Zwischen dem 12. und 14. Oktober findet in diesem Jahr schon zum elften Mal die CULTIVA Hanfmesse und der dazugehörige Kongress in der Eventpyramide im österreichischen Vösendorf bei Wien statt. Wir haben uns mit dem Initiator und Veranstalter Harald Schubert zu einem Interview getroffen in dem er uns berichtet hat, was die Besucher der CULTIVA dieses Jahr alles erwartet.

Du bist ja schon sehr lange in der Hanfszene aktiv und erfolgreich. Wie hat das eigentlich mit deiner Leidenschaft zum Hanf angefangen?

In 2008 gab es in Europa bereits eine beachtenswerte Hanfbranche mit einer großen Produktvielfalt, und ich dachte, dass eine Messe ein deutliches Signal sei, dass es sich nicht mehr um eine „Szene“ handelt, sondern um gesunde Wirtschaft. Durch einen parallel stattfindenden Kongress wollte ich dem noch Nachdruck verleihen und einen Rahmen für Aufklärung und Diskussion schaffen und das Thema Hanf in die Welt tragen.

Gab es besondere Herausforderungen ein Event dieser Größenordnung auf die Beine zu stellen?

Cultiva Es war 2008 ein bescheidener Beginn. Obwohl die Branche in Österreich seit über 10 Jahren existiert hat, war es für die Besucher nicht selbstverständlich auf eine öffentliche Veranstaltung zum Thema Hanf zu gehen. Ich habe immer den Kontakt zur Exekutive (Behörden und Polizei) gepflegt und lange Gespräche zum Thema geführt. Es gab von dieser Seite nie Probleme, obwohl das Interesse immer vorhanden war. Ich verschenke jedes Jahr Freikarten an die lokalen Polizeibehörden, und einmal meinte ein Beamter: „Glauben Sie wirklich, dass wir Eintrittskarten brauchen, wenn wir hinein wollen?“ Ich sagte, dass sich vielleicht Bekannte darüber freuen würden. Bei der ersten Messe hatte ich die Polizeibeamten sogar durch die Pyramide geführt und dabei hat Marco Renda – damals Betreiber einer Selbsthilfevereinigung in Kanada – stolz die Lizenzkarten seiner Mitglieder präsentiert. Die Beamten waren einigermaßen überrascht darüber, dass es Cannabis in legaler Form überhaupt geben konnte. Als 2010 die Messe in Prag zum ersten Mal stattgefunden hat, ist die CULTIVA sehr stark unter Druck geraten. In Tschechien sind die Gesetze relativ liberal geworden, das Preisniveau ist viel niedriger und nach Spanien ist Tschechien der zweitgrößte Markt in Europa. Der Messeveranstalter, welcher mittlerweile ein Freund und Wegbegleiter geworden ist, meinte, dass die CULTIVA die erste Hanfmesse war, die er besucht hatte und sie ihn zur Veranstaltung seiner Messe motiviert habe. In den Folgejahren war es schwierig, die Aussteller von der Messe in Wien gegenüber der zeitnahen Messe in Prag zu überzeugen, doch ich glaube, Wien hat durch die einzigartige Location, die höhere Kaufkraft und den Einzug der angrenzenden Länder überzeugt. Wir haben uns in der Organisation große Mühe gegeben und versucht, Fehler zu vermeiden. Und vielleicht hat dies auch dazu beigetragen, dass sich die CULTIVA heute zu einer zuverlässigen und mittlerweile sehr gut besuchten Messe entwickeln konnte. Was immer wieder unterhaltsam ist, sind die unterschiedlichen Freizeitprogramme der Aussteller. Viele nutzen das angrenzende Einkaufscenter für einen abendlichen Ausflug, manche gehen zu den typischen Heurigen in der Nähe und ein Aussteller antwortete auf meine Frage, was sie abends so machen werden “Wir gehen in die Oper und schauen uns Don Giovanni an!“ So findet am Ende jeder seine Abendgestaltung neben der Messe. Im Grunde könnte ich über jede CULTIVA ein kleines Buch schreiben. Zum Glück sind uns große Probleme bis jetzt erspart geblieben. 2009 hat ein „kleiner“ Buttersäureanschlag fast zur Schließung der Messe geführt und 2014 ist auf der Party der Strom ausgegangen und die Band saß eine halbe Stunde auf der Bühne im Dunkeln, bis das Problem gelöst werden konnte. Die meisten Aussteller wohnen im Hotel Pyramide, und die Stimmung ist dort immer recht ausgelassen. Das meiste davon erfahre ich aber nicht, und die vielen kleinen Anekdoten sollten wohl auch besser in der Pyramide bleiben.

Mit der Eventpyramide Vösendorf hast du ja eine Top-Location für  die CULTIVA gefunden. Wie kam es zu diesem einzigartigen Veranstaltungsort?

CultivaEine fast 40 Jahre lange Geschichte verbindet mich mit der Pyramide. Früher war die Ausstellungsfläche der Pyramide eine riesige Badelandschaft mit Sporteinrichtungen. Da, wo jetzt Messestände stehen, waren Bars im Wasser und im Kongressbereich waren 4 Tennisplätze. Während meiner Studienzeit habe ich dort öfter als Tennislehrer gejobbt. Aus dieser Zeit übrig geblieben sind nur noch der große Wellnessbereich mit dem Fitnesscenter, sowie ein Teil des Hotels. 2002 wurde die Badeanlage geschlossen und zum Event- und Kongresscenter umgebaut. Im Herbst 2007 fuhr ich das erste Mal an der 42m hohen Glaspyramide vorbei und stellte mir vor, wie darin Hanfpflanzen unter Lampen wachsen würden und den nächtlichen Himmel erstrahlen ließen. Ich hatte bereits viele Messen besucht und die Pyramide schien mir der spektakulärste Ort für eine Hanfmesse zu sein. Zur ersten CULTIVA im Oktober 2008 kamen etwa 80 Aussteller und genossen es, dass sie, im Gegensatz zu anderen Messen, hier ihre Stände und Dekorationen in die Höhe wachsen lassen können. Das Pyramidenmanagement war einigermaßen überrascht über die Dimension, denn es hatte mit ein paar Tischen für Räucherstäbchen – und nicht mit einer High-Tech Messe gerechnet. Obwohl die Besucherzahl überschaubar blieb, ist doch ein großes Aha-Erlebnis bei vielen geblieben. Die Direktoren der Pyramide haben sich in den folgenden Jahren die Klinke in die Hand gegeben und ich musste jedes Jahr aufs Neue schwere Überzeugungsarbeit leisten, um überhaupt einen Termin für das Folgejahr zu bekommen. In den darauffolgenden Jahren hat sich die Messe gut entwickelt, und die Betreiber der Pyramide haben sich von der wachsenden, gesunden Branche überzeugen können und sind mit dem Umsatz für Messe und Hotel zufrieden. Und auch unsere Messebesucher und die Aussteller schätzen die Gartenanlage im Innenhof der Location und das spezielle Flair der Pyramide sehr. Die direkte Anbindung nach Wien und in die umliegenden Orte durch den gratis Shuttlebus zur U-Bahn, sowie durch die Lokalbahn, welche vor der Tür hält, sorgt für eine entspannte autofreie Anreise.

Neben der Location hebt sich die CULTIVA ja vor allem durch den Cannabis Kongress – der oft den Schwerpunkt “Cannabis als Medizin” hat – von anderen Hanfevents ab.

Cultiva2008 hatte ich mich entschlossen, auch einen kleinen Kongress anzuschließen. Das Thema war bei anderen Messen gerade im Abflauen und ich dachte mir, der deutschsprachige Raum hätte zum Thema Hanf gerade in der Medizin einiges zu sagen. Ich habe mich um Referenten bemüht, aber das Interesse bei den Besuchern war nur schwer zu wecken. In den folgenden Jahren haben andere Messen auch wieder mehr Anstrengungen für Vorträge während der Messe unternommen, sodass diese heute ein fester Bestandteil sind. Dieses Jahr findet der Kongress wieder in den Räumen des Konferenzhotels statt. Vor zwei Jahren richteten wir erstmals eine Patientenlounge ein. In kleinen Gruppen zu ausgewählten Erkrankungen können Patienten mit Referenten und Ärzten persönliche Themen austauschen. Dies hat großen Anklang gefunden und die Patientenlounge findet dieses Jahr wieder und in ihrer vergrößerten Form im Kongresshotel statt.

Worauf können die Besucher der CULTIVA sich in diesem Jahr besonders freuen? Was sollten die Besucher auf keinen Fall verpassen?

CultivaUm nur einiges zu nennen: Den Kongress und die Patienten-Lounge im Kongresshotel, die Glasbläsershow von ROOR, die Künstler auf der Gartenbühne, die tollen Pflanzen, die die Hemp Embassy wieder ausstellen wird, den Gartenbereich der Pyramide, der zum Relaxen einlädt, den Kongress mit all seinen Vorträgen sowie die Patienten-Lounge. Die Besucher kommen in den Genuss, von namhaften Referenten Informationen aus erster Hand zu erfahren – unter anderem werden Dr. med. univ. Kurt Blaas sowie Dr. med. Franjo Grotenhermen und Saul Kaye aus Israel zu medizinischen Themen referieren. Außerdem lädt das gemütliche Flair im Gartenbereich und am Lagerfeuer am Samstag, 13.10 zum Verweilen ein. Und auch die kulinarischen Genüsse im Garten und die Live Kochshow sind einen Besuch wert. Die Ausstellerzahl hat sich bis heute verdoppelt. Es gibt treue Stammkunden und es sind viele Aussteller aus dem Bereich „CBD“ dazugekommen. Die CULTIVA hat es als einzige Messe in Europa geschafft, die hochwertige Glasindustrie – ROOR, Ehle, Plaisir, Jelly Joker uvm. – auf die Messe zu bringen. Die teilweise sehr teuren, von Hand gefertigten Produkte, finden hier Absatz und es freut mich sehr, dass Qualität aus Deutschland sein Publikum findet. Gemeinsam mit der Firma ROOR betreiben wir nun zum vierten Mal eine Glasbläser-Show, in der die weltbesten Glasbläser – dieses Jahr Daniel S. Coyle, Patrick Stratis und Phil Siegel aus den U.S.A. – auf der Messe Spitzenprodukte präsentieren. Dies ist eine Faszination für viele Besucher und eine tolle Werbung für die Glasmanufaktur.

Trotzdem gibt es ja leider auch immer wieder Rückschläge. So hat die derzeitige Regierung hier in Österreich z.B. verkündet, sie werde gegen den Handel mit Stecklingen und den Konsum von Cannabis im Allgemeinen vorgehen. Wie schätzt du die Lage ein?

In Österreich gab es unmittelbar nach der CULTIVA 2017 eine Reform des Suchmittelgesetzes dahingehend, dass Hanfprodukte aller Art unter 0,3% THC nicht mehr strafbar sind. In Folge hat eine Vielzahl an Geschäften eröffnet und der rege Verkauf von Hanfblüten, -Ölen, -Tees hat begonnen. Im Frühjahr 2018 wurde Hanf von der HMPPA zur Arzneipflanze des Jahres gewählt. Die WHO veröffentlicht erstmals einen Bericht über CBD, einer nicht-psychoaktiven Molekülverbindung in der Hanfpflanze. In Amerika ist ein Medikament auf CBD-Basis für die Behandlung von kindlicher Epilepsie seitens der FDA zugelassen worden. Im Juni 2018 haben in Österreich alle Parlamentsparteien beschlossen, ein Konzept für medizinisches Cannabis, am Modell von Deutschland, im Gesundheitsministerium auszuarbeiten. In Österreich werden vermehrt Verkehrskontrollen auf Cannabiskonsum durchgeführt. Das Problem der fehlenden Grenzmengen schafft eine willkürliche Behandlung hinsichtlich Beeinträchtigung und Nicht-Beeinträchtigung. In Deutschland gibt es von dem 56. Verkehrsgerichtstag die Empfehlung die bestehenden Grenzwerte zu erhöhen. In Österreich gibt es bis dato keine Ansätze zur Regelung. Die Ankündigung, dass Samen und Stecklinge verboten werden sollen, steht zwar im Regierungsprogramm. Darüber wie und wann eine Umsetzung erfolgen könnte, gibt es derzeit keine Informationen. Das Strafrecht soll 2019 in Begutachtung gehen. Was sich konkret ändern wird ist unklar. Auf dem CULTIVA Blog werden wir Interessierte auf dem Laufenden halten. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, wenn Einsatzmöglichkeiten in der Medizin, Regeln für den Jugendschutz, Grenzwerte im Straßenverkehr oder Qualitätskontrollen von Experten erarbeitet würden. Noch immer verlieren täglich Menschen ihren Ausbildungs- und Arbeitsplatz, den Führerschein, werden stigmatisiert und ausgegrenzt. In dieser Hinsicht ist es mir genau wie vor 10 Jahren ein Anliegen, mit der Austragung der CULTIVA Hanfmesse eine Plattform zu schaffen, auf der sich Menschen treffen und austauschen können.

LOCATION

 

Eventpyramide & Eventhotel Congress Center Vösendorf

Parkallee 2, 

AT-2334 Vösendorf, 

Österreich

Die Eventpyramide und Hotel befindet sich 15 Minuten vom Zentrum am Rande Wiens. Gratis-Shuttle von der U6-Haltestelle Siebenhirten direkt zum Messeeingang der Pyramide.

 

ÖFFNUNGSZEITEN

Achtung: dieses Jahr gehen die Pforten der Cultiva bereits ab 10:30 Uhr auf.

Die ersten Vorträge beim Kongress starten um 11:00 Uhr.

Fr, 12.10. 2018 von 10:30 – 19:00 Uhr

Sa, 13.10. 2018 von 10:30 – 20:00 Uhr

So, 14.10. 2018 von 10:30 – 18:00 Uhr

Jugendliche unter 18 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen. Die Eintrittskarte gilt für die Hanfmesse und den Cultiva Cannabis Congress.

Die Mitnahme von Hunden in die Pyramide ist nicht gestattet. Sollte ein Begleithund (Blindenhund, etc.) vonnöten sein, bitte vorab mit der Cultiva GmbH Kontakt aufnehmen.

www.cultiva.at

www.hanfkongress.at 

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