Wer hätte gedacht, dass wir uns plötzlich alle in einem unglaublichen Ausnahmezustand befinden, der von dem neuartigen Corona-Virus SARS-COVID-19 verursacht wurde, welches sich (durchgehend medial begleitet) von China aus auf den Weg zu uns machte und nun auch unseren Alltag beherrscht? Das Thema beherrscht nicht nur unser Leben, sondern auch unsere Nachrichten und das Internet, wo aber auch viele Fake News rund um die Corona-Epidemie kursieren. Gegen einen offensichtlichen Scherz hat ja auch in schweren Zeiten keiner was – denn auch über Corona soll man Witze machen dürfen. Man sollte den Witz dann aber auch erkennen können – was manchmal schwer fällt, wenn seriöse Informationen fehlen. Oder es so viele davon gibt, dass man leicht den Überblick  verliert…

Machen wir uns eines klar: Wenn man jetzt nicht mal mehr in einem niederländischen Coffeeshop gepflegt einen durchziehen kann, dann ist die Lage verdammt ernst. Nachdem die dortige Regierung im Zuge der COVID-19-Eindämmungsmaßnahmen alle Coffeeshops geschlossen hatte, merkte sie schnell, dass sich das Geschäft so einfach nur wieder auf die Straße verlagerte. Wie anno dazumal deckten plötzlich wieder illegale Straßendealer die unveränderte Cannabis-Nachfrage. Es dauerte nicht lange und die Coffeeshops durften wieder öffnen – allerdings nur noch im “To Go”-Betrieb. Nix mehr mit gemütlich chillen und erstmal einen drehen. Aber immerhin ist die legale Versorgung in den Niederlanden damit wieder gewährleistet.

Diese Nachricht stimmt, wie auch so viele andere dieser Tage – obwohl man es irgendwie immer noch nicht so ganz glauben will. Seit Monaten werden uns nun schon die neuesten Corona-News durch sämtliche Medien serviert – anfangs noch häufig durch den Hinweis ergänzt, dass kein Grund zur Panik besteht. Und wie wir aus so ziemlich allen Katastrophenfilmen wissen: Spätestens, wenn vermeldet wird, dass es keinen Grund für Panik gibt, sollte man sich ernsthaft Sorgen machen. Denn wer weiß schon mit absoluter Sicherheit, ob das wirklich alles so stimmt, was uns da immer gebetsmühlenartig über COVID-19 berichtet wird?

In Bayern und Sachsen darf man nicht mal mehr alleine (!) auf einer Parkbank sitzen, obwohl es dafür (trotz COVID-19) keinen vernünftigen Grund gibt. Da liegt doch die Vermutung nahe, dass man besser gar nicht mehr nach draußen geht – vielleicht ist ja schon die ganze vermeintlich frische Luft flächendeckend kontaminiert? Das ist natürlich Quatsch, aber so eine sinnlose Anordnung schreit fast nach einer neuen Verschwörungstheorie. Denn irgendwas müssen die sich doch dabei gedacht haben…

Panik ist aber nach wie vor nicht angebracht, auch wenn manche bereits panisch agier(t)en – so wie bei den bekloppten Klopapier-Hamsterkäufen. Findige Geschäftsleute nutzen diese pandemische Angst aus, aber letztendlich ist die Aufregung über Atemschutzmasken, die (sonst für ein paar Cent zu haben) plötzlich mehrere Euro kosten, doch ganz schön scheinheilig. Denn was herrscht hier schließlich nach wie vor? Die kapitalistische (wenn auch teilweise krisenbedingt wieder verstärkt soziale) Marktwirtschaft, deren oberstes Prinzip es nun einmal ist, dass der Gewinn maximiert werden muss. Dazu die eherne Marktregel, dass der Preis aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage resultiert – und schon dürfte man sich eigentlich gar nicht mehr über gestiegene Preise für Atemschutzmasken wundern. Hier erleben wir einfach nur kapitalistische Grundgesetze in der alltäglichen Praxis – und wenn wir die nicht mehr (so) wollen, müssen wir wohl über ein anderes Gesellschaftssystem nachdenken.

Aber jetzt ist erstmal Krise und nach wie vor liegt das öffentliche Leben in vielen Ländern fast völlig brach – vielerorts haben Regierungen ihren Bürgern pauschalen Hausarrest verordnet. Bei uns gibt es bisher nur ein “Kontaktverbot” – damit dürfen wir noch vereinzelt auf die Straße und es bleiben “nur” Schulen, Restaurants, Clubs und die meisten Geschäfte geschlossen. Massenveranstaltungen wurden natürlich gleich komplett abgesagt bzw. verschoben und wer weiß, wie die Lage ist, wenn dieser Artikel erscheint – nach Ostern hat die Bundesregierung ja verkündet, wie es weitergeht – aber da ging diese Ausgabe der THCENE bereits in den Druck. Derzeit sieht es so aus, als ob wir das Schlimmste bald überstanden haben könnten, denn inzwischen gibt es jeden Tag mehr Menschen, die das COVID-19-Virus überstanden haben und nun (erstmal) immun sind, als es Neuinfizierte gibt. Auch die tägliche Ansteckungsrate ist deutlich gesunken und so können wir dieser Tage hoffen, dass wir in Deutschland den Höhepunkt der vielzitierten Kurve im Mai erreichen werden – danach sollte die Anzahl der Infizierten auch langfristig sinken. Nichtsdestotrotz hat es unsere Exportwirtschaft schon jetzt heftig erwischt, ebenso die Reisebranche und die Gastronomie. Von den Aktienkursen mal ganz abgesehen.

Erstmals trat das neuartige Virus im Dezember 2019 in der chinesischen Metropole Wuhan auf und man nimmt an, dass SARS-CoV-2 von Fledermäusen stammt, Zwischenwirte wurden noch nicht identifiziert. Derzeit wird davon ausgegangen, dass sich die ersten Menschen Anfang Dezember auf einem Markt in Wuhan (in der chinesischen Provinz Hubei) angesteckt haben. Was aber eben auch heißt, dass man es (noch) nicht so ganz sicher weiß.

Die Infektionsrate in China ist zwar noch unverändert hoch, nimmt aber nur noch minimal zu – trotzdem geht die Kurve der Infizierten dort (noch?) nicht wieder runter. Aktuell gibt es leider noch kein einziges Land weltweit, in dem die Infiziertenrate bereits zurückgeht – und manchen Nationen steht das Schlimmste wohl noch bevor. Während China derzeit über 100 Staaten mit umfangreichen medizinischen Hilfsleitungen unterstützt, hat Trumps Krisenmanagement die USA inzwischen (sowohl was die Infizierten- als auch die Todeszahlen betrifft) auf einen traurigen internationalen Spitzenplatz katapultiert.

Die unglaubliche Geschwindigkeit der Ausbreitung ist vermutlich auch einer der gewichtigsten Gründe für die starke Verunsicherung großer Bevölkerungsteile.

Derzeit sind (Stand: 29. April 2020) weltweit 3.117.880 Menschen infiziert, 217.212 Todesfälle wurden gemeldet. Und täglich kommen (vor allem in den USA) tausende Neuinfizierte dazu – dennoch wird COVID-19 nicht als potenziell tödlich eingestuft. Ähnlich wie bei einer Grippe ist das Virus aber besonders gefährlich für ältere und kranke Menschen. Bisher haben sich immer nur dann tödliche Verläufe ergeben, wenn bereits Vorerkrankungen mit im Spiel waren.

Bisher gibt es noch keinen wirksamen Impfstoff gegen COVID-19, dessen Inkubationszeit (Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) zwischen zwei Tagen und zwei Wochen beträgt. Je nach Typ verursacht COVID-19 leichte Erkältungen bis hin zu schweren Erkrankungen mit Atembeschwerden, hohem Fieber und Lungenentzündungen mit möglicherweise tödlichem Verlauf. Viele erwarten erst im Frühjahr 2021 einen Durchbruch bei der Entwicklung eines massenwirksamen Impfstoffes. Bis dahin kann man sich wohl nur auf die derzeit so viel gepriesenen Arten schützen: Kontakt zu Menschen(mengen) meiden und oft die Hände waschen. Und neuerdings sollen Atemschutzmasken auch etwas bringen – wenn ALLE sie tragen würden.

Letztendlich sollten bei dieser Gesundheitskrise all jene Menschen im Mittelpunkt stehen, die ein erhöhtes Risiko haben, an COVID-19 zu erkranken oder sogar daran zu sterben. Auch wenn ca. 80 % der Bevölkerung diese Epidemie ganz gelassen sehen können (da sie nicht zur Risikogruppe gehören) tragen sie doch eine große Mitverantwortung für die 20 % der Menschen, die sie vielleicht unbewusst anstecken und die das dann nicht so locker wegstecken. Für diese Menschen sollten wir uns regelmäßig und gründlich die Hände waschen, einkaufen gehen und Abstand halten.

Bisher ist COVID-19 noch längst nicht vollständig erforscht – und solange es keine genauen Informationen über diese Mutation des Corona-Virus gibt, bleibt genug Spielraum für Verschwörungstheoretiker und Fake-News-Produzenten. Falschinformationen verschlimmern die Situation jedoch noch weiter und führen zu (unbegründeter) Angst, Panik und unüberlegten Handlungen. Im schlimmsten Fall bewirken auch vermeintlich gut gemeinte (aber falsche) Ratschläge ein erhöhtes Risiko einer weiteren Ausbreitung von COVID-19.

Wir haben hier natürlich kein neues Phänomen vorliegen – COVID-19 stellt lediglich eine Variable dar. In der Vergangenheit konnte man schon häufig beobachten, dass sich Menschen auf Social-Media-Plattformen immer wieder dazu hinreißen ließen, auch Falschmeldungen zu teilen, wenn sie damit (nach eigener Spontaneinschätzung) andere warnen oder gar schützen konnten. Die meisten Verteiler der aktuellen Fake-News und -Videos über COVID-19 wollen also gar nicht zwingend andere Menschen mit der Weiterleitung von Fake-News manipulieren – sie sind sich selbst meist nicht einmal bewusst, dass sie da gerade eine Falschmeldung teilen, denn sie unterliegen einer Art Schutzreflex.

Aber welchen Zweck sollen solche erfundenen Videos oder Beiträge erfüllen? An dieser Stelle wird es dann spannend und auch politisch, denn hier geht es um bewusst geschaffene Verunsicherung, die am Ende lähmen und Misstrauen gegenüber Staat und/oder Mitmenschen säen soll. Dabei spielt dann auch COVID-19 nur die Rolle einer Variable, es gibt eine ganze Reihe von Beispielen, die alle dasselbe Ziel vor Augen haben: Das Vertrauen in staatliche Strukturen nachhaltig zu stören. Oft wird gleichzeitig eine überdimensionale globale Gefahr aufgebaut (5G = wir werden alle verstrahlt / Impfung = wir sollen alle krankgemacht werden / Coronavirus = geheime Waffe zur Bevölkerungskontrolle). Die nationalstaatlichen Regierungen sind laut solcher Theorien entweder heimliche Mitwisser oder lediglich Marionetten in einem viel größeren Spiel – daher müssen sie die eigene Bevölkerung belügen. Das ist der verbreitetste Tenor, der bei solchen Geschichten immer im Subtext mitschwingt – dabei ist es häufig ganz einfach, solche Falschmeldungen zu erkennen. Denn immer, wenn jemand behauptet, ihm wäre heimlich die geheime Wahrheit zugespielt worden und die Presse würde kollektiv irgendetwas verschweigen, und diese Person liefert keinerlei Quellen, sondern nur Behauptungen – dann sollte man lieber skeptisch sein. Die verrücktesten COVID-19 Falschmeldungen haben wir hier für Euch einmal zusammengetragen.

Beginnen wir mit einer Behauptung, die schon seit Februar durchs Netz kursiert: Es geht um “die Patentnummer des Corona-Virus”. Verschiedene Webseiten sind der Ansicht, hier einem unfassbaren Skandal auf die Spur gekommen zu sein – denn tatsächlich gibt es (mindestens) eine öffentlich einsehbare Patentnummer zu einem Corona-Virus. Soweit, so richtig, aber dann setzt es bei manchen Webseiten aus, denn sie verbreiten, dass COVID-19 bereits vor Jahren in geheimen Laboren entwickelt und ganz bewusst freigesetzt wurde. Damit würden wir nun alle eine gewollte Pandemie erleben, die nur einen Zweck hat: Bevölkerungsregulation. Denn auf die Alten und Unproduktiven können die Entscheidungsträger unserer Leistungsgesellschaft angeblich gut und gerne verzichten. Wirft man dann aber einen genaueren Blick auf das Patent, kann man erkennen, dass hier eine abgeschwächte Version eines älteren Corona-Virus patentiert wurde – und genau solche abgeschwächten Viren werden auch für Impfungen sowie die Impfstoff-Forschung und -Entwicklung verwendet. Also gibt es tatsächlich Patente auf Corona-Viren, allerdings nicht auf die neue Corona-Virus-Art COVID-19, die in Wuhan ausbrach.

Andere dubiose Verschwörungstheorien rücken Microsoft-Gründer und Milliardär Bill Gates sowie seine wohltätige Stiftung in den Mittepunkt. So wird die Tatsache, dass eines der Coronavirus-Patente vom englischen Pirbright-Institut gehalten und dieses von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung unterstützt wird, als Beweis für eine Verschwörung der Impfindustrie dargestellt. Gates würde von dem COVID-19-Ausbruch profitieren, wird da behauptet. Die Fakt-Checker von Politifact erklärten dazu, dass hier Zusammenhänge aus dem Kontext gerissen werden. Zwar stimme es, dass das Institut ein Coronavirus-Patent besitzt und die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung in der Vergangenheit das Institut finanziell unterstützt hat – doch würden diese beiden Tatsachen alleine noch nicht beweisen, dass Gates und seine Stiftung von dem Virusausbruch in irgendeiner Weise profitieren. Wenn überhaupt, dann zeigen sie, dass die Stiftung Einrichtungen unterstützt, die daran arbeiten, Epidemien zu verhindern.

Einen weiteren Hinweis auf eine mögliche Labor-Herkunft des Virus sehen andere in der Tatsache, dass in Wuhan u. a. das nationale chinesische Labor für Biosicherheit angesiedelt ist. So zitiert die amerikanische Webseite der “Washington Times” einen ehemaligen israelischen Geheimdienstler, der vermutet, dass das Virus aus dieser Einrichtung entkommen sei. Auch diese “News” verbreitete sich noch schneller als das neuartige Virus selbst. Richtig ist, dass in Wuhan Anfang 2015 tatsächlich ein Virologie-Institut eingeweiht wurde – und zwar das bislang einzige (offizielle) chinesische Labor der biologischen Schutzstufe 4. Nur derartige Hochsicherheitseinrichtungen dürfen mit gefährlichen Biostoffen der höchsten Risikogruppe arbeiten, die laut der internationalen Biostoffverordnung “eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen” (wie z. B. Erreger von Ebola, Pocken oder SARS). Bereits 2017 äußerten Experten im Wissenschaftsmagazin “Nature” Bedenken über mögliche Sicherheitslücken dieses Instituts – könnte also an dieser Geschichte doch etwas dran sein? Derzeit gibt es weder Beweise dafür, noch Beweise dagegen – und die offizielle Version ist nun mal die vom Ausbruch auf einem Wildtier-Markt von Wuhan. Nachdem die Regierung den Ausbruch nicht mehr totschweigen konnte (was sie versucht hat).

US-Forschungswissenschaftler und Autor Dr. James Lyons-Weiler behauptet seinserseits, dass COVID-19 ein einzigartiges Genfragment beinhalte, welches nur in einem Labor eingefügt worden sein kann. Neben dem Virologie-Institut gibt es in Wuhan noch ein privates Hochsicherheitslabor. Die Firma dahinter heißt “WuXi AppTec” (auf diversen Seiten fälschlicherweise bei ihrem alten Namen “WuXi Pharmatech” genannt) und es heißt, sie werde auch von US-Milliardär George Soros finanziert. Laut Eigenbeschreibung leistet dieses Labor niedermolekulare Wirkstoffentdeckungs- und Forschungsdienste. Und tatsächlich kaufte sich Soros 2007 Anteile an der damaligen “WuXi Pharmatech”. Ob er diese Beteiligung zum jetzigen Zeitpunkt noch innehat, ist allerdings unbekannt. Aber eine Person wie Soros wird gerne in den Mittelpunkt von Verschwörungstheorien gestellt, bei denen es meist um eine Art “jüdische Weltherrschaft” geht. Das besagte Labor der “WuXi Pharmatech” hat dabei nicht einmal irgendetwas mit Coronaviren direkt zu tun, aber die Kombination Corona/Labor/Soros genügte einigen Verschwörungstheoretikern bereits, um hier eine Verbindung zu sehen und medial wirksam zu vermuten, dass George Soros sicherlich irgendeinen Anteil am Ausbruch von COVID-19 hat. Und das, obwohl er mit 90 Jahren selbst zur Hochrisikogruppe gehört. Da wäre es wahrscheinlicher, dass (der praktischen Frage “Wem nutzt es?” folgend) COVID-19 im Auftrag westlicher Rentenversicherer entwickelt wurde, die ein riesiges Finanzproblem mit immer mehr Rentnern haben, die einfach nicht sterben wollen und dank den Errungenschaften moderner Medizin trotz Vorerkrankungen weiterhin monatlich ihre Rente beziehen. Das ist natürlich totaler Quatsch – aber viel Quatsch findet sich auch in den Kommentarspalten von BR24, auf YouTube und Twitter. Hier teil(t)en Nutzer verschiedene Links zu Videos, in denen u. a. die Behauptung verbreitet wird, dass Vitaminmangel (wahlweise C oder D) anfällig für COVID-19 macht. Es stimmt zwar, dass viele Menschen in Europa einen Vitamin-D-Mangel haben, aber dass dieser ursächlich für eine Erkrankung sein soll, lässt sich nicht nachweisen. Ebenso wenig hilfreich bei der COVID-19-Abwehr sind Zwiebeln, Knoblauch oder UV-Desinfektions-Lampen – obwohl andere Fake-News das vermelden.

Und manche Fake-News sind gar nicht so richtig gefaket. In Indien zum Beispiel (wo Kühe heilig sind) preisen tatsächlich einige hochrangige Politiker Kuh-Urin als COVID-19-Gegenmittel an. Hier werden auch (No shit!) Kuhdung-Kuchen und -Räucherstäbchen empfohlen, weil die angeblich das neuartige Virus abtöten. Das ist natürlich grober Unsinn – aber die Nachricht stimmt. Kein Fake. Die empfehlen das wirklich.

Eine besonders verrückte Corona-Verschwörungstheorie hat Ali Erhan. Der Maschinenbauer, der zum Esoteriker wurde, ist sich absolut sicher, woher COVID-19 wirklich kommt und warum es ausgerechnet in Wuhan ausgebrochen ist: Die Handystrahlung sei schuld. Schließlich sei Wuhan eine der ersten Städte weltweit gewesen, welche in den Genuss von ultraschnellem 5G-Internet gekommen ist. Erhan ist nun der Meinung, dass “hoch frequentierten Mikrowellen Einfluss auf die Organe und Regelmechanismen im menschlichen Körper haben”. Manche Anhänger dieser Theorie bezeichnen den neuen Mobilfunk-Standard sogar als geheime militärische Waffe – und beweisen damit, dass es immer NOCH verrückter geht.

Leider keine Verschwörungstheorie ist die Feststellung, dass in Krisenzeiten schon immer Bürgerrechte beschnitten oder abgeschafft wurden, die dann nach der Krise nicht wieder zurückkehrten. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist der “Patriot Act” in Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001. Teile dieses “Gesetzes zur Einigung und Stärkung Amerikas durch Bereitstellung geeigneter Instrumente, um Terrorismus aufzuhalten und zu verhindern” liefen zwar am 1. Juni 2015 ab – doch tags darauf wurden sie direkt durch die Bestimmungen des unbefristet gültigen “USA Freedom Acts” ersetzt. Ähnliches könnte uns auch nach der Corona-Krise erwarten – schließlich befinden wir uns gerade in einer “epidemischen Lage von nationaler Tragweite” (wie unser Parlament im neuen Infektionsschutzgesetz erklärte). Das ist eine neue Art des Ausnahmezustandes, in dem viele grundlegende Bürgerrechte ausgesetzt sind, die uns das Grundgesetz bisher bescherte – so z. B. die Versammlungsfreiheit (Versuch jetzt mal, gegen irgendetwas zu protestieren!), die Freizügigkeit oder die Unverletzlichkeit der Wohnung. Wie praktisch, dass z. B. in Bayern die Polizei jetzt schon in jede Wohnung eindringen darf, um zu kontrollieren, ob sich hier vielleicht eine nicht ansässige (und damit verbotene) Person zu Besuch aufhält.

Es wurden auch bereits weitreichende Befugnisse an Bundesgesundheitsminister Spahn übertragen, der am liebsten (natürlich nur für den Kampf gegen das Virus) die Handy-Daten aller Deutschen erfassen lassen möchte. Spahn darf nun Rechtsverordnungen ohne Zustimmung des Bundesrats erlassen und bestehende Gesetze außer Kraft setzen. Das ist verfassungswidrig – und bedeutet sehr viel Macht in den Händen eines einzigen Mannes. In Jens Spahns Händen. Daher müssen wir gerade in Sachen Datenschutz schon in der Krise darauf achten, dass wir unser Recht auf Anonymität nicht aufgeben. Wenn (wie bereits geschehen) die Telekom Bewegungsdaten (noch) anonymisiert ans Robert-Koch-Institut weitergibt, erscheint das irgendwie harmlos und sinnvoll. Aber die diskutierte (wirklich freiwillige?) Corona-App würde Tür und Tor für massive Einschränkungen in Sachen Datensicherheit und eine digitale Ausspähung aller Bürger öffnen. Wenn wir uns daran gewöhnen, dass unsere Grundrechte in der Krise zur Nebensache werden, dann wird diese Krise auch unserem Rechtsstaat schweren Schaden zufügen.

Gleichzeitig scheinen sich die europäischen Staaten von der gemeinsamen Union verabschiedet zu haben, denn die europäischen Grenzschließungen entsprechen nicht dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, da es letztlich die Aufgabe aller europäischen Staaten gewesen wäre, sich schnell auf gemeinsame Eindämmungsmaßnahmen zu einigen. Grenzschließungen wirken hier leider nur wie politische Placebos, mit denen entschlossene (nationale) Handlungsfähigkeit vorgetäuscht wird. Und von Orbán & Co fangen wir an dieser Stelle gar nicht erst an. Irgendwo muss ja auch mal Schluss sein.

Ein Bild, welches aus einer Nachrichtensendung zu sein scheint, verspricht die Heilung durch Hanf: Angeblich soll der Konsum von Cannabis wirksam gegen COVID-19 sein. Das Bild ist allerdings ein klarer Fake – zumal sich solche vermeintlichen News-Screen-Shots ganz einfach selbst gestalten lassen. Bemerkenswert ist allerdings, dass dieser Hoax selbst von prominenteren Personen wie dem indischen Regisseur Vivek Agnihotri geteilt wurde – und zwar mit den Worten: “Solution to a lot of world’s problems lie in India. But you can’t find them as long as you ridicule our ancient wisdom. Cannabis is a magic plant. Till mid-80s it was sold by Govt. Because of Rajiv Gandhi and western Pharma companies it got bad name. Make cannabis legal!” Um der Behauptung (“weed kills corona virus”) auf den Grund zu gehen, fragte ein indischer Journalist dazu bei der Ärztin Dr. Suranjit Chatterjee nach, die erklärte: “Es gibt absolut keine wissenschaftlichen Beweise, um solchen Behauptungen Glauben zu schenken. Wir sind immer noch dabei, das Virus zu entschlüsseln. Solange keine solide Forschung betrieben wird, gibt es keinen Grund, sich an diese Aussagen zu halten.”

Während vereinzelt schon über erste Lockerungen der Notfall-Maßnahmen diskutiert wird, sollten wir nicht übersehen, dass in der aktuellen Krise vor allem Frauen unsere Gesellschaft am Laufen halten – sie sind im Nahrungsmitteleinzelhandel, bei den Sozialversicherungen, in den Krankenhäusern und Arztpraxen sowie in den Kindergärten und Vorschulen die absolute Mehrheit. Auch im Familienalltag leisten sie meist mehr als Männer und hören dafür vielleicht einfach zu selten ein dickes DANKE!

Vielleicht ist ja COVID-19 auch ein großer Glücksfall für unsere Welt. Wir haben uns an jährlich über 20.000 Grippe-Tote (allein in Deutschland) gewöhnt, da wir hier wissen, wie und warum die Menschen sterben. Aber dank Corona haben sich nicht nur unsere Gesundheitssysteme der mikrobiologischen Gefahr gestellt, Milliarden investiert, Labor-Kapazitäten ausgebaut und Pandemie-Notfallpläne erstellt – so lernen wir in und aus der Krise und erkennen, dass wir in solchen Zeiten noch viel stärker zusammenarbeiten müssen. Und tatsächlich sind sich viele trotz Kontaktverbot menschlich näher gekommen, manche sind in der Krise sogar richtig solidarisch geworden. Wenn wir nebenbei keine wichtigen Bürgerrechte aufgeben, sind wir nach dieser Krise vermutlich deutlich besser auf den nächsten unbekannten Virus vorbereitet, der dann viel gefährlicher sein könnte. Und dass irgendwann erneut ein Krankheitserreger ausbrechen und international für Schlagzeilen sorgen wird – davon müssen wir in unserer mutierenden globalen Welt leider ausgehen. Aber jetzt müssen wir erstmal mit seinem Vorboten fertigwerden.

DER Link in Sachen COVID-19-Verbreitung weltweit