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30 Jahre HANFPARADE

Zum mittlerweile dreißigsten Mal zog die HANFPARADE am 8. August für eine vollständige Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel durch die Berliner Innenstadt – im Jubiläumsjahr unter dem Motto „Gerecht – Gesund – Genießen“. Das Wetter war perfekt, und es kamen auch wieder ein paar hundert Hanfbegeisterte…

Als Mitorganisator der frühen HANFPARADE-Jahre (1997-2004) fällt es dem Autor dieser Zeilen immer schwer, über die späteren Jahre dieser Großdemonstration zu berichten, die leider nicht mehr ganz so groß bzw. teilnehmerstark ausfielen. Das mag zum einen daran liegen, dass viele Menschen nach der Teillegalisierung von Cannabis weitgehend zufrieden mit dem Status Quo sind und daher eine Demonstration für die (noch) weitergehende Legalisierung von Cannabis für wenig notwendig halten. Zum anderen hat man sich in Berlin auch schnell an Veranstaltungen gewöhnt, die dann in den Folgejahren einfach weniger spannend und damit weniger gut besucht sind. Und diese Veranstaltung wurde in diesem Jahr immerhin schon 30 – und ab 30 soll man ja angeblich keinem mehr trauen können.

Trotzdem ist es erfreulich, dass die HANFPARADE die Teillegalisierung von Cannabis überlebt hat und auch in diesem Jahr wieder ein paar hundert gut gelaunte Hanffreundinnen und -freunde auf die Straße lockte, um gemeinsam durch die Berliner City zu ziehen. Als die ersten Redner (u. a. Rolf Ebbinghaus und Maximilian Plenert) ab 12 Uhr auf der Barney’s Farm-Bühne gegenüber dem Neptunbrunnen ihre Ansprachen hielten, waren erst ein paar Dutzend Teilnehmer vor Ort, doch mit der Zeit wurden es dann deutlich mehr.

Die fast schon obligatorische 10- bis 15-minütige Verspätung, mit der sich die Demonstration dann nach 15 Uhr in Bewegung setzte, zeigte einige hundert Teilnehmer, die sich bei bestem Wetter und mit vielen eigenen Schildern und Transparenten ausgestattet auf die altbekannte Route der HANFPARADE begaben, die sich in den letzten Jahren leider nicht mehr geändert hat. In den ersten Jahren dieser jährlichen Demonstration ließen sich die Veranstalter noch neue Routen und Orte für die Abschlussveranstaltung einfallen, wodurch die Teilnehmer immer wieder etwas Neues sahen. 

Heute kann man als treuer Teilnehmer der HANFPARADE die Route schon fast im Schlaf wandeln, da man sie inzwischen schon so oft gelaufen ist. Aber die Nähe der Barney’s-Bühne zum Hanf Museum ist natürlich ein nicht zu schlagender logistischer Vorteil, wobei die wenigen Infostände trotzdem recht einsam und eher schlecht besucht wirkten. Cannabis ist halt schon lange kein Aufreger-Thema mehr – und wer sich nicht aufregt, scheint auch nicht (mehr) demonstrieren zu wollen. 

Letztendlich können wir wohl einfach froh sein, dass die HANFPARADE immer noch existiert und für ein paar hundert nette Menschen einen schönen Rahmen für einen THC-berauschten Stadtspaziergang durch die deutsche Hauptstadt bietet. Nicht nur die Teilnehmer, auch die begleitenden Polizisten und die hinterher fegenden BSR-Kräfte hatten bei dem schönen Wetter und der basslastigen Musik ein Lächeln auf den Lippen – und keiner störte sich (mehr) an den vielerorts genossenen und herumgereichten Joints. Es hat sich also bereits etwas geändert – und das ist auch gut so. 

Hoffen wir, dass die HANFPARADE noch einen langen Atem hat und in der Zukunft vielleicht auch wieder mehr Leute auf die Straße zieht – wenn schon nicht durch tagespolitische Notwendigkeiten, dann vielleicht durch ein anspruchsvolleres Musikprogramm, welches in diesem Jahr leider nur noch aus Einzelkünstlerinnen und Einzelkünstlern bestand, echte Livemusik von echten Bands scheint mittlerweile der Vergangenheit anzugehören. Aber vermutlich muss man hier einfach den Aufwand mit dem Nutzen austarieren – und da kann man dann für ein paar hundert Zuschauer auch kein kleines Musikfestival mehr veranstalten. Vielleicht vermisst das auch gar keiner, da hier ja Cannabis im Mittelpunkt steht – und Musik klingt auch aus der Konserve knackig, manchmal sogar knackiger als Livemusik. 

Und wer weiß schon, wie es mit der HANFPARADE weiter geht? In diese Jahr schienen jedenfalls wieder etwas mehr Leute als in den Vorjahren dabei zu sein. Ob das nur am perfekten (nicht zu heißem und nicht zu kaltem) Wetter lag, bleibt abzuwarten. Zu wünschen wäre es dieser alteingesessenen Berliner Legalize!-Demo allemal.