Cannabis hilft immer mehr Menschen dabei, mit chronischen Leiden zu leben, ohne Einschränkungen der Lebensqualität oder störende Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu müssen. Doch in Deutschland kann man leider nicht einfach zum Arzt gehen und sagen: „Ich nehme seit zehn Jahren Cannabis gegen Leiden XY, bitte verschreiben Sie mir das jetzt.“ Selbst die Verordnung von Fertigpräparaten wie Dronabinol oder Sativex ist nicht gerade einfach, bei echten Cannabisblüten ist das noch ein wenig komplizierter. Hierfür muss der Patient mit seinem begleitenden Arzt einen Antrag bei der Bundesopiumstelle einreichen. Bislang scheuen viele Ärzte den Verwaltungsakt oder fürchten um ihren guten Ruf. Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel und so haben es bereits über 1000 Menschen geschafft, eine Ausnahmegenehmigung zur Selbsttherapie mit niederländischem Apotheken-Gras zu erhalten. Unsere Autoren Max und Micha haben beide eine „Lizenz zum Kiffen“ und werden Euch das reichlich komplizierte Thema „Cannabis und Medizin“ ein wenig näher bringen und vor allem Fragen zum Thema „Medizinalhanfblüten“ beantworten. Wenn Ihr also Fragen habt, schreibt einfach an redaktion@thcene.com. Die Autoren können allerdings nicht die Rolle Eures Arztes übernehmen und werden an dieser Stelle keine medizinischen Fachfragen beantworten.

Norbert (38) fragt: Ich leide an Morbus Crohn und therapiere mich seit über zehn Jahren selbst mit Cannabis. Als ich neulich bei meinem langjährigen Hausarzt vorgesprochen und ihm zum ersten Mal von meiner Selbstmedikation mit Cannabis erzählt und ihn auf die Möglichkeiten einer Cannabis-Therapie angesprochen habe, erschien er mir im Gespräch ganz nett und aufgeschlossen. Er hat mich zu einem Neurologen überwiesen, der sich mit Cannabis auskennt und als Diagnose neben meiner Darmkrankheit unter anderem Cannabismus angegeben. Soll das so etwas sein wie Morphinismus? Heißt das dann, er hat nur so getan, als ob er mich ernst nimmt und hält mich in Wirklichkeit für einen Kiffer, der so an sein Gras kommen möchte?

Micha: „Cannabismus“ ist ein historischer Begriff für eine chronische Vergiftung mit Cannabis und beschreibt, was moderne Mediziner heute als problematisches Konsummuster beschreiben. Das gehört aber nicht in eine Diagnose, weil unter Diagnosen lediglich Erkrankungen aufgelistet werden und die medizinische Verwendung von Cannabis keine Erkrankung ist. Es gehört allenfalls ans Ende des Arztberichts, wo Medikation, deren mögliche Nebenwirkung und sonstige therapeutische Maßnahmen beschrieben werden. Da dein Hausarzt von Cannabismus spricht, kannst du getrost davon ausgehen, dass deine Vermutung richtig ist: Er hat keine Ahnung von Cannabinoid-Medizin und hält dich für einen Kiffer, der sich im besten Falle einbildet, dass Cannabis ihm hilft. Ansonsten hätte er dich auch nicht an einen Neurologen überwiesen, sondern sich selbst schlau gemacht, nachdem du schon so lange bei ihm in Behandlung bist. Vermeide das Thema einfach beim nächsten Hausarztbesuch und konsultiere für diese spezielle Therapie einen anderen Arzt. Das Selbsthilfenetzwerk-Cannabis-Medizin (SCM) kennt eventuell einen Spezialisten in deiner Nähe, wenn du selbst keinen findest.

Steffi (28) will wissen: Ich habe mich schon eine Weile mit den einzelnen Sorten aus der Apotheke beschäftigt und finde besonders deren Terpenprofile sehr interessant. Während ich die bei den kanadischen Import-Sorten auf vielen Seiten im Netz finde, musste ich bei Bedrocan lange suchen. Woran liegt das?

Max: An dem unterschiedlichen Wissensstand der Beteiligten. Zwar ist die Erstellung eines Terpen-Profils weder in Kanada noch in den Niederlanden obligatorisch, um eine Sorte bei der jeweiligen Cannabis-Agentur anzumelden, aber kanadische Patienten verlangen danach. Ohne Terpenprofil wäre eine medizinische Sorte dort einfach schlechter verkäuflich, weil der Patient nicht einschätzen kann, wie sie schmeckt und riecht. In Deutschland oder den Niederlanden sind Patienten froh, dass es überhaupt ein paar verschiedene Sorten an Medizinal-Hanfblüten gibt. Das Wissen um Terpenprofile ist aufgrund der wenigen legalen Sorten in Europa noch eher Untergrund– und Fachwissen einiger Spezialisten, die nicht hinter dem Tresen einer Apotheke stehen.