Lange mussten die Fans von Zwille warten, bis sich dessen Schöpfer Gerhard Seyfried entschloss, mal wieder ein Comic mit dieser Figur zu zeichnen. Nun ist die Zeit des Wartens vorbei, das neue Werk wurde sogar nach dieser kultigen Comicfigur benannt und ist mittlerweile überall für 16 Euro erhältlich. Allen Freunden cool-kultivierter Bildergeschichten bietet “Zwille” eine lustige und zeitgemäße Story, deren einziges Manko ist, dass sie mit 45 (Comic)Seiten im Vergleich zu früheren Werken etwas kürzer daherkommt.  An den Umfang von “Das schwarze Imperium” (75 Seiten) oder “Flucht aus Berlin” (59 Seiten) kommt “Zwille” hier zwar nicht ran – wohl aber an das satirische Humor-Niveau dieser Veröffentlichungen, auf die auch im neuen Werk so manche Referenz verweist.

Zum Inhalt (Achtung – SPOILER-Alarm!): Zwille, als Comicfigur schon lange arbeitslos, wohnt mit Freund McÖko im letzten besetzten Haus im fast total gentrifizierten Berlin-Kreuzberg. Als dieses von der Polizei geräumt wird, sind sie auch noch obdachlos. Seyfretti, der in Italien den letzten freien Comic-Verlag FUMETTI SEYFRETTI führt, möchte Zwille als Hauptfigur für seinen neuen Comic casten. Doch die GNA (die “Graphic Novel Authority”, die 99% des Comic-Marktes beherrscht), will das verhindern. Sie unterstützt Senator Schmarotzke, der im Wahlkampf die Gentrifizierung als Wohltat für ganz Berlin verkaufen will. So beginnt das spannendes Großstadt-Abenteuer, welches bis zur letzten Seite zu fesseln versteht.

Hinter dem Herausgeber FIFTY-FIFTY steckt übrigens der in der deutschen Hanfszene nicht unbekannte Mathias Bröckers, der das großformatige Hardcover-Buch in Vertriebskooperation mit dem Westend Verlag veröffentlichte. Da verwundert es nicht, dass Bröckers für “Zwille” auch ein paar Seiten Text (“Von Fumetti zu Confetti – das schwarze Imperium des Gerhard Seyfried) beisteuerte – zumal er mit Seyfried schon lange befreundet ist.

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Seyfried-Comics mussten wir dem kultigen Berliner Zeichner natürlich auch noch ein paar Fragen zu seinem neuen Werk stellen.