In diesem Jahr finden überall auf Kuba offizielle Feiern zum 60. Jahrestag der Revolution statt. Seit Fidel Castro und Che Guevara 1959 mit ihrer „olivgrünen“ Revolution das Batista-Militärregime vertreiben konnten, ist das Wort „Revolución“ auf dem karibischen Inselstaat nahezu allgegenwärtig. Es steht auf großen Plakatwänden, handgemalt auf Mauern und Häusern, auf Fahnen, Mützen oder sonstigen Textilien. Aber wie viel revolutionären Geist findet man auf Kuba heute tatsächlich noch? Was sind Vorurteile und was ist Realität? Wir begaben uns vor Ort auf eine Spurensuche, die Euch hier mit etwas karibischer Revolutionsgeschichte und ein wenig kubanischer Drogenpolitik serviert wird.

Kubas jüngere Geschichte ist eng mit Fidel (Alejandro) Castro (Ruz) verbunden, der gut 50 Jahre lang die Entwicklung seines Landes maßgeblich prägte. Der Revolutionsführer und ehemalige Präsident des Inselstaats wurde von Anhängern wie Gegnern gleichermaßen als starke Persönlichkeit beschrieben. Er war wohl einer der charismatischsten Politiker der letzten Jahrzehnte und im Gegensatz zu vielen anderen Staatsführern hat er sich nie nennenswert persönlich bereichert und es gleichzeitig geschafft, dass Leben der meisten seiner Landsleute nachhaltig zu verbessern.

Der von klein auf rebellische Sohn eines galicischen Einwanderers begann 1945 ein Jurastudium. Bald schon leitete Castro die „Vereinigung der Jura-Studenten“, organisierte Demonstrationen und setzte sich vehement für ärmere Bevölkerungsschichten ein. Als frischgebackener Anwalt vertrat er ab 1955 dann auch vorwiegend ärmeren Klienten, wodurch er selbst in finanzielle Nöte geriet. Sein politischer Werdegang verlief dagegen von Anfang an vielversprechend: Castro kandidierte für die Wahlen von 1952 als Abgeordneter einer kubanischen Volkspartei (Partido del Pueblo Cubano) und hatte dabei auch sehr gute Siegeschancen. Doch Batista verhinderte mit einem Staatsstreich demokratische Wahlen auf Kuba und installierte sein brutales Militärregime. Auch die daraufhin von Castro eingereichte Verfassungsklage wurde umgehend und diktatorisch abgelehnt und erst jetzt – nachdem alle demokratischen Mittel ausgeschöpft waren –entschloss sich Castro zum bewaffneten Widerstand und rief das kubanische Volk zur Revolution auf.

Fidel Castro wollte dabei übrigens immer, dass Kuba seinen ganz eigenen nationalen Weg geht und so verkündete der Revolutionsführer 1959, unmittelbar nach dem Sieg über Diktator Batista: „Unsere Revolution ist weder kapitalistisch noch kommunistisch, aber die heutige Weltlage stellt uns vor die Wahl zwischen dem Kapitalismus, der die Menschen aushungert und dem Kommunismus, der ihre wirtschaftlichen Probleme löst, aber dafür die Freiheiten unterdrückt, die ihnen teuer sind. Der Kapitalismus gibt den Menschen preis, der Kommunismus mit seinen totalitären Vorstellungen opfert seine Rechte auf – wir sind weder mit dem einen noch mit dem anderen einverstanden. Unsere Revolution ist nicht rot, sondern olivgrün. Sie trägt die Farbe der Rebellenarmee aus der Sierra Maestra.“

Als kleiner Inselstaat konnte Kuba jedoch nicht lange ohne ausländische Hilfe überleben, und als die USA ihre völker- und menschenrechtswidrige Handelsblockade etablierten und z.B. kein Öl mehr lieferten und keinen kubanischen Zucker mehr kauften, nahm Castro schließlich das Angebot der damaligen Sowjetunion an, die für die USA „einsprang“ und dafür „nur“ eine (pseudo)kommunistische Landespolitik forderte. Die sie dann auch kriegte.

Damit gehörte Kuba für die Vereinigten Staaten fortan und für lange Zeit zur “Achse des Bösen” und war bzw. ist inzwischen schon fast wieder (in Trumps Augen sicherlich) ein “Schurkenstaat“. Aber auch hier ist vieles relativ, denn Tatsache ist auch, dass die USA durch die CIA und andere Geheimdienste auf Kuba in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Terroranschläge verüben lies, bei denen nachweislich weit über 3.000 kubanische Bürger (unter ihnen viele Frauen und Kinder) starben. Und auch Castro wollten die US-amerikanischen Machthaber lange Zeit unbedingt töten – tatsächlich hat sich wohl noch kein Staatsmann so vielen Tötungsversuchen erfolgreich entziehen können, wie Fidel Castro. Die CIA kriegte ihn weder mit Gift, explodierenden Zigarren noch vermeintlichen Verrätern. Castro selbst sagte einmal sarkastisch, dass – wenn es eine Weltmeisterschaft im Überleben von  Attentaten geben würde – er diese sicherlich gewonnen hätte.