch „Ruhnama“ heilig sei und in Moscheen den gleichen Status wie der Koran erhält. Alle Arbeitnehmer mussten dieses Buch auswendig lernen, um ihren Arbeitsplatz zu behalten – und man bekam auch keinen Führerschein, wenn man sein Buch nicht auswendig aufsagen konnte.
Da versteht es sich fast von selbst, dass auch alle turkmenischen Geldscheine sein Bild zeigen mussten, denn sowas kann man dort machen – schließlich ist Turkmenistan (nach wie vor) ein Einparteienstaat ohne jegliche politische Opposition. Oder wie es Nijasow selbst einmal formulierte: „Bei uns gibt es ja gar keine Oppositionsparteien – wie sollen wir ihnen da die Freiheit gewähren?
Adolf Hitler
Dieser Österreicher gilt nach wie vor als der weltweit bekannteste Deutsche, denn er war nicht erst seit Chaplins Film das Paradebeispiel eines „großen Diktators“ – weshalb er in dieser Auflistung natürlich nicht fehlen darf. Eines der bezeichnendsten Beispiele für die große Eigenliebe Hitlers findet sich schon in den 1930er Jahren, als er die christlichen Kreuze an den Wänden der örtlichen katholischen Schulen durch Porträts von ihm selbst ersetzen ließ.
Nachdem Hitler somit (im übertragenen Sinne) Gott ersetzt hatte, beschloss er, noch einen Schritt weiter zu gehen. Aber da es keine Option gab, Gott tatsächlich vom Himmel zu holen, beschloss er, das Nächstbeste zu entfernen: den Papst. Hitler wollte den Papst allerdings nicht nur aus Eitelkeit abschaffen, sondern weil Pius XII. ab 1943 damit begann, die eklatanten Menschenrechtsverletzungen der Nazis öffentlich anzuprangern. Was in Deutschland damals nicht so gut ankam. Also holte Hitler den SS-General Karl Wolff in sein Büro und befahl ihm, mit seinen Truppen so schnell wie möglich die Vatikanstadt zu besetzen, alle Akten und Kunstschätze zu sichern und den Papst und die Kurie in den Norden zu bringen. Doch der daraufhin ausgeheckte Angriffsplan misslang – und nach Meinung vieler Historiker hätte der Tod des Papstes auch keinen nennenswerten Einfluss auf die weitere Weltgeschichte gehabt.
Hitlers große Verbrechen an der Menschheit sind insbesondere hierzulande hinlänglich bekannt, aber wusstest Du schon, dass es keine einzige (absichtlich gemachte) Tonaufzeichnung von Hitler gibt, bei der er in einem ganz normalen (inoffiziellen) Ton spricht? Denn das wollte Adolf genau so – daher existieren (fast) nur Aufnahmen von seinen einstudierten Reden für die fanatisierte Öffentlichkeit.
Der einzige bekannte inoffizielle Audio-Mitschnitt von Hitlers normaler Sprechstimme ist die sogenannte „Mannerheim-Aufnahme“, ein Gespräch zwischen Hitler und dem finnischem Oberbefehlshaber Carl Gustaf Emil Mannerheim, das von einem finnischen Toningenieur heimlich mitgeschnitten wurde. Nach elf Minuten stellten Hitlers SS-Wachen allerdings fest, dass die Stimme des „Führers“ aufgezeichnet wurde und sorgten mit Nachdruck dafür, dass die Aufnahme gestoppt wurde. Man einigte sich schließlich darauf, dass diese Aufzeichnung zwar weiterhin existieren durfte – aber nur in einem versiegelten Behälter, der niemals geöffnet werden sollte. Wobei „niemals“ natürlich relativ ist – die Tonaufzeichnung wurde schließlich in den frühen 1960er Jahren veröffentlicht.
Kim Jong-il
Kommen wir zu Kim Jong-il in Nordkorea. Er übernahm 1998 die Macht, als sein Vater Kim il-Sung starb. Während sein Volk unter den internationalen Wirtschaftssanktionen litt und sich teilweise zu Tode hungerte, lebte Kim ein Leben in Saus und Braus – mit einem riesigen Weinkeller und ständigen Sonderflügen nach und aus Japan, um die teuersten Sushi-Spezialitäten des Inselstaats direkt in Kims wachsenden Bauch zu bringen.
Es wurde auch berichtet, dass Kim rund 20 Millionen Dollar für den Import von 200 neuen Mercedes Benz-Luxuslimousinen ausgegeben hat, um seine große Lust auf teure Autos zu befriedigen. Aber nicht nur darauf hatte er große Lust. Kim reiste immer gerne mit seinem „Pleasure Squad“ umher – einer Gruppe schöner junger Frauen.
Kim Jong-il behauptete auch, er habe das „Gogigyeopbbang“ erfunden, was soviel wie „doppeltes Brot mit Fleisch“ bedeutet. Sprich: Kim hat höchstpersönlich den weltweit so beliebten Hamburger erfunden.
National gepriesen als „Schöpfer des Universums“ behauptete Kim außerdem immer wieder, Nordkorea sei die demokratischste, freieste und angesehenste Nation der Welt. Als Beweis ließ er extra eine glitzernde Stadt direkt an der Grenze zu Südkorea bauen, um Südkoreaner zum Überlaufen zu verleiten.
Doch manchmal holte er sich auch einfach die Südkoreaner, die er gerade brauchte. So ließ er zum Beispiel zwei südkoreanische Regisseure entführen, um Nordkoreas Filmindustrie anzukurbeln, indem er sie zwang, ein nordkoreanisches Remake von Godzilla zu drehen – nur eben „auf kommunistisch“.
Er behauptete auch immer wieder, Nordkorea sei ein Paradies, wo niemand jemals Armut erlebt habe und wo jeder ein glückliches Leben führe. Im wirklichen Leben arbeiten aber fast alle Nordkoreaner in ihnen zugewiesenen Kollektivbetrieben und -farmen und haben kein besonders schönes Leben.
Die wohl bizarrsten Aspekte des Personenkults um den 2011 verstorbenen Führer sind aber die Überzeugungen, die durch seine offizielle Biografie in Nordkorea kursieren: Diesem Buch zufolge musste der fast schon heilige Kim Jong-il weder pinkeln noch kacken und hatte zudem die alleinige Macht, das Wetter zu kontrollieren. Echt irre!
Idi Amin
Berichten zufolge aß Idi Amin, der ehemalige Diktator von Uganda, das Fleisch seiner Feinde oder verfütterte sie (wenn sie zu unwürdig waren, von ihm selbst verspeist zu werden) an Krokodile.
Außerdem ernannte er sich selbst zum „König von Schottland“ (eine völlig unbegründete Behauptung), zum „Präsident auf Lebenszeit“ sowie zum „Eroberer des britischen Empires“ – auch wenn er das britische Empire nie erobert hat.
Irgendwann war er aber auch mit diesen Titeln nicht mehr zufrieden, also änderte er seinen offiziellen Titel erneut. Und zwar in (sinngemäß übersetzt): „Seine Exzellenz, Präsident auf Lebenszeit, Feldmarschall Hāddsch Doktor Idi Amin Dada, Träger des Victoria-Kreuzes, des Ordens für hervorragende Dienste und des Militärkreuzes, Herr über alle Tiere der Erde und Fische der Meere und Eroberer des Britischen Empire in Afrika im Allgemeinen und Uganda im Besonderen“.
Idi Amin verbannte alle Asiaten aus Uganda, weil sich die Tochter einer bedeutenden asiatischen Familie geweigert hatte, sich seinem Harem anzuschließen und seine siebente Ehefrau zu werden, weshalb er weiterhin mit lediglich sechs Ehefrauen leben musste. Der Arme!
Zu Idi Amins mental fragwürdigem Vermächtnis gehört außerdem das Schreiben von Liebesbriefen an Queen Elisabeth, die er ebenfalls zu heiraten gedachte. Die Queen dachte allerdings anders darüber, und so musste auch dieser Diktator lernen, dass man selbst als Diktator nicht immer alles und jeden haben kann.
Zumindest, wenn man nicht im Land des Diktators lebt – denn dort ist man ganz schnell vogelfrei. Nach Schätzungen verschiedener Menschenrechtsorganisationen fielen 300.000 bis 400.000 Ugander Idi Amins blutiger Gewaltherrschaft zum Opfer.
Als echter Massenmörder war Idi Amin auch ein großer Fan von Adolf Hitler, dem er am Victoriasee ein großes Denkmal errichten wollte. Dass es nicht dazu kam, verdanken wir dem damaligen sowjetischen Botschafter Sacharow, der ihm diesen Quatsch (mit dem ganzen Gewicht der damals sehr mächtigen Sowjetunion) wieder ausredete.
Nachdem Idi Amin 1979 aus Uganda vertrieben worden war, starb er 2003 im Exil in Saudi-Arabien.
Nicolae Ceausescu
Nicolae Ceausescu war von 1965 bis 1989 Generalsekretär der Kommunistischen Partei Rumäniens. Und er war ganz offensichtlich kein Fan von Bescheidenheit. Er forderte, dass seine fast ungebildete Frau in die New Yorker Akademie der Wissenschaften und das Königliche Institut für Chemie aufgenommen wird und dass alle Wissenschaftler in Rumänien ihren Namen in ihren Forschungsarbeiten erwähnen müssen.
Er behauptete zudem, sein Sohn Nicu habe mehrere wissenschaftliche Bände über Kernphysik veröffentlicht, und wie andere größenwahnsinnige Diktatoren gab sich auch Ceausescu gerne Titel wie „Conducător“ („Führer“) oder „Geniul din Carpați“ („Das Genie der Karpaten“).
1974 schuf er eine Exekutivpräsidentschaft und ließ sich sogar ein klassisches Königszepter anfertigen, worüber sich der Künstler Salvador Dali später öffentlichkeitswirksam lustig machte.
Zu seinen größenwahnsinnigsten Taten gehört die Zerstörung von 19 Kirchen, sechs Synagogen und 30.000 Häusern, um für sich den größten Regierungspalast der Welt bauen zu lassen, der gleichzeitig auch das schwerste Bauwerk und das teuerste Verwaltungsgebäude der Erde ist. Dafür waren nur rund 700 Architekten nötig, die Kosten beliefen sich auf rund 10 Milliarden Dollar. Selbst nach seiner Fertigstellung (als das Gebäude der Sitz des rumänischen Parlaments wurde) nutzte man immer nur deutlich weniger als die Hälfte des gigantischen Gebäudekomplexes.
Ganz schnell dagegen wurde Ceausescu 1989 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und erschossen. Unmittelbar davor schrie er noch schnell „Tod den Verrätern, die Geschichte wird uns rächen!“, hatte mit dieser Prophezeiung aber bisher unrecht.
Mao Zedong
Manche mögen argumentieren, dass es noch verrücktere Diktatoren gibt, die man in diese Liste aufnehmen könnte, aber Maos Erbe umfasst so viele katastrophale politische Maßnahmen und bizarre Experimente mit Chinas Wirtschaft und Gesellschaft, dass er hier doch erwähnt werden muss.
Okay, Maos großes Ziel, mit dem „großen Sprung nach vorn“ das Land von einer unterentwickelte Agrargesellschaft in eine moderne industrielle Produktionswirtschaft umzuwandeln, war ja vielleicht noch ganz vernünftig. Ziemlich verrückt waren dann aber die Methoden, die er zur Bewältigung dieser Riesenaufgabe auswählte: Zunächst wollte er die „vier Plagen“ ausrotten – also Ratten, Mücken, Fliegen und Sperlinge. Ab 1958 beteiligte sich ganz China an der Jagd auf diese Tiere, in Folge hatte insbesondere die Tötung der Vögel schlimme Konsequenzen für das ökologische Gleichgewicht im Land.
Gleichzeitig holte Mao Millionen Bauern von ihren Feldern und beauftragte sie, auf ihren Höfen Stahl zu schmieden. Doch das war schlicht unmöglich und führte dazu, dass Ende der 1950er Jahre bis Anfang der 1960er Jahre über 40 Millionen Chinesen verhungerten.
Als ihm die politische Macht durch solche Fehlentscheidungen zu entgleiten drohte, leitete Mao die Kulturrevolution ein und eliminierte damit fast vollständig die intellektuelle Schicht des Landes. Überall in China wurden Universitäten geschlossen, und die Professoren und Studenten gingen aufs Land, um dort harte landwirtschaftliche Arbeit zu verrichten. Genial!
Laut Mao war das einzige Genie in ganz China Mao selbst. Der Führer rekrutierte schließlich sogar Chinas Jugend, um an seinen verrückten Plänen mitzuwirken, indem er die Roten Garden gründete und mit unverhältnismäßig hohen Machtbefugnissen ausstattete. Die indoktrinierten aber oft noch sehr unreifen Teenager waren damit ermächtigt, absolut rücksichtslos zu handeln und so ziemlich alles zu tun, was sie für richtig hielten, um die „bürgerlichen Elemente“ in Chinas Gesellschaft zu „korrigieren“.
So drangen die „Roten Garden“ immer wieder völlig willkürlich in die Häuser und Wohnungen zahlloser chinesischer Bürger ein und schlugen sie brutal zusammen, wenn sich in ihren privaten Räumlichkeiten auch nur eine Kleinigkeit aus dem Westen befand. Dagegen war die DDR ein echtes Paradies der Toleranz und Völkerverständigung.
Saddam Hussein
Auch der verstorbene irakische Staatschef Saddam Hussein glaubte, dass es sein „göttliches Schicksal“ sei, den „Irak auf unbestimmte Zeit zu regieren“. Auch Saddam installierte einen verrückten Personenkult um sich selbst, ab Mitte der 1980er Jahre wurde jegliche Kritik an ihm oder seinen Familienangehörigen strafrechtlich durch Sondergerichte verfolgt und streng verurteilt.
Zu den verrücktesten Geschichten über den irakischen Diktator, die seit seinem Tod im Jahr 2006 kursieren, gehört seine Entscheidung, sich große Mengen Blut abnehmen zu lassen, um damit den Koran abschreiben (lassen) zu können.
Den an diesem makabren Projekt Beteiligten zufolge ließ sich der irakische Führer über einen Zeitraum von zwei Jahren regelmäßig Blut abnehmen, und das Ergebnis sind 605 Seiten des heiligen islamischen Buches, die mit 27 Litern von Husseins Blut abgeschrieben wurden.
Ein weiterer bezeichnender Fund war Husseins Sammlung von Granatwerfern, Pistolen und Sturmgewehren aus reinem Gold. Man muss allerdings fairerweise einräumen: Es wurden keine Massenvernichtungswaffen gefunden, auch keine goldenen.
Rafael Trujillo
Rafael Trujillo war von 1930 bis 1938 und erneut von 1942 bis 1952 Diktator der Dominikanischen Republik. Der auch als „El Jefe“ (der Boss) Bezeichnete benannte unter anderem die Hauptstadt, Straßen, Brücken und Berge nach sich selbst.
Denn auch Trujillo war einer der vielen Diktatoren, die dachten, sie seien ein Gott. So ordnete er an, dass alle Kirchen ein Schild mit der Aufschrift „Gott im Himmel, Trujillo auf Erden“ aufstellen sollten.
Er organisierte eine 30 Millionen Dollar teure Veranstaltung namens „Messe des Friedens und der Brüderlichkeit der freien Welt“, bei der er seine Tochter zur Königin ernannte. Und seinen dreijährigen Sohn ernannte er zunächst zum Oberst und etwas später zum General seiner Landesstreitkräfte. Das ist mal ein echtes „Family-Business“!
Trujillo setzte sich auch energisch dafür ein, dass seine Frau den Nobelpreis für Literatur erhielt, obwohl sie Analphabetin war. Und er erließ ein Gesetz, das vorschrieb, dass auf allen Auto-Nummernschildern „Viva Trujillo“ stehen musste.
Nicht nur das ging vielen zu weit, weshalb Trujillo schließlich von einer Verschwörergruppe erschossen wurde, die mit ihrem Tyrannenmord das diktatorische Regime der damaligen DomRep jedoch nicht stürzen konnte.
Muammar Gaddafi
Muammar Gaddafi war bis 2011 der Diktator von Libyen, er übernahm 1969 durch eine Revolution die Macht. Nach drei Jahren mit dem Titel „Premierminister“ änderte er ihn in „Bruder, Führer und Wächter der Revolution“. Alle seine attraktiven Leibwächterinnen waren angeblich Jungfrauen, die er als seine hübschen Accessoires betrachtete.
Apropos Accessoires: Gaddafi hat wahrscheinlich den seltsamsten Modegeschmack von all den hier vorgestellten Diktatoren – so zum Beispiel, als er ein traditionelles islamisches Kleid zusammen mit einer Sonnenbrille trug. Er machte Osama bin Laden für den libyschen Bürgerkrieg von 2011 verantwortlich und behauptete auch einmal, dass er die USA erobert und wieder verlassen habe.
Außerdem verbannte er alle Italiener aus Libyen – und zwar als späte Rache für die Kolonisierung Libyens durch Italien während des Zweiten Weltkriegs. Er verachtete aber nicht nur Italien, sondern auch die Schweiz – also verfasste eine UNO-Resolution für die Auflösung der Schweiz. Was diese aber nicht dazu bewegte die Schweiz tatsächlich „aufzulösen“.
Apropos UNO: Gadaffi hielt auf einer UNO-Vollversammlung einmal eine zweistündige Rede, in der er seine Unterstützung für somalische Piraten zum Ausdruck brachte und behauptete, Israel sei für die Ermordung von JFK verantwortlich. Außerdem sei Barack Obama sein leiblicher Sohn, wovon dieser aber keine Ahnung hatte.
Yahya Jammeh
Yahya Jammeh war von 1994 bis 2017 der Diktator von Gambia und behauptet, über starke mystische Kräfte zu verfügen. Andere „Hexer“ durfte es neben ihm natürlich nicht geben, weshalb der Diktator die ihm loyalen „Green Boys“-Banden unterstützte, die über 1000 Gambier wegen „Hexerei“ verschleppten, folterten und teilweise auch töteten. Und „natürlich“ hasst Jammeh auch Homosexuelle (wie so ziemlich jeder afrikanische Führer), doch seine homophobe Rhetorik toppt dann doch so ziemlich jede andere.
Tatsächlich waren Gambias schwulenfeindliche Gesetze besonders streng. Jammeh erklärte im eigenen Staatsfernsehen, er würde in Gambia aufgegriffene Homosexuelle kurzerhand enthaupten, denn „Homosexualität richtet sich gegen Gott, gegen die Menschen und gegen die Zivilisation. Deshalb sind Homosexuelle in Gambia nicht willkommen!“
Und so „verschwanden“ in Gambia während seiner Diktatur immer wieder zahlreiche Homosexuelle, politische Gegner, kritische Journalisten oder Menschenrechtler überraschend „spurlos“.
Was US-Präsident Barak Obama aber nicht davon abhielt, sich mit Jammeh ganz offiziell zu treffen.Vielleicht wollte Obama ja die innovativen Behandlungsmethoden des Staatsoberhaupts erfahren, schließlich behauptete Jammeh (in einem BBC-Interview): „Ich kann Asthma und HIV/AIDS heilen. Innerhalb von drei Tagen kann die Person dann erneut getestet werden – und ich kann Ihnen sagen, dass sie dann gesund sein wird.“
Natürlich konnte Obama keine neuen medizinischen Erkenntnisse nach seinem Treffen mit Jammeh mitnehmen, aber Jammeh erhielt auch keinen „Platinum Award“ von Obama, obwohl er genau das in Gambia medial verbreiten ließ. Schließlich gilt: Ehre, wem Ehre gebührt. Jammahs offizieller Titel lautete demzufolge auch: „Seine Exzellenz Scheich Professor Alhaji Dr. Yahya Abdul-Azziz Jemus Junkung Jammeh Naasiru Deen“.
Und „Seine Exzellenz“ behauptet nach wie vor, ein Heilmittel gegen AIDS/HIV entdeckt zu haben – und dass Gambia früher das mit Abstand größte Land Afrikas war: „Gambia war eines der ältesten und größten Länder Afrikas, das von der britischen Regierung, die all unser Land an die Franzosen verkaufte, zu einer kleinen Schlange degradiert wurde.“
Hm, offensichtlich wurde hier auch ein afrikanischer Diktatorenverstand ganz mächtig degradiert…
Francisco Macias Nguema
Francisco Macias Nguema war von 1968 bis 1979 Präsident von Äquatorialguinea. Er ließ Krankenhäuser schließen, um seine Vorfahren (die Medizinmänner) zu retten und verbot das Wort „intellektuell“ ebensowie das Fischen. Er änderte das nationale Motto in „Es gibt keinen anderen Gott als Macias Nguema“ und tötete kurzerhand den Chef der Nationalbank. Anschließend versteckte er das gesamte Geld der Staatskasse bar in seinem Haus.
Als Äquatorialguinea dann fast völlig bankrott war, verpflichtete er die gesamte Bevölkerung des Landes per Gesetz zu landwirtschaftlicher Zwangsarbeit – auch, um die 60.000 zuvor vertriebenen Plantagenarbeiter aus Nigeria zu ersetzen.
Trotz seines Ehrentitels „El Gran Maestro de Educación Popular, Ciencia y Cultura Tradicional“ (sinngemäß: Großmeister der Volksbildung, Wissenschaft und traditionellen Kultur) wurden während seiner Regierungszeit sämtliche Schulen des Landes geschlossen.
Zu Weihnachten 1975 befahl er sogar, 150 politische Gegner auf einem Fußballfeld zur Melodie von „Those Were The Days“ hinzurichten – tatsächlich soll Nguema ganze zwei Drittel des ehemaligen Parlaments und zehn ehemalige Minister seines Landes umgebracht haben, um die eigene Macht zu sichern. Da war wohl einer ein echter Stalin-Fan und -Kenner am Werk!
Nguemas Schreckens- und Wahnsinnsherrschaft endete erst, als er selbst „101 mal“ durch ein Erschießungskommando hingerichtet und durch einen etwas weniger wahnsinnigen Diktator ersetzt wurde: Seinen Neffen Teodoro Obiang Nguema, dem jetzigen Diktator von Äquatorialguinea.
Auch dieser Job blieb also in der Familie…
Francois Duvalier
Francois „Papa Doc“ Duvalier war von 1957 bis 1971 Diktator von Haiti und „Präsident auf Lebenszeit“. Als er einmal einen Herzinfarkt hatte, ernannte er Clement Barbot, den Anführer der paramilitärischen Gruppe „Tonton Macoutes“ (für die Dauer seiner Genesung) zum amtierenden Präsidenten.
Nach seiner Genesung beschuldigte er Barbot dann, ihm die präsidiale Macht entreißen zu wollen, und als Barbot daraufhin tatsächlich versuchte, Duvalier durch einen Putsch zu stürzen, befahl Duvalier eine großangelegte Fahndung nach Barbot. Weil die Polizei ihn aber nicht finden konnte, glaubte Duvalier schließlich, Barbot hätte sich irgendwie in einen schwarzen Hund verwandelt – also befahl er die Tötung aller schwarzen Hunde auf Haiti. Als Barbot schließlich doch noch (in menschlicher Form) gefasst und hingerichtet wurde, behielt Duvalier dessen Kopf für seine Voodoo-Experimente.
Für 1961 kündigte Duvalier „freie Wahlen“ an und erhielt prompt 100 % der abgegebenen Stimmen. Außerdem ließ er „seine“ Haitianer jeden Tag ein Gebet sprechen, das ungefähr so lautet: „Unser Doc, der du lebenslang im Nationalpalast bist, geheiligt durch Deinen Namen für die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen. Sie werden in Port-au-Prince getötet werden, wie in den Provinzen. Gib uns heute unser neues Haiti und vergib nicht die Verfehlungen jener Antipatrioten, die täglich auf unser Land spucken“.
Last, but not least erklärte Duvalier einmal öffentlich, er selbst habe Lee Harvey Oswald mit Voodoo-Techniken dazu gebracht, JFK zu erschießen. Ja, nee – is klar…
Mobutu Sese Seko
Mobutu war von 1965 bis 1997 Präsident von Zaire (heute: Demokratische Republik Kongo), er kam durch einen Putsch an die Macht, und anders als die bisherigen Politiker des Landes fand er seine Machtbasis nicht in einer Partei oder einer Ethnie (also in irgendeiner Weise dem „Volk“), sondern allein in dem von ihm kontrollierten Militär. Und natürlich in seinem großen Verbündeten, den USA.
Ab 1972 nannte sich Mobutu selbst „Mobutu Sese Seko Kuku Ngbendu wa za Banga“ um und verlangte auch vom Rest des Landes, ihn so zu nennen. Dieser Name (wörtlich übersetzt in etwa „Der Hahn Mobutu, der von Eroberung zu Eroberung schreitet, ohne Angst zu haben“) lässt sich sowohl als „Der allmächtige Krieger Mobutu, der wegen seiner Ausdauer und seinem unbeirrbaren Willen von Sieg zu Sieg geht und Feuer hinter sich zurücklässt“ als auch mit „Der mächtige Hahn Mobutu, der keine Henne unbestiegen lässt“ interpretieren, wobei „Hahn“ im übertragenen Sinn auch als „Krieger“ gelesen werden kann.
Seko erließ auch ein Gesetz, wonach das Fernsehen in Zaire niemand außer ihm selbst namentlich erwähnen darf. Und natürlich verbot er alle Hüte mit Leopardenmuster – von seinen eigenen natürlich ganz abgesehen. Außerdem befahl er, dass alle Abendnachrichten mit einer ganz bestimmten Szene beginnen sollten, in der er gottesgleich vom Himmel herabsteigt.
Mobutu wählte aber nicht nur viele beeindruckende Namen für sich selbst, er sperrte eine zeitlang auch jeden Menschen ein, der keinen afrikanischen Namen hatte.
Was für ein verrückter Diktatoren-Scheiß!



