Die Bilderberg-Gruppe ist ein öffentlichkeitsscheuer Zirkel, der seit 1954 die gesellschaftlichen Top-Eliten aus Europa und den USA zusammenbringt – Wirtschaftsbosse und Strategen treffen hier auf handverlesene Politiker und Journalisten. Am letzten Mai-Wochenende fand in Kopenhagen das diesjährige Bilderberg-Treffen statt und einige wenige Einzelheiten wurden bekannt.

Es gibt wenige verlässliche Informationen über die Konferenz, was wohl auch der Grund dafür ist, dass sie es zur Königin der Verschwörungstheorien gebracht hat. Bilderberg als geheime Weltregierung oder als deren Vorstufe, Bilderberg als Elitenklub, der die Weltbevölkerung „versklavt“ – diese und andere wilde Spekulationen findet man in den Verschwörungsecken des Internets. Weniger aufgeregt klingt ein Politikwissenschaftler, der sich mit der Bedeutung der Konferenz für die Entstehung einer „transatlantischen herrschenden Klasse“ beschäftigt hat: Kees van der Pijl, Professor für internationale Beziehungen an der University of Sussex. „Bilderberg ist keine Verschwörung“, sagt er, „sondern einer von mehreren Orten, an dem Konflikte innerhalb der herrschenden Klassen zur Sprache kommen. Ziel ist es, einen – wenn auch nur temporären – Konsens herzustellen.“ Auch das wäre allerdings alles andere als irrelevant für die Weltpolitik. Umso verstörender ist es, dass sich die etablierten Medien über die Konferenz mehr oder weniger ausschweigen. So kommt im gesamten Spiegel-Archiv die Bilderberg-Konferenz genau vier Mal vor: zweimal in Nebensätzen als „vornehmster Debattierklub der Welt“ (1987 und 1988), einmal als kurze Personalie über Alt-Bundespräsident Walter Scheel, als er Präsident der Konferenz wurde (1980) und einmal (sogar mit Bilderseite) in einem kurzen Bericht über die Konferenz 2014 in Kopenhagen. Die Wirtschaftswoche beleuchtete die Bilderberg-Konferenz ein einziges Mal kurz in einer Riege anderer mehr oder weniger exklusiver Treffpunkte der Mächtigen.