Nüchtern, ein wenig angeturnt oder ziemlich gut unterwegs – ein richtiger Polytoxikomane meistert seinen Alltag in allen Lebenslagen. Polytoxikomanie oder der multiple Gebrauch unterschiedlicher Substanzen bezeichnet die häufige Einnahme verschiedener Substanzgruppen, welche insgesamt die Merkmale einer Abhängigkeit aufweisen. Um diese Spezies Mensch dreht sich der folgende Artikel. Dabei geht es in erster Linie um Menschen, die kaum mehr in der Lage sind, ihren Alltag ohne den Konsum der abhängig machenden Substanzen zu meistern. Ist das denn wirklich so schlimm?

Welche Menschen leben denn so: Konsumieren freiwillig Tag für Tag mehrere Präparate mit hohem Suchtpotenzial? Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber auf jeden Fall sind es doch recht viele. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens jede 100. Person in Deutschland davon betroffen ist und dass in etwa 2.000 Sterbefälle pro Jahr auf Polytoxikomanie zurückzuführen sind. Es handelt sich also keineswegs um ein Randgruppenphänomen, das nur wenige unserer Mitbürger betrifft. Und außerdem ist davon auszugehen, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, denn wer gibt denn schon gerne ohne Zwang diese Form des Drogenkonsums zu?

Spannend ist in diesem Zusammenhang die Frage, was die Gesellschaft über diese Menschen denkt. Da gibt es viele Antworten, zusammengetragen aus meinem engeren „bürgerlichen“ Umfeld. Zum Beispiel, dass Polytoxikomanen den ganzen Tag „high“ im Bett verbringen und die heimische Höhle nur dann verlassen, wenn sie mal wieder Nachschub ihrer legalen und illegalen Substanzen benötigen. Oder dass sie, um ihren Drogen- und anderweitigen Konsum zu finanzieren „krumme Dinger drehen“ und zwangsläufig auf die schiefe Bahn geraten. Das sind weitgehend überholte Vorurteile, denn nicht wenige Polytoxikomanen sind ein funktionierender Bestandteil unserer Gesellschaft. Und ich bin mir sicher, dass manche meiner Antwortgeber vielleicht sogar selbst Polytoxikomanen sind, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Manche Polytoxikomanen sind verheiratet, einige haben sogar Kinder, gehen einem lukrativen Job nach und sind bei Nachbarn und Kollegen sehr beliebt – niemand würde überhaupt auf die Idee kommen, dass es sich um die gefürchtete Spezies Polytoxikomane handelt. Wie könnte also das Leben eines Menschen aussehen, der häufig verschiedene zur Sucht führende Substanzen konsumiert?

Im Folgenden werden zwei Fallbeispiele von Polytoxikomanie erzählt, die exemplarisch sind. Sie zeigen, wie viel wir alle von Polytoxikomanen profitieren können. Die Personen und ihre Handlungen sind frei erfunden, lehnen sich aber natürlich sehr stark an die Verhaltensweisen und Lebensumstände von in der Realität vorkommenden Polytoxikomanen an.