Er hat es also wirklich getan. Sein sensationelles Wahlversprechen eingelöst und Cannabis in Kanada legalisiert. Damit hat Justin Trudeau, der liberale Premierminister des Landes, etwas Historisches, gar Revolutionäres vollzogen, denn das riesige Flächenland ist die erste Industrienation, der erste G7-Staat weltweit, der diesen epochalen Schritt gewagt hat. Und dafür sogar in Kauf genommen hat, gegen internationale Abkommen zu verstoßen, und das gleich in dreifacher Weise. Doch bei jemandem, der bei einer Feier direkt nach seiner Wahl als frisch gebackener Premierminister mit seinen Freunden nicht nur darauf anstößt, sondern auch noch mit Cannabis „anraucht“ und diese Tatsache völlig ungeniert öffentlich bekannt macht, verwundert es nicht, dass er wild entschlossen ist, sein Vorhaben gegen jegliche Widerstände durchzusetzen. Ein Hoch auf Justin Trudeau!

Gut, es hat ein Weilchen gedauert, bis die Legalisierung von Cannabis in die Tat umgesetzt werden konnte – 2015 war Trudeau zum Premier gewählt worden, am 20. Juni 2018 segnete der kanadische Senat die Gesetzesvorlage C-45 (auch als „Cannabis Act“ bezeichnet) ab und machte damit endgültig den Weg frei für die Legalisierung, die dann am 17. Oktober in Kraft trat. Doch eine solch umwälzende, vielschichtige politische und gesellschaftliche Veränderung braucht nun einmal ihre Zeit und muss gründlich vorbereitet werden. Zumal die Legalisierung im Bundesstaat Kanada nicht landesweit einheitlich umgesetzt wurde, sondern je nach Provinz eine unterschiedliche Ausprägung erfahren hat. Die 10 kanadischen Provinzen genießen per Verfassung ein hohes Maß an Selbstständigkeit und können vieles in Eigenregie regeln, weitgehend unabhängig von der kanadischen Bundesregierung. Diese stark ausgeprägte Autonomie der Provinzen hat kulturell damit zu tun, dass Kanada ein Melting Pot, ein selbst ernannter „moderner Flickenteppich der Kulturen“ ist, ein Land, in dem Volksgruppen höchst unterschiedlicher Abstammung zusammenleben, wie z. B. Ureinwohner, Europäer oder Asiaten. Neben den 10 Provinzen gibt es noch 3 sogenannte Territorien, welche diejenigen Teile des kanadischen Bundesstaates umfassen, die zu keiner der Provinzen gehören. Diese Territorien verfügen über ein geringeres Maß an Autonomie als die Provinzen.