Beim Terminus „Bewusstseinserweiterung“ denken die meisten Menschen fast automatisch an psychoaktive Drogen. Jedoch ist die Einnahme psychoaktiver Substanzen nur eine von vielen geistbewegenden Techniken, mit denen sich veränderte Bewusstseinszustände erleben lassen. Und da sie im Gegensatz zu den meisten psychoaktiven Substanzen nicht illegal sind, werden sie präferiert in therapeutischen Settings angewendet. Die Rede ist von den sogenannten nonpharmakologischen Techniken der Bewusstseinserweiterung, zu denen etwa bestimmte Atemtechniken, Meditation, Yoga, Klang, sensorische Reizdeprivation (z. B. Floating) sowie das aus dem Schamanismus bekannte Schwitzhüttenritual gezählt werden können.

High ohne Drogen

 

Dennoch ist es natürlich so, dass Drogen das zuverlässigste Mittel sind, wenn es darum geht, Rauschzustände inklusive einer Veränderung bzw. Erweiterung des Bewusstseins zu induzieren. Dass dem so ist, wussten beispielsweise schon die Schamanen der alten Kulturen, die seit Urzeiten bestimmte Psychoaktiva als wichtige Instrumente im Rahmen ihrer Heilungszeremonien einsetzen. Und zwar nicht als direkte Heilmittel, sondern vielmehr als indirekte, die nämlich dadurch, dass sie die Pforten der Wahrnehmung bzw. die Tore zum Unterbewusstsein öffnen und gegebenenfalls eine visionäre Schau einleiten, den Patienten den Ursprung bzw. die Quelle seiner Erkrankung erkennen lassen. Diese Quelle, der pathologische Ursprung, der immer feinstofflicher Natur ist und sich schließlich erst im Körper als Krankheit manifestiert, wird schließlich, unter Mitarbeit des Patienten, vom Schamanen behandelt. Aber wie gesagt: Halluzinogene oder empathogene Drogen wirken in diesem Zusammenhang nicht als direktes Heilmittel, sondern vielmehr als eine Art Katalysator, der einer Person den Zugang zu ihrem wahren Selbst bzw. zu tiefliegenden inneren Prozessen ermöglicht, wodurch dann schließlich ein richtiger Heilungsprozess und nicht bloß eine provisorische Symptomlinderung in Gang gesetzt wird.

Dass bestimmte Psychoaktiva über ein enormes tiefenpsychologisches Potenzial verfügen, wussten aber nicht nur die alten Schamanen, die übrigens auch zahlreiche andere Techniken der Bewusstseinserweiterung beherrschten. Auch experimentelle westliche Psychologen und Psychiater erkannten in den 1950er Jahren – einer Zeit, in der das Einheitsabkommen über Betäubungsmittel (Single Convention on Narcotic Drugs) noch nicht existierte – das therapeutische Potenzial diverser Psychoaktiva. Insbesondere jener, die den Gruppen der Psychedelika, den Dissoziativa sowie den Empathogenen zugeordnet werden. Substanzen also, die tiefgreifende Wahrnehmungsveränderungen bewirken, aber über kein substanzeigenes Abhängigkeitspotenzial verfügen. Und diese aufgeschlossenen Psychologen, Therapeuten und anderen Wissenschaftler waren es letztlich, die sich unter anderem vom traditionellen Schamanismus haben inspirieren lassen und anfingen, mit psychoaktiven Substanzen in therapeutischen Settings zu experimentieren. Heute werden diese Personen, zu deren ersten Generation beispielsweise Hans Carl Leuner (1919–1996), Peter Baumann (1935–2011), Humphry Osmond (1917–2004) sowie Stanislav Grof (*1931) gehören, als Pioniere der psycholytischen bzw. psychedelischen Psychotherapie bezeichnet. Der Unterschied zwischen der psycholytischen und der psychedelischen Psychotherapie ist der, dass bei der Psycholyse mit wiederholten Sitzungen gearbeitet wird, in welchen lediglich niedrige bis mittlere Substanzdosierungen verabreicht werden. Bei der psychedelischen Methode hingegen werden einmalig hohe Dosierungen gegeben. Substanzen, die anfänglich im Rahmen dieser Methoden bevorzugt genutzt wurden, waren die Tryptamine DMT, CZ-74, Psilocybin/Psilocin, 4-HO-DIPT, 5-MeO-DIPT, 5-MeO-DMT, das Beta-Carbolin Harmalin, das Ergolin LSD sowie die Phenethylamine Meskalin, 2C-B, 2C-E, MDMA, MDA, MDE, Methylon und TMA-2. Dies sind fast alles Substanzen, die heutzutage als nicht verkehrs- oder verschreibungsfähige Stoffe unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, wodurch letztlich jedwede therapeutische Nutzung oder gar wissenschaftliche Forschung mit diesen Substanzen bedauerlicherweise zum Erliegen gebracht bzw. in den wissenschaftlichen Untergrund verdrängt wurde. Aufgrund der rechtlichen Schwierigkeiten wird in psycholytisch-therapeutischen Settings heutzutage meist das psychedelisch-dissoziative Narkotikum Ketamin als LSD-Ersatz sowie das stimulierende Phenethylamin-Alkaloid Ephedrin als „herzöffnendes“ MDMA-Substitut verwendet. Beides sind Substanzen, die von Ärzten und zugelassenen Therapeuten auf legalem Wege bezogen werden können.

Okay, jetzt, wo geklärt ist, dass der Konsum psychoaktiver Drogen seit jeher eine herausragende Stellung als zuverlässig wirkende Technik zur therapeutischen Bewusstseinserweiterung einnimmt, ist es an der Zeit, andere etablierte Verfahren kennenzulernen. Techniken also, die in gleicher bzw. vergleichbarer Weise dazu geeignet sind, einen transformativ-erweiterten oder gar entheogenen Bewusstseinszustand zu induzieren, worunter in erster Linie ein solcher Zustand zu verstehen ist, der einen Menschen mit seiner ursprünglichen Schöpfungsquelle verbindet und ihn darüber hinaus übergeordnete Zusammenhänge erkennen und heilbringende Antworten finden lässt.

Hyperventilation

 

Nicht umsonst wird der Atem in psychotherapeutischen Kontexten oftmals als eine zentrale Schnittstelle zwischen Körper und Geist, Bewusstsein und Unbewusstsein sowie zwischen Verstand und Gefühl betrachtet. So verwundert es auch nicht, dass bestimmte Atemtechniken seit Langem als wirksame Mittel zur therapeutischen Bewusstseinserweiterung herangezogen werden, beispielsweise in Form von Pranayama, einer uralten Yoga-Tradition, die verschiedene Atemübungen umfasst, welche wiederum das Potenzial der physischen und psychischen Zusammenführung tragen. Die meisten Atemtechniken des Pranayama, etwa die Wechselatmung (Anuloma Pranayama) oder die sogenannte Blasebalgatmung (Bhastrika Pranayama), wirken harmonisierend auf die körpereigenen Regelmechanismen der endogenen Neurotransmitter. Doch neben dieser Vielzahl an Atemübungen, die vor allem aus den Bereichen Yoga und Meditation bekannt sind, gibt es eine Technik, die von ganz besonderer therapeutischer Relevanz zu sein scheint und auch außerhalb der Yogaschulen, wo man sie übrigens Kapalabhati nennt, angewendet wird. Die Rede ist von der gewollten Hyperventilation, die als nonpharmakologische Methode der transformativen Bewusstseinserweiterung vor allem in den Therapieformen des holotropen Atmens sowie in jener des sogenannten Rebirthing praktiziert wird. Beides sind Methoden, die mittels der transformativen Kraft außergewöhnlicher Bewusstseinszustände arbeiten, wobei es eines der zentralen Absichten ist, dass der Patient durch begleitete und zielgerichtete Rückführung in vergangene, teilweise auch vorgeburtliche Erlebnisrealitäten eintritt, wodurch ggf. vorhandene Traumata sichtbar gemacht, entsprechende Blockaden gelöst und psychosomatische Erkrankungen geheilt werden können.

 

Holotropes Atmen

 

Auch holotrope Atemarbeit genannt, ist eine in den 1970ern von dem aus Prag stammenden Psychiater Stanislav Grof entwickelte Atemtechnik, die bei korrekter Anwendung außergewöhnliche Bewusstseinszustände induziert und therapeutisch genutzt werden kann. Zentrale Elemente des holotropen Atmens sind gewollte Hyperventilation, evozierende, sprich wirkvolle Musik sowie Körperarbeit, beispielsweise in Form leichter Druckmassagen. Bei der Entwicklung des holotropen Atmens kombinierte Grof das Wissen alter spiritueller Systeme mit denen der modernen Bewusstseinsforschung sowie seinen eigenen Erkenntnissen aus jahrelanger akribischer LSD-Forschung. Anwender der holotropen Atemtechnik beschreiben, dass ihnen hierdurch Zugänge in bestimmte Bewusstseinsregionen geöffnet werden, die im Alltagsbewusstsein gewöhnlich fest verschlossen sind. Der von Grof eingeführte Terminus holotrop (griech. holos „ganz“, trepein „sich richten auf“) bezieht sich auf einen Bewusstseinszustand, der auf „Ganzheit“ ausgerichtet ist. Ein Zustand, der uns mit dem identifizieren lässt, was wir wirklich sind.

 

Rebirthing

 

Die Integrative Atemtherapie, auch als Rebirthing (Wiedergeburt) bezeichnet, ist eine zirkuläre, auf Ganzheitlichkeit ausgelegte Atemtechnik, die ähnlich der holotropen Atemarbeit als psychoaktives Instrumentarium die gewollte bzw. willkürliche Hyperventilation einsetzt. Angewendet wird diese Methode ausschließlich in therapeutischen Settings zum Zwecke der Selbsterfahrung. Entwickelt wurde Rebirthing in Folge langjähriger Atemforschung im Jahre 1974 von dem US-Amerikaner Leonard Orr (*1937).

Doch nun zurück zur gewollten Hyperventilation, die übrigens, sofern sie nicht willkürlich herbeigeführt wird, als ernstzunehmende Störung der Atemfunktion betrachtet wird. Definiert werden kann die Hyperventilation als eine ungewöhnlich stark beschleunigte und vertiefte Atmung, die meist pathologischer Natur ist, aber wie oben beschrieben, auch ganz bewusst herbeigeführt werden kann. Hyperventilation führt im Organismus zu einem erhöhten Ausstoß körpereigenen Kohlenstoffdioxids (CO2), woraus im Blut wiederum ein Ungleichgewicht zwischen Kohlensäure und Calcium folgt. Zudem verschiebt sich der Säure-Basen-Haushalt (pH-Wert) in Richtung basisch und es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung endogener Psychoaktiva, vor allem Endorphine und Dopamin. Interessant ist zudem die von J.C. Callaway aufgestellte und bisweilen auch von anderen Forschern unterstützte Hypothese, dass durch Hyperventilation der Spiegel des endogenen Dimethyltryptamin (DMT)-Haushalts erhöht wird, was schließlich auch die Erfahrungsintensität dieser Technik begründet. Der Mediziner Torsten Passie erklärt, dass Hyperventilation vermutlich deshalb von starker Psychoaktivität geprägt ist, weil sich die Durchblutung im Großhirn reduziert, während das limbische System, das diesbezüglich von keiner Unterversorgung betroffen ist, infolgedessen an Intensität gewinnt. Daneben kann heutzutage mittels Elektroenzephalografie, kurz EEG, sehr leicht festgestellt werden, dass bei hyperventilierenden Personen die Delta- und Theta-Gehirnwellen ansteigen. Gehirnwellen, die normalerweise nur im Schlaf oder in Zuständen tiefer Trance aktiviert sind.

Begleiterscheinungen des Hyperventilierens, die vor allem aufgrund eines vorübergehenden und relativen Calcium(ionen)-Mangels hervorgerufen werden, sind Kribbeln, Taubheitsgefühle und Muskelkrämpfe, besonders in der Mundregion, den Unterarmen sowie den Händen, wodurch schließlich auch die typische „Pfötchenstellung“ verursacht wird. Daneben kann es zu Zitteranfällen, Schwindelgefühlen, Muskelschmerzen sowie gelegentlich auch zu Kopfschmerzen, Sehstörungen sowie zu Benommenheit und Bewusstlosigkeit kommen. Letzteres jedoch vor allem dann, wenn unerfahrene Personen meist jugendlichen Alters versuchen, ohne einen reflektierten Hintergrund durch Hyperventilation eine spontane Rauscherfahrung zu induzieren.

Obwohl die Hyperventilation offensichtlich auch eine Vielzahl unangenehmer Nebenwirkungen birgt, hat sie den Vorteil, dass man diese Methode und folglich auch den herbeigeführten Bewusstseinszustand jederzeit abbrechen kann, was bekanntlich bei den pharmakologischen Psychotherapeutika nicht so einfach, sondern, wenn überhaupt, nur über die Verabreichung eines starken Gegenmittels möglich ist.

 

Safer Use-Regeln für die Hyperventilation

 

Damit unangenehme Risiken weitestgehend ausgeschlossen werden können, gibt es bei der Hyperventilation – genau wie bei allen anderen psychoaktiven Techniken – bestimmte Sicherheitsregeln, die grundsätzlich eingehalten werden sollten:

  • Niemals alleine, sondern immer nur in Anwesenheit eines Therapeuten hyperventilieren.
  • Anstelle eines ausgebildeten Therapeuten reicht oftmals auch eine Art Tripsitter, eine Person also, die sich mit Hyperventilation sowie außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen auskennt und in der Lage ist, den Hyperventilierenden zu navigieren, gegebenenfalls wieder zurückzuholen und im Notfall einen Arzt zu rufen.
  • Schwangere Frauen sowie Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, hohem Blutdruck, Epilepsie, Grünem Star, kürzlich erfolgten Operationen sowie psychiatrischen Erscheinungen, etwa Psychosen oder Suizidalität, sollten diese Technik nicht anwenden. Eine stabile physische und psychische Gesundheit sollte als zentrale Voraussetzung vorhanden sein.

 

Sensorische Reizdeprivation

 

Weiter geht’s mit der psychoaktiven Methode des Reizentzugs, auch sensorische Reizdeprivation genannt. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine uralte und aus vielen schamanischen Kulturen bekannte Technik, die auf nonpharmakologischem Wege eine Veränderung des Bewusstseins bewirkt. Es ist nämlich so, dass, wenn der Geist vollständig von Außenreizen abgeschirmt wird, sich relativ schnell ein veränderter Bewusstseinszustand einstellt, gegebenenfalls sogar mit Halluzinationen. Eine bekannte und vermutlich die natürlichste Form des Reizentzugs, die bereits in der Bibel erwähnt wurde, ist die Askese in den Weiten der Wüste. Eine andere Form ist die Isolation in unterirdischen Kammern und Höhlen, wie es etwa tibetische Mönche zeitweilig praktizieren, oder der sogenannte Isolations- bzw. Floating-Tank, wie er von John C. Lilly (1915–2001) entwickelt wurde. Wie bei anderen Methoden, die zur Bewusstseinsveränderung herangezogen werden, findet auch bei der Reizdeprivation ein Anstieg der Alpha-, Theta- und Delta-Gehirnwellen sowie eine verstärkte Ausschüttung körpereigener Psychedelika – Noradrenalin, Endorphine und Dopamin – statt.

 

Floating

 

Auch Schwebebad, Entspannungs-, Samadhi- oder Isolationstank genannt, ist die derzeit wohl verbreitetste Methode der sensorischen Reizdeprivation. Obwohl ursprünglich nur in psychonautischen Kreisen praktiziert, hat der Floating-Tank, der ursprünglich von dem US-amerikanischen Neurophysiologen, Delphinforscher und Psychonauten John C. Lilly entwickelt wurde, inzwischen auch Einzug in den klinischen Wellness-Sektor gehalten. Beim Floating-Tank handelt es sich um ein kleines (ca. 1,5 x 2,5 m) großes, mit ideal temperiertem Salzwasser (Magnesiumsulfat) gefülltes Becken, welches eine darin liegende Person vollständig von sämtlichen akustischen sowie optischen Reizen bzw. Signalen abschirmt. Durch den hohen Salzgehalt liegt der Körper zudem ohne Berührung der Wanne im Wasser, wodurch ein angenehmes Gefühl des Schwebens entsteht. Gefühle für die eigenen Körpergrenzen verschwinden dabei zur Gänze, weshalb eine Person im Floating-Tank nur mit seinem inneren Selbst konfrontiert ist. Dass es sich beim Floating-Tank um einen wirkstarken Auslöser für das Erfahren außergewöhnlicher Bewusstseinszustände handelt, wird am folgenden Zitat von Simon de la Luna aus den Cybertribe-Visionen deutlich: „Nach ca. dreißig Minuten floaten trete ich in eine assoziative Traumphase ein. Nach sechzig Minuten völlige Entspannung und Bilderfluss, bin Embryo im Mutterleib. Nach neunzig Minuten bin ich nur noch träumendes Bewusstsein, ohne Konzept von mir und meinem im Tank liegenden Körper… Ein wundervolles Medium, um das innere Universum zu erforschen.“

Neben der psychischen Wirkung, die durch Floating herbeigeführt wird, birgt ein Sole-Schwebebad darüber hinaus das Potenzial, positiv auf viele Krankheiten und körperliche Beschwerden einzuwirken. So werden durch die Aufhebung der Schwerkraft Gelenke und Muskulatur entlastet, wodurch beispielsweise rheumatische Beschwerden gelindert werden können. Darüber hinaus werden der hoch dosierten Magnesiumsulfatlösung positive Wirkeffekte auf die Haut zugesprochen, vor allem bei Neurodermitis. Es verwundert also nicht, dass die Floating-Methode sich inzwischen auch im Wellness- bzw. Gesundheitssektor großer Beliebtheit erfreut.

 

Safer Use-Regeln für das Floaten

 

Grundsätzlich ist das Floaten eine sehr risikoarme bzw. ungefährliche Technik. Dennoch gibt es auch hier bestimmte Sicherheitsregeln, die Anwender einhalten sollten, vor allem dann, wenn diese Technik mit der Einnahme dissoziativer Substanzen kombiniert wird.

  • Personen mit Hautverletzungen und offenen Wunden sollten nicht in den Tank. Das Salz würde unerträglich brennen.
  • Ebenso sollten Personen mit Platzangst, ansteckenden Krankheiten (Infekte, Fußpilz, Magen-Darm-Erkrankungen), hohem Blutdruck sowie psychischen Störungen den Isolationstank meiden.
  • Trotz der positiven Synergie, die von vielen Psychonauten beschrieben wird, sollte der Floating-Tank, wenn überhaupt, nur unter strengen Vorsichtsmaßnahmen mit der Einnahme dissoziativer Psychedelika (Ketamin u. a.) kombiniert werden. Am Beispiel D.M. Turner, der trotz langjähriger Erfahrung im Floating-Tank ungewollt gestorben ist, wird unmissverständlich klar, dass diese Kombination ein enorm hohes Gefahrenpotenzial birgt.

Zeremonielle Schwitzhütte

 

„Ich habe in Kolumbien einmal eine Schwitzhütte im Lakotastil erlebt, bei der vom Schamanen Yopo-Pulver als Räucherstoff auf die glühenden Steine gestreut wurde. Ich habe aber keine Ahnung, ob davon eine psychoaktive Wirkung ausging. Denn die Schwitzhüttenzeremonie ist an sich schon psychoaktiv. Vielleicht ist die rituelle Schwitzhütte die stärkste nonpharmakologische Methode zur Bewusstseinsveränderung oder -erweiterung“, so Christian Rätsch in Meine Erlebnisse mit Schamanenpflanzen.

Bei der zeremoniellen bzw. rituellen Schwitzhütte handelt es sich um ein uraltes, vermutlich aus der Altsteinzeit stammendes schamanisches Ritual, das bevorzugt zu Zwecken der inneren wie äußeren Reinigung, der Heilung, der Initiation, der Erdung, der Visionssuche sowie letztlich auch zur Herbeiführung außergewöhnlicher und transzendentaler Bewusstseinszustände herangezogen wird. Obschon die hierzulande angebotenen Rituale sich meist an der Tradition der nordamerikanischen Lakota-Indianer orientieren, kennen auch zahlreiche andere indigenen Völker vergleichbare Schwitzkulte. Auch unsere Vorfahren, die Kelten und Germanen, haben rituell geschwitzt. Bei der indianischen Schwitzhütte, die von den Lakotas auch Inipi („sie schwitzen“) genannt wird und die optisch sehr dem germanischen Steinschwitzbad ähnelt, handelt es sich von außen betrachtet um ein aus biegsamen Ästen errichtetes und mit schweren Decken abgedichtetes halbkugelförmiges Zelt. In dessen Zentrum befindet sich eine runde Kule, welche im Verlauf des Rituals mit glühenden Steinen gefüllt wird, die Temperaturen von über 100°C im Schwitzzelt entstehen lassen. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich jedoch um deutlich mehr als um ein Schwitzzelt. Eine Schwitzhütte ist ein mystischer bzw. sakraler Ort, wobei das Ritual letztlich als Wiedergeburtsritual verstanden werden kann. Denn symbolisch kehren die Ritualteilnehmer während der Zeremonie in den Urschoß von Mutter Erde (Schwitzhütte) zurück, um kurz darauf mit einem transformierten bzw. erweiterten Bewusstseinszustand wieder hervorzutreten. Während des Rituals kommt jede Person an eine bestimmte individuelle Grenze, an der sie nicht mehr kann und raus will, es zu heiß und zu eng wird, was ebenfalls Parallelen zum Geburtsprozess erkennen lässt. In Einzelfällen kann aufgrund der enormen (aber ungefährlichen) Hitze das Gefühl aufkommen, der physische Körper sei am verbrennen, worauf wiederum ganz unterschiedlich reagiert wird. Einige Personen bleiben dabei völlig ruhig, andere müssen weinen oder schreien und wieder andere fallen in tranceartige Bewusstseinszustände oder verlassen möglicherweise sogar vorübergehend ihren grobstofflichen Körper und erleben eine außerkörperliche Erfahrung. Die meisten Personen erfahren im Rahmen eines solchen Rituals jedoch den Kontakt zum „großen Geist“, der von den Lakotas „Wakan Tanka“ genannt wird. Obwohl selbstverständlich auch beim Schwitzhüttenritual psychoaktive Neurotransmitter freigesetzt werden, liegt die eigentliche Psychoaktivität jedoch im sogenannten Set begründet, also der persönlichen Erwartungs- und Geisteshaltung, die in das Ritual mit hineingebracht wird. Zudem kann spekuliert werden, dass der Körper in einer erhöhten Konzentration endogenes DMT freisetzt, denn es wird ihm durch die enorme Hitze ein Stück weit simuliert, dass er verbrennt bzw. dass er stirbt. Und nachweislich ist es beim Sterbevorgang ja so, dass der Körper eben solche Moleküle, die übrigens auch als „Spirit Moleküle“ bezeichnet werden, verstärkt ausschüttet. Ob dem auch im Kontext des Schwitzhüttenrituals so ist, kann nur spekuliert werden, weshalb diese Hypothese auch nicht überbewertet werden darf. Wissenschaftliche Studien auf diesem Gebiet gibt es bislang nicht. Würde sich die Vermutung der endogenen DMT-Ausschüttung aber letztlich als wahr behaupten, dann wäre sie höchstwahrscheinlich auch die endopharmakologische Begründung für viele Erfahrungen, die von den Schwitzhüttenritualteilnehmern beschrieben werden.

Ob es Sinn macht, das Schwitzhüttenritual mit psychedelisch wirksamen Substanzen zu kombinieren, muss jede Person für sich selbst entscheiden. Die Lakotas jedoch lehnen eine solche Kombination strikt ab, während es andere Ethnien anders handhaben. Unerfahrene Personen oder solche, die mit Platzangst oder Ähnlichem zu tun haben, sollten aber auf jeden Fall von der Kombi Schwitzhütte plus Drogen absehen. Für erfahrene Psychonauten mag die Kombination möglicherweise eine synergistisch sinn- bzw. reizvolle sein.

 

Safer Use-Regeln für das Schwitzhüttenritual

 

  • Auch diese Technik der nonpharmakologischen Bewusstseinserweiterung ist potenziell eine sehr ungefährliche Angelegenheit und kann prinzipiell von allen Leuten praktiziert werden, die auch eine konventionelle Sauna besuchen können.
  • Schamgefühle sind bei einem solchen Ritual absolut fehl am Platz.
  • •Personen mit Herz- und Kreislaufbeschwerden sollten die Teilnahme im Vorhinein mit ihrem Arzt absprechen.
  • Niemals in eine Schwitzhütte hineingehen, die zusätzlich zu den Decken mit Plastikfolie abgedichtet wurde. Dann wird es tatsächlich gefährlich. Das Schwitzzelt muss natürlich atmungsaktiv bleiben.

Fazit

 

Wir sehen also, dass es für die Erlangung eines außergewöhnlichen Bewusstseinszustandes mit transformativem Charakter bzw. therapeutischem Potenzial nicht zwingend ein exogenes Psychoaktivum braucht. Letztlich tragen wir alle die dafür notwendigen Moleküle – jene, die außergewöhnliche Bewusstseins- bzw. Rauschzustände induzieren können, bereits in uns. Sie müssen bloß mittels einer bestimmten Technik aktiviert bzw. in den Zustand einer verstärkten Freisetzung gebracht werden. Ob diese Technik bzw. Methode jetzt LSD, holotropes Atmen oder Schwitzhütte heißt, spielt im Grunde genommen nur eine nebensächliche Rolle. Zumindest für die endogenen Neurotransmitter, denn diesen ist egal, auf welchem Wege sie freigesetzt werden. Hauptsache ist, sie werden es.

Selbstverständlich gibt es noch eine Vielzahl weiterer Methoden, die bei korrekter Anwendung dazu in der Lage sind, psychoaktive Rauschzustände zu induzieren, ohne dass dazu irgendwelche Substanzen eingenommen werden müssen. Eine Vorstellung weiterer nonpharmakologischer Techniken hätte jedoch den Rahmen dieses Artikels um ein Vielfaches gesprengt.