Oft prangern wir auf diesen Seiten unseres Magazins ganz verschiedene gesellschaftliche oder politische Missstände an, die mit der Zeit den bleibenden Eindruck vermitteln könnten, dass wir auf dem Weg in eine düstere Zukunft sind und man kaum etwas dagegen tun kann. Aber wann war das je anders? Welche Epoche war denn so viel besser als die Gegenwart? Mir fällt keine ein und ich bin froh, dass ich hier und heute leben darf. Und sooo schlimm steht es um unsere Erde auch gar nicht – daher gibt es heute an dieser Stelle einmal etwas ganz anderes.

Viele Menschen glauben nach wie vor, dass früher alles besser war als heute. Dabei hat das mit den objektiven Tatsachen nicht viel zu tun. Denn tatsächlich geht es der Welt heute viel besser als z.B. noch vor 50 Jahren – und doch macht sich in großen Teilen der Bevölkerung immer stärker der Eindruck breit, dass beispielsweise die Kriminalität in Deutschland immer weiter steigt. Manche sehen da einen Zusammenhang mit den vielen Flüchtlingen, die Deutschland aufgenommen hat – dabei ist der Prozentsatz krimineller Flüchtlinge ähnlich groß, wie der von kriminellen Deutschen. Und doch scheinen wir immer viel genauer hinzuschauen, wenn Flüchtlinge straffällig werden – das nutzt dann der rechte Flügel unserer Gesellschaft auch stets gerne für die eigene Argumentation der Angst. So wächst eine Kluft zwischen der Realität und unserem individuellen Empfinden, welches durch unsere Medien stets genährt wird, wenn sie (so wie wir ja auch oft) eher über Fehler oder Missstände berichten, als über gesellschaftlichen Fortschritt oder eine positive Entwicklung unserer Spezies.

Leider leben die meisten Medien heute ganz gut davon, schlechte Nachrichten zu verkaufen. Denn de facto sind schlechte Nachrichten viel gefragter und auch beliebter als gute – ganz entgegen der sonstigen Aussagen der Menschen, die sich selbst und anderen doch eigentlich nur alles Gute wünschen. Vielleicht sind Verkaufszahlen und Einschaltquoten ja einfach ehrlicher als Meinungsumfragen, bei denen sich das Individuum oft doch irgendwie gut darstellen will.

Vielleicht kennt Ihr Folgendes ja auch aus Eurem Leben: Hat man seinen Bekannten oder Freunden etwas Trauriges oder Negatives über sich selbst mitzuteilen, dürfte der Prozentsatz der Interessierten nicht nur deutlich höher sein als bei positiven Nachrichten, darüber hinaus wird auch oft Sozialkompetenz und Mitgefühl aktiviert. Man erlebt sich dann als Zuhörer, Tröster und Berater und steigt des Abends zufrieden ins Bett, da man ja etwas Gutes geleistet hat: Auf jeden Fall hat man Trost gespendet und wer weiß – eventuell konnte man ja sogar einem Freund in der Not helfen. Irgendwie schon eine feine Sache.