Carla Schmidt ist 62 und hat nicht das Gefühl, irgendetwas verbergen zu müssen – die ehemalige Krankenschwester genießt ihr Rentnerdasein auch mit Cannabis und steht dazu. Wir besuchten die Wahlberlinerin und Pflanzenliebhaberin in ihrer Kreuzberger Wohnung und befragten sie zu ihrem Alltag mit Cannabis.

Hattest du schon etwas über Cannabis gehört, bevor du selbst anfingst, das Kraut zu rauchen?

Ein wenig. Ich komme ja aus dem Osten Deutschlands und da war Cannabis auch schon lange vor der Wende etwas, worüber – meist im Zusammenhang mit Woodstock oder der 68er-Bewegung – durchaus mal gesprochen wurde. Insofern wusste ich zumindest schon, dass es diese Pflanze gibt, allerdings konnte ich damals noch keine eigenen Erfahrungen sammeln. Aber wie gesagt: Wir haben trotzdem eine ganze Menge mitgekriegt, da Radio- und Fernseh-Wellen ja nicht vor der Mauer Halt machten. Und so wusste ich dann auch schon damals, dass Cannabis nicht nur berauschen kann, sondern auch eine vielfältige Nutzpflanze ist. Wie ich dann bei eigenen Recherchen feststellte, fand man die Pflanze auch in DDR-Publikationen oder Lexika. Besonders interessant fand ich den mir damals ja noch völlig unbekannten berauschenden Effekt, den weibliche Hanfblüten verursachen – obwohl ich in Drogenfragen eigentlich ein eher vorsichtiger Mensch bin. Wie wahrscheinlich die Meisten, die in der DDR aufgewachsen sind.

Dann ist dir Cannabis auch erst nach dem Mauerfall persönlich begegnet?

Ja, obwohl wir ja schon 1988 nach Westberlin zogen, nachdem unser Ausreiseantrag bewilligt worden war. Aber da begann ich ja nicht sofort damit, die hier verbreiteten illegalen Drogen zu erforschen – in dem Wohnheim hat man da ja eh noch nicht so viel mitgekriegt. 1989 habe ich dann angefangen, als Krankenschwester in einem Westberliner Krankenhaus zu arbeiten und fand dort in einer Kollegin eine gute Freundin, die mich dann auch mal mit in die damalige Bhagwan-Diskothek am Kurfürstendamm nahm. Dort wurde auch viel gekifft und meine Freundin fragte mich ständig: „Da ist es wieder – riechst du das nicht?“ Aber irgendwie tat sich meine Nase damals noch schwer – ich roch einfach nichts oder konnte den Geruch damals einfach noch nicht richtig einordnen. Dabei wurde damals ja fast ausschließlich Haschisch geraucht, was ja deutlicher und intensiver als Gras riecht.