Es ist noch nicht alles Gold, was grünt…

 

Seit Anfang dieses Jahres ist im US-Bundesstaat Kalifornien der Verkauf von THC-haltigen Cannabisprodukten auch für den Freizeitkonsum legal. Zuvor war dies nur zu medizinischen Zwecken erlaubt. Kalifornien ist zwar nicht der erste US-Bundesstaat mit einer solchen weitreichenden Legalisierung (Colorado und Washington waren Vorreiter, Alaska und Oregon folgten), aber der bisher mit Abstand bevölkerungsreichste und wirtschaftlich bedeutsamste. Einige Zahlen, die dies verdeutlichen: Die Wirtschaftsleistung Kaliforniens ist größer als die von Frankreich und Großbritannien, dieser einzelne US-Bundesstaat ist gar die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt (!), auch wegen der enormen Umsätze der IT- und Technologiebranche im Silicon Valley. Flächenmäßig ist Kalifornien ebenso riesig, größer beispielweise als Deutschland und die Schweiz zusammen und somit der drittgrößte US-Bundesstaat. Die Einwohnerzahl liegt bei knapp 40 Millionen, es gibt 58 Bezirke mit insgesamt 482 Städten. Es wird erwartet, dass der legale Cannabismarkt in Kalifornien bis 2020 einen Umsatz von jährlich sieben Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Euro) erzielen wird, was für den Bundesstaat Steuereinnahmen von ungefähr einer Milliarde Dollar bedeuten würde.

Nun kann also jeder Erwachsene ab 21 Jahren in Kalifornien auch ohne medizinische Verschreibung ganz legal potente Cannabisprodukte erwerben: Gras, Haschisch, Konzentrate wie Shatter, Wax oder Live Resin, Edibles (essbare Cannabisprodukte), Getränke – was immer das Herz begehrt. Alles cool also? Alles easy-peasy, wie man in Kalifornien gern sagt? Nicht so ganz. Was die Umsetzung der Legalisierung angeht, gleicht Kalifornien einem bunten, fast schon chaotischen Flickenteppich. Denn das Gesetz ermöglicht es jeder kalifornischen Stadt, eigene Regeln zur Umsetzung der Legalisierung zu bestimmen. Was mit einschließt, dass sich eine Stadt auch dazu entschließen kann, jegliche Art von kommerziellen Cannabisaktivitäten zu verbieten. Beispielsweise keine Pot-Shops (Grasverkaufsläden, in denen es natürlich auch Haschisch, Konzentrate und andere THC-haltige Produkte gibt) und Kultivierungsbetriebe zuzulassen. In solchen Städten kann man also weder gewerblich legal growen noch potente Cannabisprodukte verkaufen. Für eine solche „Null-Option“ hatte sich im April 2018, einige Monate nach Beginn der Legalisierung, sogar eine deutliche Mehrheit der kalifornischen Städte entschieden: In mehr als zwei von drei Städten war jegliche Art von gewerblichen Aktivitäten untersagt.