Was ist bloß los in unserer Welt? Die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte, als der Ostblock sich öffnete, der kalte Krieg beendet wurde und Mauern fielen, scheinen vergessen. Die Kinder der friedlichen Revolution sehnen sich wieder nach einer führenden Hand, nach Ordnung und dem Schutz von Mauern und Zäunen. Sie scheinen die Errungenschaften eines geeinten und friedlichen Europas nicht sonderlich zu schätzen. Einhundert Jahre nach der Oktoberrevolution und nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland scheinen andere Werte als Freiheit, Selbstbestimmung und Solidarität wichtig zu sein. Rennen wir sehenden Auges zurück in dunkle Zeiten?

Despoten und Supermachos regieren die Welt im 21. Jahrhundert. Während sich alle am Supernarzissten, US-Präsident Trump und seinem super Ego, abarbeiten, oder den Obermacho aus Russland für alles Übel der Welt verantwortlich machen wollen, rückt auch andernorts die Welt weiter nach Rechts, wird Nationalstolz gefeiert – oft als Abgrenzung gegen alle, die man eben nicht als Mitglied der eigenen Nation verstehen will. Das Gegenkonzept zur Globalisierung ist der wiedererwachte Traum vom abgegrenzten Nationalstaat. Ob „Make America Great Again“ oder Politik fürs eigene Volk (statt die Bevölkerung): Der Supermacho lebt.

Leider müssen wir nicht bis in die USA schauen, um Demokratieabbau und Populismus zu erleben. Viele Länder des ehemaligen Ostblocks sind auf dem Weg zu Autokratien oder mitten drin – und auch mit dem westlichen Liberalismus ist es nicht mehr weit her, wenn wir nach Österreich, in die Niederlande oder eben auch nach Deutschland schauen. Mit platten populistischen Parolen sind recht fragwürdige Politiker in die Parlamente Europas eingezogen – oder regieren gar. Und ja, es sind zumeist Männer, die diesen neuen Politikertypus verkörpern: Jung, superkonservativ und ohne Haltung. Der Sittenverfall geht nämlich dann weiter, wenn sich Konservative im schlimmsten Fall mit populistischen Parolen und unterstützt von rechtsradikalen Kräften und Rassisten an die Macht hieven lassen, natürlich immer mit dem Verweis, diese dann im Zaum zu halten. Wie man sich diesbezüglich schon mal mächtig geirrt hat, zeigen nicht zuletzt die deutschen Geschichtsbücher. Da will man als politisch denkender Mensch manchmal einfach nur noch davonlaufen. Aber wohin eigentlich? Die Welt wird mit jedem Tag kleiner und man muss schon in Neuseeland oder auf einer Südseeinsel leben, um vielleicht all das nicht an sich ran zu lassen.