Innerhalb der breit gefächerten Gruppe der psychoaktiven Kakteen gehört der Peyote – gemeinsam mit San Pedro – zu jenen Spezies, die ethnobotanisch zweifelsohne sehr relevant sind. Der in seinem Fleisch vorkommende Wirkstoff Meskalin ist in Deutschland zwar dem BtMG unterstellt, der Kaktus selbst ist jedoch legal und befindet sich häufig sogar im Sortiment von konventionellen Sukkulenten-Händlern.

In Nordamerika gilt der Peyote seit präkolumbianischen Zeiten als entheogenes Sakrament und wird als solches einerseits als soziale und spirituelle Ritual-Droge eingesetzt, daneben ist der kugelförmige Kaktus bei einigen Ethnien auch von medizinischer Relevanz – nicht selten gestaltet sich der Übergang zwischen diesen beiden Aspekten fließend. Am besten dokumentiert ist der rituelle Gebrauch von den nordmexikanischen Volksgruppen der Huicholen und Tarahumara, daneben ist er von den Cheyenne, Chippewa, Comanche, Delaware, Mescalero, Navajo, Omaha, Pawnee, Ponca und Sioux bekannt. Während die Tarahumara den Kaktus einstmals noch in ihrer Heimat sammelten – der Peyote-Kult ist dort in den letzten Jahren stark rückläufig – , gehen die Huicholen traditionell einmal im Jahr auf große Pilgerreise, um den begehrten Peyote (Hikuri) zu sammeln, oder wie sie selbst sagen, um ihn zu jagen. Schließlich steht der Kaktus in der rituellen Symbolik für den „blauen Hirsch der Schöpfung“, der nicht einfach gesammelt werden darf, sondern mit kleinem Pfeil und Bogen erlegt werden muss. Dazu schießen die Peyote-Jäger einen Pfeil dicht neben der Pflanze in den Boden. Erst danach, und nachdem sich alle Ritualteilnehmer einer gründlichen Reinigung unterzogen haben, wird gemeinsam das erjagte „Fleisch“ verköstigt. Im Anschluss offenbaren sich den Teilnehmern vielfach tiefe Einblicke in die Wesenheiten und Geheimnisse des Lebens, einhergehend mit einer starken Erweiterung sämtlicher Sinnesfähigkeiten. In der indianischen Ethnomedizin wird der Kaktus beispielsweise als schmerzlindernder Breiumschlag bei Prellungen, Rheuma und Schnittwunden appliziert. Ein Dekokt aus dem Kaktus wird von traditionellen Heilern hingegen bei Asthma, Darmbeschwerden, Erkältung, Fieber und Lungenentzündung empfohlen. Ferner wird der Kaktus traditionell als Brechmittel, als Appetit- und Durstzügler, als Narkotikum sowie Mittel zur Alkoholentwöhnung eingesetzt.