Lange Zeit vertraten Wissenschaftler die Ansicht, dass die so genannten Phyto-Cannabinoide, also die pflanzlichen Cannabiswirkstoffe, ausschließlich in den Cannabis-Arten zu finden seien. Erst seit vergleichsweise wenigen Jahren wissen wir, dass diese Moleküle auch in anderen Gewächsen bzw. Pflanzenprodukten existieren, zum Beispiel im Rotwein und in der Schokolade – und dass sie sogar im Körperhaushalt der höheren Tiere und dem des Menschen produziert werden, weil sie dort für lebenswichtige Funktionen benötigt werden, beispielsweise für die Regulierung des Schlafbedürfnisses, des Hungers, des sexuellen Antriebs und so weiter. Heutzutage weiß man allerdings einiges mehr. Nämlich, dass Cannabinoide nicht nur jene Wirkstoffe sind, die wir aus der Hanfpflanze kennen – THC und CBD wären unter anderem solche.

Heute wissen wir, dass auch lange bekannte Substanzen, wie zum Beispiel das beta-Caryophyllen, Agonisten der Cannabinoidrezeptoren sind und damit zu den Cannabinoiden oder Cannabinoid-Analoga gehören. Der österreichische Wissenschaftler Dr. Peter Rausch hatte im letzten Jahr auf der Hanfmesse Cultiva im Wiener Stadtteil Vösendorf einen Vortrag gehalten, in dem er auf eben jene pflanzlichen Cannabinoide einging, die wir in der Natur finden und die bislang nicht mit der Hanfpflanze assoziiert wurden. Diese Stoffe schauen wir uns nun kurz an – in wenigen Monaten wird Dr. Rausch ein entsprechendes Buch vorlegen, das den Sachverhalt um die im Folgenden dargestellten Cannabinoide aufs Genaueste unter die Lupe nehmen wird. Was sind das nun für Pflanzen, in denen Cannabiswirkstoffe vorkommen? Die meisten Leser werden es nicht glauben – es sind unter anderem so bekannte und viel genutzte Gewächse wie Rosmarin, Basilikum, Oregano, Zimt, Nelken, Pfeffer und Kümmel, die das beta-Caryophyllen enthalten, was wiederum mit den Cannabinoidrezeptoren im menschlichen und tierischen Körper interagiert. Man könnte sagen, Cannabinoide kommen in den gängigen Gewürzen für eine zünftige Runde bei Kaffee und Kuchen vor. Doch damit bei Weitem nicht genug. Auch Pflanzen wie die Magnolie, der Sonnenhut Echinacea, Strohblumen der Gattung Helichrysum, der Flachs und viele weitere (wie wir weiter unten sehen werden) enthalten Cannabiswirkstoffe, die mit unseren endogenen (= körpereigenen) Schaltstellen des Zentralnervensystems in Verbindung stehen.