Dass Bienen geschützt werden müssen, da sie einen immensen Beitrag zur Erhaltung der Flora leisten, ist inzwischen weithin bekannt. Doch die kleinen Insekten haben noch sehr viel mehr zu bieten. Was genau, das erzählt uns der Imker und Buchautor Fabian Kalis in diesem Interview.

Gab es in deinem Leben ein bestimmtes Schlüsselerlebnis oder eine Inspiration, welche dich dazu veranlasst hat, Imker zu werden?

Ich hatte zwar schon seit meiner Kindheit ein großes Interesse an der Natur und in meiner späten Jugend kam dann auch eine besondere Auseinandersetzung mit Heil- und Zauberpflanzen mit ins Spiel – aber zu den Bienen bin ich dann doch ganz zufällig gekommen. Nach dem Schulabschluss war ich auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und nach einigen erfolglosen Abstechern in die üblichen Berufswelten war mir schnell klar, dass ich etwas anderes machen wollte. Also habe ich mich umgeschaut, was sich so an besonderen Ausbildungsplätzen finden lässt. Dabei habe ich dann eine Ausschreibung für einen Ausbildungsplatz zum Imker entdeckt und dachte mir: “Wow, das klingt spannend”. Also habe ich mich kurzerhand beworben und wurde dann auch direkt zu einem Praktikum eingeladen. In dem Moment, als ich dann zum ersten Mal in das Innere eines Bienenstocks geschaut habe, war mir klar: das ist es! Ich war sofort von einer tiefen Faszination und Ehrfurcht vor diesen kleinen Insekten ergriffen.

Stichwort Ökologie und Nachhaltigkeit: Welche Bedeutung haben Bienen für das Überleben der Menschheit? Oft liest man ja den Spruch: Erst gehen die Bienen, dann die Menschen.

Diesen Spruch gibt es in den unterschiedlichsten Formulierungen, teilweise wird sogar Albert Einstein als Urheber genannt. Das ist aber Quatsch – sowohl Einstein als Quelle wie auch die Aussage an sich. Bienen sind zwar unerlässlich für den Erhalt von Artenvielfalt und wenn es sie nicht mehr gäbe, würde die Welt, in der wir leben, eine völlig andere sein. Viele Pflanzen und Tierarten würden aussterben. Der Mensch, dessen Ernährung heutzutage zum größten Teil von den drei Getreidearten Weizen, Mais und Reis  sichergestellt wird, würde aber auch ohne die Bienen genügend Nahrung zum Überleben finden. Die moderne Agrarindustrie macht es möglich. Hier wurden die Bienen sowieso schon lange wegrationalisiert. Zugegeben, die Auswahl an Obst und Gemüsesorten würde drastisch sinken und ein deutlich geringerer Ertrag an diversen Feldfrüchten ließe diese zu hochpreisigen Luxusgütern werden. Grünzeug, um sich mit den nötigen Vitaminen zu versorgen, würde es aber noch geben. Unsere Ernährung würde aber deutlich karger ausfallen und das Ökosystem der Erde würde ziemlich auf den Kopf gestellt werden. Die eigentliche Frage ist daher: Ist eine Welt ohne Bienen eine Welt, in der wir leben möchten? Ich denke, da ist die Antwort ein klares Nein.