In der letzten Ausgabe habe ich ein wenig ketzerisch die Frage gestellt, ob Coffeeshop-Besitzer (bzw. leitender Angestellter in einem Coffeeshop) ein Traumberuf sei. Im ersten Teil war die Fahrt eines niederländischen Coffeeshop-Besitzers über die spanische Grenze trotz reichlich Material im Auto gerade noch einmal gut gegangen, obwohl er vom Zoll gefilzt wurde. Im zweiten Teil geht es nun um Gangster, Haschisch unter der Kneipentheke und Deals, die fast ins Auge gegangen wären.

Als ich mich in Eindhoven mit einem der arriviertesten niederländischen Cannabis-Journalisten unterhalte, erzählt dieser mir mit zwar geröteten, aber auch leicht feuchten Augen von den Zeiten, bevor es in Holland Coffeeshops gab: “Hier in Eindhoven gab es eine Kneipe, die vom alten Piet (Name von der Redaktion geändert) geführt wurde. Das war ein lustiges Lokal und das Treiben war ziemlich bunt. Eigentlich hätte den Gästen auch der Alkohol schon gereicht, denn hier waren viele stadtbekannte Schluckspechte unterwegs. Aber da gab es noch eine Besonderheit, denn Piet hatte unter seinem Tresen ein kleines Fach, in dem er eine Menge Haschisch gebunkert hatte. Das waren in der Regel Stücke für 50 Gulden. Die ganze Stadt wusste, was in dem Laden lief. Aber niemand unternahm etwas dagegen.” Die Pointe dieser Geschichte liegt darin, dass sich die Kneipe vom alten, inzwischen längst verstorbenen Piet zum ersten Coffeeshop in Eindhoven weiterentwickelte. Zugleich zeigt die Geschichte auf, wie schwierig die juristische Einschätzung des Cannabis-Verkaufs in den Niederlanden war und noch ist – darauf wurde im letzten Artikel bereits eingegangen. Aber lassen wir dieser Anekdote ihr Happy-End: Piets alte Kneipe ist heute einer der besten Coffeeshops in der niederländischen Provinz Gelderland.

Von kleinen Straftaten zu großen Verbrechen. Eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass Coffeeshop-Besitzer gefährlich leben, oder? Wir haben im ersten Teil erfahren, dass sie ständig auf der Hut vor der Polizei leben müssen, da sie in einem quasi-legalen bzw. eigentlich schon nicht mehr legalen Umfeld ihre Geschäfte tätigen. Zudem sehen sie sich gezwungen, sich mit “Dealern” zu einigen, die Cannabis-Waren im großen Stil umsetzen.

Auch dieser Aspekt sollte in Sachen Gefährlichkeit des Berufsstandes Coffeeshop-Besitzer nicht unterschätzt werden. Und dann gibt es schließlich auch noch die ganz bösen Jungs, die einen Teil vom Kuchen abhaben möchten, ohne sich dafür die Hände schmutzig machen zu wollen. Die Rede ist von Gangs und Gangstern, die darauf spezialisiert sind, Coffeeshops auszuspionieren und herauszufinden, wo die entsprechenden Läden ihre Vorräte gebunkert haben.