Die Werke des Hanf-Cartoonisten Steve Stoned

Die Werke des Hanf-Cartoonisten Steve Stoned

Steve Stoned ist in der psychonautischen Szene schon lange als Cartoonist, Illustrator und Designer bekannt. Seine Werke finden sich in Magazinen wie in Büchern, sie schmücken T-Shirts, Poster, Postkarten, Feuerzeuge, Filters, Papers und andere Merchandising-Artikel. Seine Cartoons, Bilder und Illustrationen sind einerseits humoristisch, gleichzeitig beeindrucken sie aber auch oft durch ernsthaften Tiefgang.

Wie hat deine Geschichte als Cartoonist und Grafiker angefangen? Wann wurde dein Interesse daran geweckt? 

Schon in jungen Jahren habe ich zusammen mit meinem Bruder begeistert Comics gesammelt und gelesen. In unserem Dorf auf der schwäbischen Alb gab es einen Tante-Emma-Laden. Die Besitzerin hieß tatsächlich „die Laden-Emma“ und dort gab es eine Kiste mit Comics. Unser Taschengeld haben wir immer in die Comics investiert, am Ende hatten wir einen ganzen Schrank voll davon. Aus diesen Comics habe ich immer Figuren abgezeichnet. Erst kürzlich habe ich wieder einen alten Ordner mit vielen Tarzan-Zeichnungen von mir entdeckt, ich denke, da war ich so etwa zehn Jahre alt. Das Abzeichnen von Comics ist eine gute Übung, um irgendwann eigene Figuren zu entwickeln. Dies habe ich auch noch weitere 10 bis 15 Jahre beibehalten.

Wann und wo ist dein erster Comic erschienen? Kannst du dich noch erinnern?

Erste Comics habe ich in Form von Cartoons beim Eichborn Verlag aus Frankfurt publiziert. Das waren eher einseitige Cartoons für Sammelbände. Ein ganzer Comic „Frei ab 16“ folgte dann 1993 beim Eichborn Verlag, für welchen ich auch viele lustige Cartoon-Bände illustriert habe. Einen eigenen Comic „Die Nacht der Masken“ – im Stil von Erwachsenen-Comics – hatte ich damals auch schon entwickelt. In einem zeitlich aufwendigen Stil, ganz in Farbe mit Tusche, Gouache und Aquarell. Immerhin hatte ich es damit bis zum Ehapa Verlag in Stuttgart geschafft. Es gab vom Verlag einen Wettbewerb mit dem Titel „German Comic Open“, der für Newcomer ausgerichtet wurde. Zwei Seiten davon wurden auch auf der Comic-Messe in Erlangen ausgestellt und ich wurde nach Stuttgart eingeladen, um einen Vertrag für den Comic zu unterschreiben. Leider war das Honorar für einen ganzen Comic so gering, dass ich es nicht realisieren konnte.

Sicherlich ist so ein Comic immer auch ein richtiger geistiger Prozess. Sehe ich das richtig?

Auf jeden Fall. Von der Idee bis zur Umsetzung und den Reinzeichnungen ist es manchmal ein langer Weg. Die Geschichte, das Szenario, die Figurenentwicklung, Seitenaufteilung in Panels und Texte – das alles kostet viel Zeit und wird schlecht bezahlt. Es gab und gibt nur wenige deutsche Comiczeichner, die gut davon leben können – wenn überhaupt. Daher habe ich mich dann mehr auf Illustration und Design spezialisiert.

„Das Potenzial der Psychedelik ist sehr hoch und verbindet Wissenschaft mit Spiritualität. Die Erfahrung, dass Mensch und Natur eine Einheit bilden, ist eines der wichtigsten Dinge im Leben, erst danach ist – meiner Meinung nach – ein Weg zu einem höheren Bewusstsein möglich.“

Was genau möchtest du mit deinen Comics nach Außen transportieren? Gibt es eine persönliche Message?

Das kommt darauf an. Manchmal bekomme ich einen Auftrag zu einem bestimmten Thema. Zum Beispiel habe ich vor ca. 20 Jahren ein paar einseitige Comics für das MAD-Magazin gezeichnet. Dort wurden die Themen vorgegeben und ich musste mir dazu etwas Lustiges überlegen. Ebenso für das Space View-Magazin, dort waren es auch „Onepager“ zu Science Fiction-Filmen und -Serien. Da ist die Bandbreite für eine persönliche Message nicht sehr groß. Anders ist dies bei eigenen Ideen, wo ich dann ganz frei agieren kann. Dann geht es in meiner Message viel um Fantasie, Freiheit und Fiction jenseits der Alltagswirklichkeit. Bei lustigen Comics packe ich gerne auch eine Prise schwarzen Humor mit rein.

Woher nimmst du deine Inspirationen?

Aus meiner ganzen Lebenserfahrung. Dies können Reisen, die Natur, Partys, Bücher, Comics, andere Künstler, Filme, Begegnungen und sonstige schöne oder schräge Erlebnisse sein. Ich schöpfe sozusagen aus dem ganzen Universum der Wunder. Bei den frühen BAZONG- Comics im damaligen Magazin „HANF!“ – sprich vor ca. 20 bis 25 Jahren – habe ich viele Erlebnisse auf Reisen oder Parties in die Geschichten einfließen lassen. Manchmal muss man nur das Erlebte zeichnerisch umsetzen und der Gag passt, oder das Ganze weiterspinnen und einfach der Fantasie freien Lauf lassen. Ich frage mich manchmal auch, wo das alles herkommt. Plötzlich ist eine fantastische Idee da, zwischen dem täglichen Gedankenbrei – wie eine Eingebung aus anderen Sphären.

In deinen Cartoons für das Magazin „Lucys Rausch“ ist auch psychedelischer Tiefgang zu erkennen – was hältst du persönlich vom Potenzial der Psychedelik?

Beim Lucy-Comic konnte ich mich auch ziemlich frei entfalten. Ich habe die Figuren alle selber entwickelt und es macht mir sehr viel Spaß, kleine Geschichten mit etwas Tiefgang zu erzählen. Persönliche Erfahrungen und Inspirationen von verschiedenen Personen, sagen wir mal Bewusstseinsforschern, konnte ich in meine Geschichten mit einfließen lassen. Das waren beispielsweise Weisheiten vom Dalai Lama oder von Terence McKenna, und es ging bis zur Quantenphysik von Hans-Peter Dürr. Das Potenzial der Psychedelik ist sehr hoch und verbindet Wissenschaft mit Spiritualität. Das große Ganze zu erfassen schließt alle Bereiche mit ein. Die Erfahrung, dass Mensch und Natur eine Einheit bilden, ist eines der wichtigsten Dinge im Leben, erst danach ist – meiner Meinung nach – ein Weg zu einem höheren Bewusstsein möglich.

Gibt es in der psychedelischen Gemeinschaft bestimmte Personen, deren Wirken dich privat oder künstlerisch besonders beeindruckt und inspiriert hat?

Natürlich, auf jeden Fall: Roger Liggenstorfer vom Nachtschatten Verlag, Markus Berger, Wolf-Dieter Storl, du und Tine und eine paar liebe Menschen und Freunde mehr. Künstlerisch hat mich Alex Grey sehr beeindruckt, auch HR Giger. In meiner künstlerischen und phantastischen Richtung waren es aber eher französische Comic-Künstler wie Moebius oder Bilal, welche mich vom Stil her stark inspiriert haben.

Du bist nicht nur als Comiczeichner bekannt, sondern auch als der Schöpfer anderer faszinierender Kunstwerke. Was steckt hinter deinem „Phantastic-Art-Design“?

Nun, unter meinem richtigen Namen und unter Phantastic-Design mache ich die ganzen normalen Aufträge, von Puzzle-Motiven, Spiele- Designs bis hin zu Illustrationen für Bücher usw. Darüber hinaus entwerfe ich noch frei meine eigenen Ideen. Science Fiction, Fantasy sowie fantastische Welten sind meine Lieblingsthemen, da kann ich mich am besten austoben.

“Die weltweite Zerstörung der Regenwälder und ihrer Naturvölker ist ein Verbrechen, eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes und eine globale Bedrohung für die Zukunft der ganzen Menschheit.”

Kannst du etwas über deine kürzlich in Reutlingen stattgefundene Ausstellung mit dem Titel „Guardians of the Rainforest“ erzählen?

Ja, sehr gerne, das ist mein neuestes Projekt, ohne Auftrag und alles auf eigenen Ideen basierend. Das Kulturzentrum franz.K in Reutlingen kam bereits letztes Jahr auf mich zu und fragte, ob ich nicht Lust hätte, die Kunstwand außen am Gebäude zu gestalten. Das sind zwei große Flächen, eine davon ca. 470 x 530 cm. Dann hat sich relativ schnell die Idee und ein Konzept entwickelt etwas zum Thema Regenwald zu machen. Die weltweite Zerstörung der Regenwälder und ihrer Naturvölker ist ein Verbrechen, eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes und eine globale Bedrohung für die Zukunft der ganzen Menschheit. Nun fahren täglich ca. 30.000 Autofahrer dort vorbei und ich möchte damit ein Mahnmal gegen die Naturzerstörung und die Bedrohung der indigenen Völker setzen. Meine Intentionen für die beiden Kunstwerke sind erstens der globale Erhalt und Schutz des Regenwalds sowie der indigenen Völker, zweitens die Förderung des Bewusstseins der Einheit von Mensch und Natur und drittens eine Danksagung an die Wächter der Regenwälder und alle Waldschützer. Außerdem unterstütze ich eine Spendenaktion für www.survialinternational.de, eine Organisation, die sich weltweit für die Rechte indigener Völker einsetzt. Von allen verkauften Werken gebe ich einen Beitrag ab. Parallel dazu ist im Café Nepomuk nebenan eine kleine Ausstellung mit meinen freien Werken als Digitaldrucke auf Leinwand zu sehen. Wenn alles klappt, mache ich damit weiter, das heißt, es wird weitere Werke, Ausstellungen und Aktionen zum Thema geben. Dazu noch mein Lieblings-Zitat von Alan Watts: „Die Unfähigkeit, die mystische Erfahrung als solche anzuerkennen, ist mehr als eine intellektuelle Beschränkung. Mangel an Bewusstsein der grundlegenden Einheit von Organismus und Umwelt ist eine ernsthafte und gefährliche Halluzination. Denn in einer Zivilisation, die mit immenser technologischer Macht ausgestattet ist, führt die Entfremdung zwischen Menschen und Natur zur Anwendung von Technologien in einer feindseligen Geisteshaltung – zur ‚Eroberung‘ der Natur anstelle einer intelligenten Kooperation mit ihr.“ Besser kann man es nicht ausdrücken, diese „Bewusstlosigkeit“ können wir gerade in diesen schwierigen Zeiten in Vollendung sehen. Bei der Hanf-Thematik ist es ja das Gleiche. An Stelle einer sinnvollen Nutzung der Pflanze erleben wir über viele Jahrzehnte hinweg Prohibition, Kriminalisierung, Verfolgung und Diskriminierung. Und die Verhinderung einer sinnvollen Nutzung als Rohstoff und Medizin. Der Schaden für Mensch und Natur ist riesig. Es tut sich ja weltweit was, aber bis hierfür wirklich global ein Bewusstsein gedeiht – inklusive der Aufarbeitung und Erkenntnisse aller Fehler in der Vergangenheit – wird es vermutlich noch dauern. Meine Motive zum Regenwald-Projekt sind mehr mystisch und im Fantasy-Bereich gestaltet, die Wächter(innen) stammen aus anderen Sphären und kommen zum Schutz des Regenwalds. Die Ideen hierfür bekam ich durch eigene Erlebnisse und den Film „Der Smaragdwald“ von John Boorman aus dem Jahre 1978. Dort ging es auch schon um ein Staudamm-Projekt und die Zerstörung der Natur. Die vielen Szenen im Regenwald waren zauberhaft. Gleichfalls meine Reisen nach Südostasien, dort durfte ich den Regenwald in Thailand und Indonesien live erleben.

Als Schnellzeichner machst du auch Karikaturen. Wie viele Jahre Übung braucht es eigentlich, um eine Person innerhalb von fünf bis 10 Minuten zeichnen zu können?

Nun ja, den ersten Auftritt hatte ich 2001 auf einer Messe in der Schweiz. Da habe ich bestimmt dreimal so lange für eine Person gebraucht wie heute. Es dauert schlichtweg viele Jahre, bis man eine bestimmte Routine für sich entwickelt hat, um schnell zu sein und dieses Tempo auch durchzuhalten, physisch wie psychisch. Ich werde während meiner Auftritte oft gefragt, ob man Talent dafür braucht, oder ob man es auch erlernen kann. Richtig ist beides, ohne Talent wird es nicht gehen, aber viel Fleiß und auch Spaß daran sind genauso wichtig.

Wie viele Menschen zeichnest du dann an so einem Messe-Tag?

Je nach Buchung und Stundendauer meistens so 30 bis 40 Personen. An einem ganzen Messetag können es auch schon mal 70 Personen werden. Drei Tage Messe und durchschnittlich fünf Stunden am Tag zeichnen ist nicht ohne, ich hatte aber trotzdem eine gute Zeit dort mit vielen Begegnungen. Für einen kleinen Talk zwischendurch ist auch immer wieder Zeit. Das Schönste daran ist: es gibt so viele Begegnungen und viele unterschiedliche Charaktere. Ich habe sehr viele sympathische, vielleicht auch manchmal leicht schräge Menschen gezeichnet.

Qualmt dir danach eigentlich nicht der Schädel?

So ungefähr, das kann auf Dauer sehr anstrengend sein, es geht auf die Konzentration, den Rücken und das Handgelenk. Ich mache es auch nicht mehr gerne über eine lange Zeit. Drei bis vier Stunden reichen. Aber jetzt ist sowieso gerade die große „Lockdown-Pause“ und ich kann in mir schlummernde Ideen endlich umsetzen.

Gab es eine Hanf-Messe, an die du dich besonders gerne zurückerinnerst?

Ach, da gibt es mehrere. Außer an die Messen in der Schweiz erinnere ich mich auch gerne an die Messe in Köln im Jahre 2004. Da hatte ich eine kleine Ausstellung zusammen mit Gilbert Shelton von „The Fabulous Furry Freak Brothers“ und mit Gerhard Seyfried. Es ist immer sehr spaßig und zugleich enorm bereichernd mit meinen Kunst-Kollegen zusammen auszustellen. Weitere gemeinsame Ausstellungen folgten dann auch mit Ivan Artucovich auf der CannaTrade.

Gibt es deine Werke auch als käufliche Kunstdrucke?

Ja, ich habe gerade auf meinen beiden Homepages die Shops eingerichtet. Diese werden immer mehr erweitert. Es gibt Drucke auf hochwertigem Papier, Satinstoff oder auch auf Leinwand mit Keilrahmen. T-Shirts und weitere Produkte sind auch in Planung.

Lass uns abschließend einen Blick auf die Vielzahl der Produkte werfen, die du schon gestaltet und illustriert hast.

Da hat sich im Laufe der Jahre einiges angesammelt, so zum Beispiel Bücher, Puzzles, Spiele, Poster, Feuerzeuge, Filtertips, Papers, T-Shirts, Flaschenetiketten, Stofftaschen, Postkarten, Kalender, Flyer, Visitenkarten, ja sogar Bettwäsche war schon dabei.

Kann man dich eigentlich auch als Künstler für Veranstaltungen oder private Auftragsarbeiten anfragen?

Natürlich, alle Anfragen bitte über meine Webseiten stellen.

Lieber Steve, ich danke dir für das nette Gespräch.

Sehr gerne.

www.phantastic-design.de

www.stoned-design.de

www.karikatur-schnellzeichner.de