Die multiple Sklerose (MS) oder auch Enzephalomyelitis disseminata ist eine Krankheit mit tausend Gesichtern. Sie ist in Mitteleuropa die häufigste chronisch entzündliche Krankheit des Zentralnervensystems und neben Epilepsie eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen jüngerer Erwachsener weltweit. Allein in Deutschland leiden ca. 200.000 Menschen an MS, weltweit sind es ca. 2,5 Millionen. Frauen sind dabei ungefähr doppelt so häufig betroffen wie Männer – warum das so ist, weiß man (noch) nicht, die Ursache dieser Erkrankung ist bis heute ein Rätsel. Fest steht nur: MS ist eine neurologische, chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung, welche im Wesentlichen in drei Verlaufsformen auftritt. Es ist also eine Erkrankung des Nervensystems, die wahrscheinlich durch eine außer Kontrolle geratene Abwehrreaktion des eigenen Immunsystems entsteht.

Erkrankung und Entstehung

 

Im Verlauf einer MS bilden sich multiple entzündliche Entmarkungsherde in der weißen Substanz des Gehirns und Rückenmarks. Diese werden wahrscheinlich von einem Angriff der körpereigenen Immunzellen auf die Myelinscheiden (Markscheiden) der Nervenzellfortsätze hervorgerufen. Myelin ummantelt unsere Nerven, um elektrische Leitfähigkeit, Schutz und Isolation zu gewährleisten. Sind sie beschädigt, kann es (je nach Lokalisation) zu unterschiedlichsten Symptomen und Ausfällen kommen. Tödlich verläuft diese Krankheit eher selten, dennoch raubt sie Betroffenen oft jegliche Lebensqualität – und das ist auch der Grund, warum es wichtig ist, symptomorientiert und nebenwirkungsarm zu behandeln. Die Krankheit ist in jedem Falle günstig beeinflussbar.

Es gibt drei Formen der MS. Der primär progrediente Typ (PPMS), welcher ca. 15 % der Fälle ausmacht, ist wohl der invasivste, er äußert sich durch eine schleichende Progression neurologischer Defizite, welche sich nicht zurückbilden. Der zweite Typ ist die schubförmig remittierende MS (SRMS), welche sich durch einzelne Schübe auszeichnet, deren Symptome sich entweder vollständig oder unvollständig zurückbilden. Leider geht diese Form in 50 % der Fälle nach 10 bis 15 Jahren in eine progrediente Form über und stellt somit die dritte Form dar: die sekundär progrediente Form (SPMS). Als Schub bezeichnet man das Aufkommen neuer, oder das Wiederaufflammen alter klinischer Symptome, welche länger als 24 Stunden anhalten und mit chronisch entzündlichen Entmarkungsherden in Verbindung zu bringen sind. Um als einzelne Schübe zu gelten, müssen die Symptome im Abstand von 30 Tagen auftreten, Tage bis Wochen dauern und eine komplette oder inkomplette Remission (Rückgang) aufweisen. Es gibt Triggerfaktoren wie z. B. einen Virusinfekt oder eine Schwangerschaft, aber auch psychischer Stress ist inzwischen als Auslöser nachgewiesen.