An dieser Stelle möchte ich Euch heute mal einen Lesetipp ans Herz legen, und zwar: Die ganze Geschichte von Yanis Varoufakis, erschienen im Verlag Antje Kunstmann. Noch nie konnte man über das Politikgeschäft einen so ungeschminkten und realitätsnahen Bericht lesen, wie in diesem Buch. Eine Fernsehproduktion wie House of Cards verblasst dagegen zu einer langweiligen Schnarchnummer.

Zur Erinnerung: Der griechische Staat war bankrott, die Banken des Landes pleite. Und eine Troika aus Internationalem Währungsfond, Europäischer Zentralbank und der Gruppe von Ländern mit Eurowährung sagte den Griechen: „Wir geben euch weiterhin Geld, aber nur unter gewissen Bedingungen.“ Worauf die griechische Regierung einwilligte und Geld bekam.

Nur die gewissen Bedingungen entpuppten sich leider als eher gewissenlos, denn sie machten die Lage in dem Land tatsächlich noch viel schlimmer. So wie ein Notarzt, der einem Patienten mit Kreislaufkollaps als erste Maßnahme 10 l Blut abzapft. Und wenn der Patient dann fragt, ob das Blutabzapfen auch wirklich gegen den Kollaps hilft, antwortet der Arzt: „Nein, aber dann bist du schon mal so blass, wie meine Ahnung, was dir genau fehlt.”

Aus diesem Grund wählte die griechische Bevölkerung als Nächstes dann die neue Syriza-Partei , die versprochen hatte, diesen Zustand zu ändern. Und diese Partei ernannte mit Yanis Varoufakis keinen Parteibuchkarrieristen zum Finanzminister, sondern einen externen Experten, der als studierter Wirtschaftswissenschaftler weltweit Vorträge und Vorlesungen hält und mit den angesehensten Ökonomen des Planeten im Austausch steht. Und damit meine ich nicht Hans Werner Sinn, denn die Rede ist ja von den angesehensten Ökonomen.

Während Angela Merkel noch glaubte, dass man volkswirtschaftliche Zusammenhänge mit einer schwäbischen Hausfrau vergleichen kann, wusste der Varoufakis bereits, dass das nur klappt, wenn sie genau so viel Zaziki wie Spätzle einkauft.

Was der Varoufakis außerdem wusste: Bei all den Gesprächen zur Griechenlandrettung mit IWF, EZB, Eurogruppe und allen europäischen Finanzministern und Staatschefs, bei all diesen Gesprächen mit Schäuble und Juncker und Dijseelbloem und Mario Draghi und Christine Lagarde – selbst unser alter Spezi Jörg Assmussen tauchte von den Totgesagten wieder auf und meinte, da ein Wörtchen mitreden zu müssen, was er besser unterlassen hätte, denn bei allen Gesprächen hatte der Varoufakis die ganze Zeit heimlich und unbemerkt an seinem Handy die Aufnahmefunktion aktiviert. Und jedes Wort aufgezeichnet. Und zwar silbengenau und buchstabengetreu. Und das Resultat in diesem Buch veröffentlicht. Yanis Varoufakis ist also ein griechischer Whistleblower. Man nennt ihn seitdem auch den Souflaki-Snowden.