Was steckt hinter der Krise in der Ukraine? Warum scheint das Wort „Putin-Versteher“ plötzlich so anrüchig zu sein? Ist es denn nicht von Vorteil, jemanden zu verstehen, sich in seine Lage hineindenken zu können? Denn das bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass man der gleichen Meinung sein muss. Sollten wir nicht versuchen, möglichst alle Seiten zu verstehen?

Die Europäische Union hat der geplanten Hilfe für die Ukraine einen wohlklingenden Namen verpasst: Mit einem „Marshall-Plan“ will Brüssel dem seit Jahren in einer tiefen wirtschaftlich-sozialen Krise feststeckenden Land zu Hilfe kommen und das langjährige Tauziehen mit Russland so doch noch für sich entscheiden. Allerdings muss die Ukraine – so führende EU-Politiker – dafür notwendige Reformen auf den Weg bringen. Bei Finanzhilfen für die vom Staatsbankrott bedrohte Ukraine sollte der Internationale Währungsfonds (IWF) eine zentrale Rolle übernehmen – dabei gilt (wie auch für andere Krisenstaaten) der Grundsatz: keine Hilfe ohne Gegenleistung. Das bestätigte auch Finanzminister Wolfgang Schäuble: „Voraussetzung für Hilfen ist, dass die notwendigen Reformen auf den Weg gebracht werden. Dafür steht der IWF.“ Darüber bestehe Einvernehmen in der Bundesregierung sowie mit wichtigen internationalen Partnern.

Der EU-Währungskommissar kann sich vorstellen, das bisherige Hilfsangebot an Kiew von 600 Mio. Euro um bis zu einer Milliarde aufzustocken, um einen drohenden Staatsbankrott abzuwenden. Einigkeit über den desaströsen Zustand der Ökonomie der Ukraine ist in allen politischen Richtungen festzustellen. „Die Ukraine ist dabei, in den Abgrund zu rutschen, sie befindet sich am Rande der Zahlungsunfähigkeit“, erklärte der ukrainische Finanzminister Juri Kolobow und rief den Westen auf, eine Geberkonferenz einzuberufen. Laut Kolobow brauche die Ukraine Unterstützung in Höhe von etwa 35 Mrd. US-Dollar (ca. 25,5 Mrd. Euro). Dies sei der Bedarf für das laufende und das kommende Jahr.