Im  Handywahn

 

Seit einiger Zeit sitzen bei mir im Kabarett immer öfter im Zuschauerraum Drogenabhängige, die während des Programms ihre Droge konsumieren. Ich meine jetzt nicht in der Pause die zehn Glas Bier oder Wein, denn das ist ja kein Suchtverhalten, das ist Brauchtum. Da steht dieser Arsch auf der Bühne, erzählt die Geschichte vom Pferd, und damit das besser ins Hirn flutscht, muss man schon mal die grauen Zellen etwas einschmieren. Das ist wie bei einem Auto: Bevor der Motor zu stottern anfängt, muss man ein paar Liter tanken.

Nein, ich rede von richtigen Junkies, die mir eben nicht mehr zuhören, sondern die sind so süchtig, dass sie während des Programms, im Zuschauerraum heimlich ihre Droge konsumieren, um sich dann unbemerkt mitten unter uns einfach weg zu beamen. Also ich rede jetzt nicht von Drogen wie Haschisch oder Gras. Den Duft würden wir ja riechen. Und das wäre auch jedem Kiffer bewusst. Und deswegen tun das Kiffer ja auch nicht. Wir haben es seit einiger Zeit in Kabarettzuschauerräumen mit einer anderen Droge zu tun, Ihr ahnt längst, worum es geht. Richtig, das Handy.

Es gibt inzwischen im Kabarett eine regelrechte Handysucht zu beobachten. Und das ist etwas, das gab es vor rund 20 Jahren definitiv so noch nicht. Weil 1997, als ich anfing Kabarett zu machen, da war das Handy grade erst erfunden worden. Und damit konnte man richtig irre Dinge machen. Zum Beispiel: Telefonieren. Ja. Telefonieren. Wahnsinn, oder? Aber nur 5 Minuten. Dann wurde das Ohr heiß.

Ja, denn wisst Ihr noch, wie das erste Handy damals aussah: so schwarz und klobig? Bei den ersten Handynutzern dachte man, da hält sich jemand ein Stück Brikett ans Ohr. Und der dachte sich: Ah, deswegen wird mein Ohr wohl heiß.