Nicht erst die Corona-Krise hat viele von uns dazu gebracht, einmal innezuhalten, einen Schritt zurückzutreten und das große Ganze zu betrachten. Auch in der aktuell gerade wieder sehr beunruhigenden “zweiten Welle” machen sich viele Menschen Gedanken um den Klimawandel und unser bisheriges Reiseverhalten. Warum aber nutzen wir diese Zeit nicht auch für weitere Grundsatzfragen? Fragen, wie zum Beispiel die nach dem Ursprung des “War on Drugs”, der 1971 von dem damaligen US-Präsidenten Nixon ausgerufen wurde.

Einigen von Euch mögen viele Fakten dazu bereits bekannt sein, trotzdem kann es nicht schaden, sich mal wieder mit dieser Thematik zu beschäftigen, da die Politik heute immer noch gerne so tut, als wäre Drogenkriminalität eine Sache, mit der Regierungen (natürlich) gar nichts zu tun haben. Dabei war und ist das Gegenteil der Fall…

Jahrtausendelang hat es die Menschheit verstanden, aus gewissen Pflanzen Nahrung oder Medizin zu gewinnen. In manchen Fällen – wie bei Cannabis oder Mohn – kann eine Pflanze sogar beides bieten. Historisch gesehen war es aber vor allem die Schlafmohn-Pflanze, die mit der Entstehung des “illegalen Rauschgifthandels” verwoben ist. Aus dem Schlafmohn, der gleichzeitig Nahrung (z. B. Mohnkuchen) und Medizin (Opium) bietet, wurde schon seit Urzeiten “Mohnsaft” gewonnen (der austritt, wenn man die Blütenkörbe anritzt) und als schmerzlindernde Wundsalbe verwendet, die nebenbei auch noch ein wenig körperliche und geistige Entspannung liefert.

Und das hätte auch so bleiben können – wäre da nicht eine überaus ambitionierte Insel im Westen Europas gewesen, deren imperiales Streben nach Vorherrschaft vor ziemlich genau 200 Jahren dafür sorgte, dass wir heute Rauschmittel völlig willkürlich und regional verschieden in illegale und legale Drogen einteilen oder als Medizin betrachten. In diesen gerade mal 200 Jahren waren es vor allem die Regierungen der damals führenden Staaten, die dafür sorgten, dass es heute weltweit Probleme mit übermäßigem Drogenkonsum gibt. Tatsächlich würde es den illegalen internationalen Drogenhandel heute gar nicht geben, wenn sich nicht mächtige staatliche Apparate maßgeblich daran beteiligt hätten.

Auch heute noch diktieren die zutiefst in unserem System verwurzelten illegalen Drogen ihre ganz eigene Geopolitik – zum Beispiel durch Geheimdienstoperationen und massive Korruption. Illegalisierte Drogen untergraben unermüdlich unsere eh nicht besonders stabilen Demokratien. Von der Wall Street bis in den Dschungel Kolumbiens, von Shanghai bis Kabul profitieren Kartelle, Pharma-Konzerne, Mafia-Organisationen, politische Parteien und Banken von dem globalen Milliardengeschäft mit illegalisierten Drogen. Dabei ist die Bilanz verheerend: ganze Bevölkerungsgruppen wurden stigmatisiert und entwurzelt, und die Toten kann man schon längst nicht mehr zählen. Das alles begann mit der Pflanze, die auch heute noch in Birma “Geschenk der Götter” heißt.