Schon seit längerem erfreut sich das sogenannte Kambô-Ritual in der psychedelischen Bewegung einer stetig wachsenden Beliebtheit. Was genau es mit diesem Reinigungsritual auf sich hat und was die Teilnehmer an einer solchen Session konkret zu erwarten haben, erzählt uns der Buchautor und Kambô-Praktiker René Schliwinski.

Wie bist du darauf gekommen dich intensiver mit Kambô zu beschäftigen?

Kambô hat mich quasi gerufen. Ganz im Ernst. Aufgrund einer chronischen Erkrankung war ich selbst jahrelang auf der Suche nach Heilung. Und in diesem Zusammenhang wurde mir von Kambô erzählt. Das Thema hat mich zwar interessiert, jedoch anfänglich eher abgestoßen. Ich hatte wenig Interesse an unangenehmen Erfahrungen wie Übelkeit und Erbrechen. Zumindest war das mein negatives Bild, meine Angst und auch mein Vorurteil gegenüber Kambô. Es hat dann noch eine ganze Weile gedauert, bis ich mich durchringen konnte, eine erste Erfahrung damit zu wagen. Und Bäm! Die hat dann ganz schön eingeschlagen. Ich war echt überrascht, wie intensiv diese Medizin bei mir wirkt. Diese erste Session hat mich ziemlich durchgearbeitet – körperlich und auch emotional. Ich habe gekotzt, gezittert, geschwitzt, gefroren, geschrien und geheult. Während dieser ersten Sitzung hat mich sozusagen der Frosch geküsst und seitdem nicht mehr losgelassen. Ich wusste auf einmal: Damit möchte ich gerne weitermachen. Also habe ich angefangen mich eingehender mit dieser Medizin zu beschäftigen und meine Erfahrungen damit zu machen. Leider gab und gibt es kaum Literatur zu dem Thema. Alle Artikel, die ich nach flüchtiger Google-Suche im Internet fand, waren mehr oder weniger oberflächlich oder lückenhaft. Mir schien es so, als ob alle nur voneinander abschreiben. Keiner hatte wirklich tiefere Informationen dazu. Also beschloss ich, neben meinen eigenen regelmäßigen Experimenten, selbst zu recherchieren. Daraus ist dann später die Idee entstanden, ein kleines Buch zum Thema Kambô zu veröffentlichen.

Wo hat das Ritual seinen Ursprung bzw. von welchen indianischen Stämmen wurde es entwickelt?

Von einem bestimmten Ritual können wir eigentlich gar nicht sprechen. Es ist eher eine Methode, die der naturheilkundigen Volksmedizin der Amazonas-Indianer entstammt. Wer die konkrete Wirkung von Kambô und dessen Anwendung entdeckte, wissen wir auch nicht wirklich, da es keinerlei Belege dafür gibt. Allein in Brasilien soll es vor der Kolonialisierung über 50 Stämme gegeben haben, die diese Anwendung kannten.